Zusätzliche freie Tage? Was man über die neue Regelung wissen muss



Der Tarifabschluss 2018 hat die Entgelte seit 1. April um 4,3 Prozent steigen lassen sowie mehr Wahlmöglichkeiten bei der wöchentlichen Arbeitszeit eröffnet. Und: Im Juli 2019 kommt eine neue  Sonderzahlung, das neue tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG) – fast ein Drittel eines Monatsentgeltes (27,5 %)!

Der Tarifvertrag gibt bestimmten Beschäftigten in Schichtarbeit, mit Kindern unter 8 Jahren oder mit Angehörigen in häuslicher Pflege die Möglichkeit, auf das T-ZUG zu verzichten und stattdessen 8 freie Tage zu beantragen. Das bedeutet aber auch, dass entsprechend viele Arbeitsstunden fehlen. Arbeit, die liegen bleibt, weil Mitarbeiter weniger arbeiten, müssen gleich qualifizierte Kollegen mit erledigen. Auch das ist im Tarifvertrag so festgehalten.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur M+E-Tarifregelung:


Bis wann muss ich den Antrag stellen?

Bis zum 31.10.2018 muss der Antrag vorliegen.

Bei wem muss ich den Antrag stellen?

Der Antrag muss beim Arbeitgeber gestellt werden. In der Regel wird es in der Personalabteilung einen entsprechenden Personalverantwortlichen geben, bei dem die Anträge abgegeben werden. 

Was muss ich nachweisen?

Beschäftigte müssen nachweisen, dass alle Voraussetzungen vorliegen. Es ist aber möglich, dass der Arbeitgeber auf den Nachweis einzelner Voraussetzungen verzichtet, weil sie ihm bereits bekannt sind.

Habe ich ein Recht auf die freien Tage?

Den Antrag dürfen nur die Beschäftigten stellen, die die genannten Kriterien erfüllen. Aber: Selbst dann kann der Arbeitgeber den Antrag ablehnen. Der Tarifvertrag hält ausdrücklich fest, dass die Arbeitszeit, die ein Mitarbeiter kürzer arbeitet, von gleich qualifizierten Kollegen aufgefangen werden muss. Kann das entfallende Arbeitsvolumen nicht auf diese Weise ausgeglichen werden, kann der Arbeitgeber den Antrag auf zusätzliche freie Tage ablehnen.


Was passiert, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Dann wird das tarifliche Zusatzgeld ausbezahlt.

Kann man auch halbe-halbe machen?

Nein, es geht nur Entweder-oder.

Kann ich jedes Jahr neu entscheiden?

Ja, solange der Tarifvertrag für die M+E-Industrie läuft, können sich die Mitarbeiter jedes Jahr neu entscheiden, ob sie den Antrag stellen. Allerdings können die Tage pro Kind und pro pflegebedürftigen Angehörigen nur zwei Mal genommen werden. Und, was ebenfalls zu sagen ist: Es wird in vielen Fällen nicht in jedem Jahr die Möglichkeit einer Kompensation geben.

Interview: "Wir müssen in die Zukunft investieren“

Thomas Brunn, Verhandlungsführer M+E MITTE
(Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland)

Rekordbeschäftigung – alles im Lot für M+E?

Wieder über 4 Millionen Beschäftigte, rund 200.000 junge Menschen in Ausbildung – die M+E-Industrie ist mehr denn je das Herz der Wirtschaft. Mit ihren Arbeitsplätzen sichern die Unternehmen Wachstum und Wohlstand im Land. Rund 20 Prozent des gesamten Steueraufkommens in Deutschland werden inzwischen von Metall und Elektro erwirtschaftet. Wir leisten einen ganz wesentlichen Beitrag zum Funktionieren unseres Sozialsystems. Und was die deutsche Industrie auch auszeichnet: Die erfolgreichen Weltmarktführer sind über das ganze Land verteilt. Die Industrie schafft Arbeitsplätze auch abseits der großen Städte und sorgt über die Steuereinnahmen für die Infrastruktur der Region. Eine wettbewerbsfähige Industrie ist deshalb auch wichtig für die Stärkung des ländlichen Raums!

… wir hören ein Aber?

Ja, denn leider tut die Politik nichts dafür, dass diese Steuereinnahmen auch morgen noch fließen. Sie betrachtet die Wirtschaft nur als Zahlmeister. Steigende Energiekosten, bröckelnde Verkehrswege, der stockende Ausbau schneller Datennetze – nirgendwo ist ein Aufbruch in eine wirtschaftlich starke Zukunft zu erkennen, sondern allenfalls ein Weiter-so. Stattdessen werden Rentengeschenke verteilt, die kein einziges Problem lösen. Worauf es ankommt ist, in die Zukunft zu investieren: in die hochwertige Ganztagsbetreuung von Kindern, in Bildung, in die Infrastruktur, in schnellere Genehmigungsverfahren für Bauvorhaben und in eine bessere Forschungsförderung beispielsweise.

Und auf dem Arbeitsmarkt – setzt die Politik da die richtigen Signale?

In den letzten fünf, sechs Jahren wurde zu viel darüber diskutiert, die Arbeitnehmer weniger arbeiten zu lassen – statt gegen den Arbeitskräftemangel vorzugehen. Wie soll das erst in wenigen Jahren aussehen, wenn die geburtenstärksten Jahrgänge anfangen, in Rente zu gehen? Außerdem will die Regierung den Beschäftigten mehr Freizeit oder Zeit für die Pflege von Angehörigen ermöglichen, prangert aber gleichzeitig alle Instrumente als prekär an, mit denen wir in der Zwischenzeit diese Ausfälle ausgleichen können. Das geht nicht zusammen. Wie man bei solchen Themen zu vernünftigen Lösungen für  Betriebe und Beschäftigte kommt, haben wir mit dem M+E-Tarifabschluss 2018 gezeigt. Der hält deutlich fest: Die Arbeit muss gemacht werden. Zusätzliche freie Tage sind nur möglich, wenn die Ausfälle intern ausgeglichen werden können.

Quelle: M+E-Zeitung 2/2018