Tarifrunde 2017/18

Informationskampagne zum Tarifabschluss gestartet

Am 6. März 2018 ist die Erklärungsfrist für das Verhandlungsergebnis zur Tarifrunde 2018 der Metall- und Elektroindustrie vom 9. Februar 2018 abgelaufen. Jetzt hat die Vorbereitungs- und Umsetzungsphase begonnen.

Neben dem aus vergangenen Tarifabschlüssen bekannten Umgang mit Pauschalzahlungen und der Tabellenerhöhung besteht Informationsbedarf vor allem hinsichtlich der neuen Regelungen zur Arbeitszeitgestaltung, die in einem neuen Manteltarifvertrag mit dem 1. Januar 2019 in Kraft treten werden.

Die neuen Arbeitszeitregelungen ermöglichen beiden Seiten – Arbeitgeber und Beschäftigten –, Arbeitszeitvolumen passgenau zu gestalten. leichtere Zugangsmöglichkeiten zu den erweiterten Quoten von 25 respektive 45 % sowie den Wechsel zu einer Durchschnittsbetrachtung der wöchentlichen Arbeitszeit statt der Quotenbetrachtung. Beschäftigte können durch die tarifliche verkürzte Vollzeit und den Wandel von Geld in Zeit befristete Arbeitszeitreduzierungen erreichen.

Um einen ersten Überblick über die neuen Tarifregelungen zu geben, wurden im März erste Informationsveranstaltungen in jeder Bezirksgruppe und eine zentrale Veranstaltung in Frankfurt angeboten, an denen rund 240 Firmenvertreter teilnahmen.

In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere, tiefergehende Informationsveranstaltungen angeboten. Weiterhin werden Muster und andere Hilfsmittel, wie z.B. für Betriebsvereinbarungen zur Umsetzung der neuen Arbeitszeitregelungen oder ein Leitfaden, in dem das Zusammenspiel von gesetzlichen und tariflichen Teilzeitmöglichkeiten dargestellt wird, zur Verfügung gestellt.

Das Verhandlungsergebnis im Einzelnen:

  • Laufzeit des Tarifvertrags: 27 Monate (1. Januar 2018 – 31. März 2020)
  • Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,3 Prozent zum 1. April 2018
  • Einmalzahlung für den Monat März in Höhe von 100 Euro, Auszubildende 70 Euro (Auszahlung im März)
  • 2019 Einführung eines tariflichen Zusatzgeldes pro Jahr ("T-ZUG (A)") in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts, auszahlbar im Juli; ein weiterer Bestandteil, „T-ZUG (B)“, ist ein für alle Beschäftigten einheitlicher Betrag (in 2019: 400 Euro).     Dieser T-ZUG (B) kann 2019 und auch in den Folgejahren in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verschoben, reduziert oder ganz gestrichen werden
  • Beschäftigte mit erhöhten privaten und beruflichen Belastungen (Kinder bis 8 Jahren, häusliche Pflege von Angehörigen ersten Grades mit mindestens Pflegegrad 1, Schichtarbeiter ab bestimmter Dauer in Schichtarbeit sowie bestimmter Betriebszugehörigkeit) können statt des prozentualen Monatsentgelts des „T-ZUG (A)“ auch acht freie Tage wählen (für Eltern und Pflegende maximal zweimal pro Kind und/oder Pflegefall)
  • Ab 1.1.2019: Anspruch für alle Vollzeit-Beschäftigten auf befristete Teilzeit mit Rückkehrrecht in Vollzeit: begrenzt auf 6 bis 24 Monate und Absenkung auf bis zu 28 Wochenstunden; Ablehnung aus betrieblichen Gründen möglich (z.B. wenn die ausfallende Arbeitszeit nicht adäquat ersetzt werden kann, bei einer Überlastungsquote von zehn Prozent aller Beschäftigten in "verkürzter Vollzeit" bzw. 18 Prozent in Teilzeit insgesamt)
  • Beibehaltung der Quote von maximal 13 Prozent Beschäftigte, mit denen 40-Stunden-Verträge vereinbart werden dürfen
  • Möglichkeit einer Quotenanhebung auf 25 Prozent per Betriebsvereinbarung, wenn ein Fachkräfteengpass nachgewiesen werden kann
  • Möglichkeit einer Quotenanhebung auf 45 Prozent ("Strukturquote") per Betriebsvereinbarung, wenn im Betrieb mehr als 50 Prozent der Beschäftigten in der Entgeltgruppe 7 (bisher E 9) oder höher eingestuft oder AT-Mitarbeiter sind; Widerspruchsrecht des Betriebsrates bei allen drei Quoten, bei 13-Prozent-Quote erst, wenn diese um drei Prozentpunkte überschritten ist
  • Möglichkeit für die Betriebe, statt einer Quotenregelung auf ein Modell eines "kollektiven betrieblichen Arbeitszeitvolumens" zu wechseln; Festlegung dieses kollektiven Volumens auf durchschnittlich 35,7 Stunden pro Woche (ergibt sich aus 13 Prozent 40-Stünder und 87 Prozent 35-Stünder); Wechsel auch aus Quotenmodellen 25 & 45 Prozent möglich (kollektives Volumen dann 36,3 bzw. 37,3 Stunden); Effekt: Jeder Teilzeitbeschäftigte gibt Volumen nach oben frei für zusätzliche 40 Stünder; Widerspruchsrecht des Betriebsrats auch bei Überschreitung des kollektiven Volumens
  • Betriebe, die mit der heutigen Quotenwelt gut leben können, können Verbleib in der "alten Tarifwelt" erklären
  • Möglichkeit für die Betriebe, im Einvernehmen mit dem Betriebsrat, aus Zeitkonten bis zu 50 Stunden pro Jahr (zuschlagsfrei) per Auszahlung auszubuchen (entspricht rechnerisch pro Woche gut einer Stunde mehr Volumen)
  • Tarifliche Rahmenregelung für freiwillige Betriebsvereinbarungen zu "mobilem Arbeiten" außerhalb der Betriebsstätten
  • Ein zusätzlicher Freistellungstag für Auszubildende vor Prüfungen, bei gestreckten Prüfungen maximal zwei freie Tage

 Abbildung Deckblatt M+E Sonderausgabe

 Die Sonderausgabe als pdf-Datei!

 

 Logo Zukunft statt zu teuer


 

 

 

 

 

 

 

 

Rückblick auf die zweite Verhandlungsrunde:

Auszug aus M+E Sonderzeitung

 Eine detaillierte Aufbereitung unseres Angebotes aus der zweiten Verhandlungsrunde inklusive einem Interview mit dem Verhandlungsführer Thomas Brunn und weiteren Fakten!

Kampagneninfos:

Mit der 28-Stunden-Woche holen wir keinen Titel

Plakataktion in Frankfurt

Mit sieben großflächigen Plakatwänden rund um die IG Metall Zentrale in Frankfurt weisen wir auch die IG Metall-Führung auf unsere Ziele in der Tarifrunde hin. Die Aktion läuft noch bis Ende Januar 2018.

 

Materialien

Link zur Kampagenseite Gesamtmetall

Flexibilität wird längst gelebt - hier finden Sie:

Unternehmerstimmen, Faktencheck, Interview mit dem Verhandlungsführer

Tarifrunde 2018 - Unternehmen im Interview

Die Forderung der IG Metall zur Arbeitszeit-Verkürzung stößt gerade in mittelständischen Betrieben auf völliges Unverständnis – zwei Beispiele aus Hessen

Herborn/Immenhausen. „Was sich die IG Metall da vorstellt und wie man das realisieren soll – das ist für mich ein Rätsel.“ So sagt es Sascha Korupp, technischer Leiter und Prokurist bei der Herborner Pumpenfabrik im mittelhessischen Herborn. Er meint auch die happige Lohnforderung, die nun auf dem Tisch liegt, vor allem aber die Forderung nach individueller Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Stunden.

Und der Ingenieur wird da schnell deutlich: „Alles, was aktuell das Arbeitszeitvolumen im Betrieb weiter
reduziert, ist einfach Mist! Weil es die Arbeit hier unnötig verteuert – und wir dieses Geld viel lieber in die weitere Modernisierung des Unternehmens stecken würden.“ Schon jetzt sei es eine ständige Herausforderung, die schwankenden Auftragseingänge mit der normalen Belegschaft – knapp 140 Mitarbeiter – zu bewältigen.

Der Fachkräftemangel sei durch die „Rente mit 63“ noch unnötig verschärft worden, hat der Mann aus der Pumpenfabrik beobachtet. Dazu kämen die gesetzlichen Ansprüche auf Teil-, Eltern- und Pflegezeit. Ergebnis: „Es fehlen uns schon jetzt Mitarbeiter, die wir am Arbeitsmarkt derzeit aber gar nicht kriegen können. Damit die Arbeit getan wird und die Kunden zufrieden sind, muss mehr organisiert werden – viele Kollegen jonglieren da richtig.“ Eigentlich, so Korupps Fazit, müssten die verbliebenen Kräfte eher mehr Stunden leisten und nicht etwa weniger, um die Aufträge auch weiterhin bewältigen zu können.

Ähnlich sieht das Carsten Rahier, geschäftsführender Gesellschafter der sera-Gruppe im nordhessischen Immenhausen.  Die produziert mit 220 Mitarbeitern Maschinen und Anlagen rund ums Dosieren, Fördern und Verdichten von Flüssigkeiten und Gasen. „Was die IG Metall fordert, würde den Fachkräftemangel weiter verschlimmern“, betont Rahier. „Und sich sehr nachteilig sowohl für die Unternehmen auswirken als auch für die vielen Beschäftigten – die so ein Reduzierungsbedürfnis überhaupt nicht haben. Die aber dann die Arbeit der fehlenden Kollegen in irgendeiner Form kompensieren müssten.“

Viele wollen mehr arbeiten als 35 Stunden pro Woche Wobei der Unternehmer mehr Flexibilität „grundsätzlich positiv“ sieht – aber: „Die Menschen in den Unternehmen sollten dies verantwortungsvoll auf der betrieblichen Ebene je nach Bedürfnissen der Arbeitnehmer und der Unternehmen vereinbaren.“ Viele Mitarbeiter würden je nach Lebensphase „selbstbestimmter“ arbeiten wollen – und auch mehr als 35 Stunden pro Woche.

Rahier hat den Eindruck, dass die IG Metall „den Begriff Flexibilität leider nur einseitig und ausschließlich zu Lasten der Unternehmen“ auslegt. Die Forderung nach einer 28-Stunden-Woche sei realitätsfern, warnt er: „Sollte sich die Gewerkschaft auch nur ansatzweise damit durchsetzen, sind eine steigende Tarifflucht und die Verlagerung von weiteren Arbeitsplätzen ins Ausland zu befürchten.“

Wobei auch in mittelständischen Betrieben die Wünsche nach sozusagen maßgeschneiderten Arbeitszeiten weitgehend berücksichtigt werden. Sofern es eben der jeweilige Arbeitsplatz zulässt. Jeanine Weygand ist dafür ein typisches Beispiel. 1999 startete sie ihr Berufsleben als Auszubildende in der Herborner Pumpenfabrik, bildete sich dann weiter zur Technikerin. Inzwischen arbeitet sie in der Technischen Dokumentation: Sie kümmert sich zum Beispiel um die Erfassung und Zusammenstellung von Dokumenten, die dann zusammen mit den Pumpen an die Kunden Prospekte und Broschüren.

Mit der Geburt ihres ersten Kindes verringerte Weygand ihre Arbeitszeit auf zehn Stunden pro Woche, die sie zum Teil sogar im Homeoffice leisten konnte. Nach der Geburt des zweiten Kindes machte sie ein Jahr komplett Familienpause und kam dann auf eine Teilzeitstelle zurück. Inzwischen – die Kinder gehen jetzt in Kindergarten und Schule – hat sich ihre Arbeitszeit auf 23 Stunden in der Woche eingependelt.

Die Arbeit muss getan werden, damit die Kunden zufrieden sind „Ich wollte einfach gerne im Beruf bleiben, obwohl es nicht immer einfach ist, Familie und Job unter einen Hut zu bringen“, erklärt die junge Mutter, die sich ausdrücklich für „tolle Unterstützung“ seitens der Firma bedankt. Eine Rückkehr zur Vollzeit kann sie sich gut vorstellen – „aber dafür müssen meine Kinder noch ein bisschen älter und selbständiger sein.“

Für Prokurist Korupp ist klar: Eine derartige Unterstützung familiärer Bedürfnisse wird auch künftig geleistet, so gut es eben geht. „Aber die Unternehmen müssen die Entscheidungshoheit behalten und dürfen nicht noch weitere Pflichten aufgebürdet bekommen. Letztlich muss die Arbeit getan werden, damit die Kunden zufrieden sind.“
Maja Becker-Mohr

Harte Fakten, die man kennen sollte

Harte Fakten, die man kennen sollte

Ein Blick auf die Grafik links macht klar: Arbeit ist bei uns sehr teuer! Wobei die 43,10 Euro natürlich nicht etwa der durchschnittliche Stundenlohn sind – sondern die gesamten Abeitskosten.

Mitgerechnet werden zum Beispiel der bezahlte Urlaub, die Beiträge der Firmen an die Sozialkassen, Ausgaben für die Betriebsrente und Sonderzahlungen, die nicht von der Leistung abhängen.

„Auf jeden 100-Euro-Schein für die tatsächlich im Werk geleistete Arbeit muss ein westdeutsches
Metall- und Elektro-Unternehmen im Schnitt knapp 70 Euro Personalzusatzkosten drauflegen, betont Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). „Gegenüber dem Durchschnitt der etablierten europäischen Industrieländer haben wir ein Drittel höhere Arbeitskosten zu tragen.“

Nun wäre das noch kein Problem, wenn die Beschäftigten so viel produktiver wären, wie sie teurer sind. Aber auch da wird es eng! Die Metaller-Entgelte stiegen zuletzt stets stärker als die Produktivität. Das zeigt sich dann in den Lohnstückkosten, in die Arbeitskosten wie auch Produktivität einfließen. Auf diese Kennzahl achten Investoren weltweit, wenn es darum geht, wo ein neues Werk gebaut werden soll.

Auch hier vergleicht Ökonom Schröder regelmäßig den Stand der Dinge im In- und im Ausland. Und er warnt: „Die etablierte ausländische Industrie-Konkurrenz kann mit Lohnstückkosten produzieren, die im Schnitt 11 Prozent unter dem deutschen Niveau liegen.“ (HOF

„Wir müssen gigantisch investieren“

„Wir müssen gigantisch investieren“

Interview: Thomas Brunn zum Auftakt der Tarifrunde Frankfurt. Mitte November starten die Tarifverhandlungen für die 400 000 Beschäftigten von M + E Mitte, Tarifgemeinschaft der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, der Pfalz, in Rheinland-Rheinhessen und im Saarland.

AKTIV sprach mit Thomas Brunn, dem Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Der promovierte Jurist ist Personaldirektor von General Electric Deutschland.

Rechnen Sie mit einer harten Tarifrunde 2018?

Einfach wird sie in jedem Fall nicht. Ich war schon erstaunt, dass die IG Metall ausgerechnet jetzt das Thema Arbeitszeit bringt. Hohe Entgeltforderungen, das kennen wir ja. Aber genau dann eine „28-Stunden-Woche“ ins Spiel zu bringen, wenn immer mehr Betriebe große Probleme haben, ihre Stellen überhaupt zu besetzen – das ist schon stark …

Passt diese Idee zu dem, was Sie in den Betrieben hören?

Nein, ganz und gar nicht. Mitarbeiter wollen gute Arbeit machen und gut verdienen. Viele wollen daher gerne mehr als 35 Stunden machen! Wer aus familiären Gründen weniger arbeiten möchte, kann das ja tun, der Gesetzgeber hat das doch schon geregelt. Außerdem bieten unsere Firmen in der Regel aus eigenem Antrieb sehr flexible Lösungen an, weil sie ihre Leute halten wollen. Fakt ist: Wir brauchen mehr statt weniger Arbeitszeit.

Wie sieht es beim Geld aus?

Unserer Branche geht es gut, das soll auch so bleiben. Dafür muss man aber Maß halten! Bei den Arbeitskosten gehört Deutschland schon jetzt weltweit zu den Spitzenreitern. In den Firmen stehen außerdem gerade in den nächsten Jahren gigantische Investitionen an, um fit zu werden für die Digitalisierung und die Industrie 4.0. Auch die dafür nötige Weiterbildung der Mitarbeiter kostet einen Sack voll Geld. Und jeder Euro kann eben nur einmal ausgegeben werden. MBM

Ansprechpartner
Peter Hampel

Peter Hampel
Geschäftsführer Tarifwesen und Arbeitswissenschaft

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