Chemische Industrie

Chemische Industrie

Am 22. November 2019 einigten sich die Tarifvertragsparteien der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für die ca. 580.000 Beschäftigten nach der zweiten bundesweiten Verhandlungsrunde auf einen Tarifabschluss mit folgenden Eckpunkten:

Entgelt
11/19–12/19: zwei Nullmonate
01/20–06/20: regional gestaffelte Einmalzahlung von bis zu 6 % eines tariflichen Monatsentgelts
07/20: Entgelterhöhung um 1,5 %
07/21: Entgelterhöhung um 1,3 %;

Differenzierungsklausel bezüglich der 2. Stufe der Entgelterhöhung: Wenn es die wirtschaftliche Lage erfordert, kann die Entgelterhöhung um bis zu zwei Monate verschoben werden.

Tarifliche Jahresleistung: wird ab dem Jahr 2021 von 95 % auf 100 % eines tariflichen Monatsentgelts angehoben.

Auszubildende
Erhöhungen der Ausbildungsvergütungen entsprechend der Entgelterhöhungen

Tarifliche Pflegezusatzversicherung
Versicherungsschutz für alle Tarifbeschäftigten ab 1. Juli 2021 ohne Gesundheitsprüfung; im Pflegefall erhält der Versicherte bei ambulanter Pflege 300 € pro Monat, bei stationärer Pflege 1.000 € pro Monat; Arbeitgeber trägt Kosten von 33,65 € pro Monat je Tarifbeschäftigten; Aufstockungsmöglichkeit bezüglich Leistungen für Familienmitglieder.

Tarifvertrag „Moderne Arbeitswelt“

  • Tarifbeschäftigte erhalten für das Jahr 2020 einen Zukunftsbetrag von 9,2 % eines tariflichen Monatsentgelts, der für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden kann; im Jahr 2021 beträgt er 13,8 % und im Jahr 2022 steigt der Betrag auf 23 % eines Monatsentgelts;
    Über die Verwendungsmöglichkeiten entscheiden die Betriebsparteien (mind. 2 von 8 vorgegebenen Optionen, wie Langzeitkonto, Freistellung, Qualifizierung, Aufstockung der tariflichen Pflegezusatzversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeitsversicherung Chemie, Gesundheit und Auszahlung);
    Bei der Wahl der Freistellungstage muss das betrieblich notwendige Arbeitsvolumen sichergestellt sein;
    Auch beim Zukunftsbetrag gibt es eine Differenzierungsklausel: aus wirtschaftlichen Gründen ist eine Halbierung des Zukunftsbetrags möglich.
    Arbeitgeber hat jetzt die Möglichkeit, individuelle Vereinbarungen zur Arbeitszeit mit den Beschäftigten zu treffen, die über die tarifliche Wochenarbeitszeit hinausgehen; Grundlage ist eine freiwillige Betriebsvereinbarung;
  • Vereinbarung, mit der mobiles Arbeiten erleichtert wird: wenn der Beschäftigte im Rahmen der mobilen Arbeit selbst über das Ende der Arbeitszeit oder über den Beginn der Arbeitszeit am nächsten Werktag bestimmen kann: Verkürzung der Ruhezeit von elf auf neun Stunden möglich; doppelte Freiwilligkeit; über die Eignung des Arbeitsplatzes entscheidet der Arbeitgeber.

Gemeinsame Qualifizierungsoffensive
BAVC und IG BCE stellen den Betrieben eine Software zur Verfügung, die den Qualifizierungsbedarf der Beschäftigten abbildet; Planung eines branchenspezifischen Beratungsangebots über Weiterbildungsmöglichkeiten zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit; Entwicklung einer „Future Skills Map“, die sowohl die Kompetenzen abbildet, die für die Branche wichtiger werden, als auch die Kompetenzen, die an Bedeutung verlieren werden.

Überprüfung der Altersfreizeiten
Verpflichtung zur Überprüfung und Erarbeitung eines neuen Modells.

Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 29 Monaten bis Ende März 2022.

Schuh- und Sportartikelindustrie

Nach der ersten Verhandlungsrunde einigten sich HDS/L (Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie) und die IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie) für die rund 15.400 Beschäftigten der Schuh- und Sportartikelindustrie auf einen Tarifabschluss mit einer Laufzeit von 27 Monaten bis zum 30.11.2021.

Ab Oktober 2019 wurde eine Entgelterhöhung um 3 % nach einem Nullmonat im September vereinbart.

Für die Entgeltgruppen E1 bis E4 gelten monatliche Festbeträge:
E 1: 1.900 €
E 2: 1.950 €
E 3: 1.980 €
E 4: 2.000 €

Ab Januar 2021 wurde eine Entgelterhöhung um 1,9 % für sämtliche Tarifentgelte vereinbart.

Die Ausbildungsvergütung wird in zwei Stufen erhöht:
Oktober 2019: Erhöhung auf 840 / 870 / 960 €
Januar 2021: Erhöhung auf 860 / 890 / 980 €

Druckindustrie

Gewerblich Beschäftigte in der Druckindustrie

Am 3. Mai 2019 einigten sich nach der achten Verhandlungsrunde der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) auf einen Tarifabschluss. Für die ca. 130.000 gewerblichen Beschäftigten der Druckindustrie gelten folgenden Eckpunkte:

Das Entgelt wird im Mai 2019 um 2,4 %, im Juni 2020 und 2,0 % und im Mai 2021 um
1,0 % angehoben.

Die Laufzeit des durch den bvdm zum 30. September 2018 gekündigten und zum
1. Oktober 2018 wieder in Kraft getretenen Manteltarifvertrags sowie dessen Anhänge für die gewerblichen Arbeitnehmer, endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf, automatisch zum 30. April 2021. Danach tritt die Nachwirkung ein. Die Tarifvertragsparteien verpflichten sich, ab dem 1. Juni 2019 Verhandlungen zur Reform der Tarifverträge für die gewerblichen Arbeitnehmer der Druckindustrie aufzunehmen. Der bvdm die möchte folgende Themen diskutiert haben: Arbeitszeit, Zuschläge, Urlaubsgeld, Jahresleistungen und die Anhänge zum Manteltarifvertrag. Bis spätestens 30. September 2019 ist ver.di angehalten, einen eigenen Themenkatalog einzubringen. Bestandteil wird die Frage allgemeinverbindlicher branchenbezogener Lohnuntergrenzen sein. Um eine zügige Einigung zu erzielen, werden sich die Tarifvertragsparteien alle zwei Monate treffen.

Es gilt eine Erklärungsfrist bis zum 31. Mai 2019.

Ansprechpartner
Martina Zilch

Martina Zilch
Syndikusrechtsanwältin Tarifwesen und Arbeitswissenschaft