Atmender Tarifvertrag

Der Begriff des „atmenden Tarifvertrags“ fasst bildhaft das Erfordernis zusammen, dass flächentarifliche Regelungen zunehmend geöffnet werden müssen für abweichende betriebliche Regelungen. Damit soll den unterschiedlichen wirtschaftlichen Ausgangsvorrausetzungen einzelner Branchen oder Unter­nehmen Rechnung getragen werden, die durch solche Öffnungsklauseln in die Lage versetzt werden, z.B. beim Thema Arbeitszeit flexible Regelungen und für die Tariferhöhungen differenzierende Lösungen zu finden.


Der Flächentarif der hessischen Metall- und Elektroindustrie gilt beispielsweise für Unter­nehmen aus neun verschiedenen Branchen, die sich zum gleichen Zeitpunkt durchaus wirtschaftlich unterschiedlich entwickeln können. Und dieses Phänomen gilt erst recht für die einzelnen Unter­nehmen, deren wirtschaftliche Entwicklung zum Teil an der Lage der jeweiligen Branche hängt, in einer immer spezialisierteren Arbeitsteilung sich aber auch durchaus von der Branchensituation entkoppeln kann.

Wird nun ein grundsätzlich für alle Unter­nehmen von HESSEN­METALL gleichermaßen geltender Tarifvertrag abgeschlossen, muss dieser Tarifvertrag die Möglichkeit beinhalten, von den gefundenen Flächentarifregelungen z.B. bei einer wirtschaftlich schwierigen Lage eines Unter­nehmens unkompliziert zeit- und teilweise abweichen zu können, der Tarifvertrag muss sich als mit der spezifischen wirtschaftlichen Lage atmendes Regelungswerk etablieren. Nur so wird es künftig gelingen, die Akzeptanz des Flächentarifvertrags bei den Mitgliedsunternehmen zu erhalten und zu gewinnen.


Ansprechpartner
Peter Hampel

Peter Hampel
Stellv. Hauptgeschäftsführer

Ansprechpartner
Martina Zilch

Martina Zilch
Syndikusrechtsanwältin Tarifwesen und Arbeitswissenschaft