Frühjahrsumfrage 2019 - Die Ergebnisse

Vorbemerkung: Im Frühjahr 2019 hat HESSENMETALL seine Mitgliedsunternehmen erneut nach ihrer Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation und der weiteren Entwicklung bis zum Herbst 2019 befragt; die Erhebung hat im März und April 2019 stattgefunden. In diesem Frühjahr haben sich 142 Mitglieds-Unternehmen mit knapp 43.600 Beschäftigten daran beteiligt; zusätzlich sind fast 2.450 Zeitarbeitnehmer erfasst worden. In der Auswertung ist jede Rückmeldung mit einer Stimme berücksichtigt worden.

Die kursiv dargestellten Teile der Auswertung bieten einen Vergleich zu den Erhebungsergebnissen der „Herbstumfrage 2018“.

Ergebnis: Gegenüber den Bewertungen aus den Konjunkturumfragen vom vergangenen Herbst und auch im Vergleich zum Frühjahr 2018 sind die grundlegenden Einschätzungen unter den diesmal beteiligten Unternehmen der hessischen Metall- und Elektroindustrie im Frühjahr 2019 erheblich pessimistischer ausgefallen: So beurteilen mittlerweile weniger als die Hälfte der M+E-Unternehmen ihre allgemeine Geschäftslage mit „gut“.

Diese Einschätzung wird auch – wegen anhaltender globaler Handelskonflikte und Protektionismus-Risiken, weiter bestehender politischer Unsicherheiten sowie rückläufiger Wachstumsprognosen – bis zum Herbst 2019 fortbestehen. Allerdings: Neue Herausforderungen bei der Bewältigung des digitalen Fortschritts erfordern unternehmerische Reaktionen: – den Umbau von Strukturen und Bedingungen.

So beschäftigt sich die diesjährige „Aktuelle Frage“ mit dem Schwerpunkt-Thema „Digitale Produktion“. Die Ergebnisse geben einen Einblick in den Fortschritt bei der Bewältigung dieser neuen Herausforderungen.

Wesentliche Ergebnisse im Einzelnen:

Allgemeine Geschäftslage

Problematische Ausgangslage mit zurückhaltender Einschätzung der Weiterentwicklung

Die aktuell eher gedämpfte Stimmung in der hessischen M+E-Industrie zeigt sich darin, dass lediglich noch fast 42 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen ihre gegenwärtige Geschäftslage mit „gut“ beurteilen; fast 47 Prozent schätzen sie als “befriedigend“ ein und 12 Prozent als „schlecht“.

Beim Ausblick auf die künftige Entwicklung bis zum Herbst 2019 zeichnet sich keine Änderung dieses verhaltenen Ausgangsurteils ab: So gehen 74 Prozent der M+E-Unternehmen von einer „vergleichbaren“ Lage aus, 19 Prozent rechnen sogar mit einer Verschlechterung und lediglich 7 Prozent mit einer „besseren“ Lage in einem halben Jahr.
Zum Vergleich: In der entsprechenden Auswertung vom Herbst 2018 hatten noch 62 Prozent der Unternehmen ihre damalige Geschäftslage als „gut“, mehr als 29 Prozent als „befriedigend“, und lediglich fast 9 Prozent als „schlecht“ beurteilt.

Entwicklung der Auftragsbestände

Verhaltene Ausgangssituation, zurückhaltende Zukunftsbeurteilung

Fast 47 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen halten ihre Auftragsbestände im Frühjahr 2019 für „ausreichend“, lediglich fast 28 Prozent für „verhältnismäßig groß“, aber mehr als 26 Prozent stufen ihre Bestände als „zu gering“ ein.

Mit einem Anteil von fast 58 Prozent geht die überwiegende Mehrheit der beteiligten M+E-Unternehmen davon aus, dass die Struktur der festgestellten Ausgangslage ihrer Auftragsbestände bis zum Herbst 2019 „unverändert“ bleiben wird; allerdings befürchten 32 Prozent „eher abnehmende“ Auftragsbestände – lediglich fast 11 Prozent gehen von einer Verbesserung ihrer Auftragslage aus.

Damit hat sich bei der Beurteilung dieses Zukunftsindikators gegenüber den Ergebnissen aus der Herbstumfrage 2018 eine deutliche Verschlechterung ergeben: Vor einem halben Jahr ist der Anteil der „verhältnismäßig großen“ Auftragsbestände mit 40 Prozent noch deutlich positiver eingeschätzt worden. Allerdings haben auch damals bereits 18 Prozent mit „eher abnehmenden“ Auftragsbeständen bis zum Frühjahr 2019 gerechnet und damit den aktuellen Stand vorgezeichnet.

Umsatzentwicklung

Unbefriedigende Ausgangslage mit schwachen Erwartungen

Mit einem Anteil von lediglich 40 Prozent schätzen die beteiligten M+E-Unternehmen ihre Umsätze im Frühjahr 2019 als „gut“ ein, fast 46 Prozent beurteilen sie immerhin noch als „befriedigend“; – dagegen klagen 14 Prozent über ihre „schlechte“ Umsatz-Situation.

Für das kommende Halbjahr bis zum Herbst 2019 erwartet eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent eine „eher gleichbleibende“ Struktur der gegenwärtig eher schwachen Ausgangslage. Lediglich 14 Prozent prognostizieren „eher steigende“ Umsätze. Der Anteil derjenigen M+E-Unternehmen, die von „eher fallenden“ Umsätzen ausgehen, liegt aber mit knapp 24 Prozent deutlich höher.

Zum Vergleich: Nach den Erhebungsergebnissen aus dem letzten Herbst war der Anteil einer „guten“ Umsatzlage mit 56 Prozent deutlich höher als bei den aktuellen Ergebnissen. „Eher fallende“ Umsätze haben nach den damaligen Ergebnissen aber bereits 15 Prozent für das anstehende kommende Halbjahr prognostiziert.

Ertragsentwicklung

Noch befriedigende Ausgangslage mit zurückhaltenden Prognosen

Das Ertragsniveau als Grundlage und Voraussetzung für die nachhaltige Weiterentwicklung eines Unternehmens und die Finanzierung von Investitionen wird aktuell immerhin noch von der Hälfte der beteiligten M+E-Unternehmen als „befriedigend“ eingestuft. Fast ein Drittel beurteilen ihre Erträge sogar mit „gut“; fast 18 Prozent beklagen allerdings ihre „schlechte“ Ertragslage.

Die Erwartungen bis zum Herbst 2019 lassen eine Fortsetzung dieser Ausgangsstruktur erwarten: So gehen mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der beteiligten M+E-Unternehmen von einem „eher gleich bleibenden“ Ertragsniveau aus, lediglich 9 Prozent rechnen mit einem „eher steigenden“, aber fast 22 Prozent mit „eher zurückgehenden“ Erträgen. Damit erhält die Beurteilung der Ertragsentwicklung gegenüber vorhergehenden Ergebnissen einen deutlichen Dämpfer.

Entwicklung der Investitionen

Investitionen weiter auf hohem Niveau – Schwerpunkte bei Ersatz-, Rationalisierungs- und Produktinvestitionen – Euroraum bei Auslandsinvestitionen nach wie vor deutlich an der Spitze, weitere Rückgänge bei Südamerika

Mit einem Anteil von fast 59 Prozent stellt mehr als die Hälfte der beteiligten M+E-Unternehmen fest, dass die Höhe ihrer Investitionen im Frühjahr 2019 „ausreichend“ ist. Für mehr als 26 Prozent sind ihre Nettoinvestitionen sogar „verhältnismäßig hoch“ ausgefallen und lediglich fast 16 Prozent halten sie gegenwärtig für „zu gering“.

Bei der Einschätzung der Entwicklung im kommenden Halbjahr geht mit fast 65 Prozent die deutliche Mehrheit der M+E-Unternehmen von einer „eher gleichbleibenden“ Investitionshöhe aus. Über 18 Prozent rechnen sogar mit „eher steigenden“ und lediglich knapp 17 Prozent mit „eher fallenden“ Investitionen.



Nach wie vor bilden die Ersatzinvestitionen im Frühjahr 2019 mit einem Anteil von über 40 Prozent einen deutlichen Investitionsschwerpunkt, gefolgt mit 18 Prozent von Rationalisierungsinvestitionen, 17 Prozent von Investitionen in Produkte und fast 14 Prozent in die Qualifikation von Mitarbeitern. Rationalisierung, Produktinnovation und Mitarbeiterqualifikation stellen damit für die hessischen M+E-Unternehmen wesentliche Elemente zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit dar. Beschäftigungswirksame Erweiterungsinvestitionen haben einen Anteil von knapp 7 Prozent und Umweltschutzinves-titionen – angesichts der bereits erreichten hohen Standards – einen Anteil von 4 Prozent.

Für das kommende Halbjahr bis Herbst 2019 sind nach Einschätzung der beteiligten M+E-Unternehmen keine signifikanten Verschiebungen bei der Reihenfolge zu erwarten, aber durchaus Anteilsänderungen: So werden die Ersatzinvestitionen mit einem Anteilsrückgang auf ein Drittel voraussichtlich zurückgefahren – zugunsten zunehmender Rationalisierungs- (Anteilssteigerung auf fast 22 Prozent) und Produktinvestitionen (Anteilssteigerung auf über 20 Prozent). Auch der Anteil der Investitionen in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter wird auf über 15 Prozent erhöht; leicht zunehmen werden auch die beschäftigungswirksamen Erweiterungsinvestitionen auf fast 8 Prozent. Dagegen ist bei den Umweltschutzinvestitionen von einem Rückgang auf knapp 3 Prozent auszugehen.



Der Auslandsanteil an den gesamten Investitionen liegt im Frühjahr 2019 bei den beteiligten M+E-Unternehmen bei über 9 Prozent.

Gegenüber dem Erhebungsergebnis vom Herbst 2018 (knapp 14 Prozent) ist dieser Auslands-Investitionsanteil deutlich zurückgegangen – es findet demnach eine Konzentrationsbewegung auf inländische Investitionen statt.

Der Schwerpunkt der Auslandsinvestitionen liegt allerdings nach wie vor mit knapp 69 Prozent im „Euroraum“, mit erheblichem Abstand gefolgt mit fast 15 Prozent von „Asien“ und mit fast 6 Prozent von „Nordamerika“. Das „Übrige Europa“ repräsentiert noch einen Anteil von über 4 Prozent; der Anteil von „Südamerika“ ist erneut deutlich zurückgegangen und erreicht lediglich noch 0,6 Prozent.

Damit hat der Anteil des „Euroraums“ bei den Auslandsinvestitionen im Vergleich zu den Vorjahresergeb-nissen erheblich zugenommen; die Bedeutung von Asien ist dagegen zurückgegangen; auch der Anteil von Südamerika hat erheblich abgenommen.

Exporte

Exportschwerpunkt weiterhin im Euroraum – Eher gleichbleibende Exporte erwartet

Im Frühjahr 2019 melden die beteiligten M+E-Unternehmen einen durchschnittlichen Exportanteil von knapp 41 Prozent. Der deutliche Exportschwerpunkt liegt dabei mit einem Anteil von knapp 44 Prozent nach wie vor im „Euroraum“. Damit beweisen die hessischen M+E-Unternehmen erneut ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit im unmittelbaren, nicht von Währungseffekten beeinflussten, europäischen Umfeld. Mit einem Exportanteil von über 23 Prozent steht „Asien“ erneut – wenn auch mit respektablem Abstand – an zweiter Stelle.

Die Regionen „Nordamerika“ belegen mit fast 16 Prozent und „Übriges Europa“ mit über 15 Prozent die nächsten Plätze im Export-Ranking. Das Schlusslicht bildet nach wie vor “Südamerika“ mit fast 3 Prozent.
Gegenüber den Ergebnissen aus der letzten Umfrage im Herbst 2018 haben sich die Exportschwerpunkte nicht wesentlich verschoben; der Euroraum hat allerdings an Bedeutung gewonnen.

Mit über 66 Prozent beurteilen zwei Drittel der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Exporte im Frühjahr 2019 insgesamt als „ausreichend“, mehr als 16 Prozent melden sogar „verhältnismäßig hohe“ Exporte; bei fast 18 Prozent sind sie allerdings „zu gering“ ausgefallen.

Für die Entwicklung im kommenden halben Jahr bis zum Herbst 2019 rechnen 69 Prozent der beteiligten Unternehmen damit, dass ihre Ausfuhren „eher gleich bleiben“, über 13 Prozent gehen von „eher steigenden“ aber fast 18 Prozent von „eher fallenden“ Exporten aus.

Beschäftigungsentwicklung

Eher rückläufige Beschäftigungsentwicklung der Stamm-Belegschaften zu erwarten – dabei deutlich zurückgehende Zeitarbeit

Im kommenden halben Jahr bis zum Herbst 2019 rechnen die beteiligten M+E-Unternehmen damit, dass ihre Stamm-Belegschaften um 0,7 Prozent zurückgehen werden. Deutlich rückläufig wird sich im kommenden Halbjahr aber die Zahl der gesondert erfassten Zeitarbeitnehmer entwickeln: um mehr als 26 Prozent.



Besonders betroffen von den Abnahmetendenzen bei der Beschäftigung ist im Frühjahr 2019 erneut – mit über 60 Prozent – der Produktionsbereich; dies wird auch für die weitere Entwicklung im kommenden Halbjahr erwartet. Die Betroffenheit anderer Bereiche liegt nach den Ergebnissen der aktuellen Umfrage deutlich niedriger – bei Anteilen zwischen 12 Prozent und 16 Prozent; dabei nimmt der Verwaltungsbereich mit fast 16 Prozent eine herausragende Position ein. Diese Struktur wird sich auch in den kommenden sechs Monaten nicht gravierend ändern.

Aktuelle Frage 2019: "Digitale Produktion - Stand und Aussichten"

Allgemeiner Auswertungs-Hinweis: Zur Verdeutlichung der Ergebnisse der Tendenzaussagen sind bei der Auswertung der einzelnen Fragestellungen die Meldungen zu den Stufen links und rechts der (neutralen) Mitte jeweils mit ansteigend positiven (rechts der Mitte) und negativen (links der Mitte) Werten gewichtet worden. Anschließend ist daraus ein „gewichteter Saldo“ ermittelt worden, der – neben der Säulendarstellung in den Grafiken – den Schwerpunkt der jeweiligen Aussagen dokumentiert.

Erfahrungen mit aktuellen Entwicklungen in der Arbeits- und Betriebsorganisation

  • Mobile Arbeit:
    Vor allem im Vertrieb haben die im Frühjahr 2019 befragten hessischen M+E-Unternehmen Erfahrungen mit „Mobiler Arbeit gesammelt; hier liegt der Anteil bei fast 59 Prozent. Bei Wartungsmaßnahmen liegt der entsprechende Anteil lediglich noch bei knapp 34 Prozent und in der Qualitätssicherung bei knapp 20 Prozent.


     
  • Selbstorganisierte Gruppen:
    Generelle Erfahrungen in der eigenen Produktion werden hier von knapp 30 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen gemeldet; - bei überwiegend guten Erfahrungen (gewichteter Schwerpunkt bei +14).





    Differenziert nach Erfahrungen in einzelnen betrieblichen Segmenten wird vor allem der Bereich Vertrieb mit 19 Prozent genannt; auch bei Wartungsmaßnahmen (15 Prozent) und in der Qualitätssicherung (11 Prozent) liegen Erfahrungswerte vor.


     
  • Mensch-Maschine-Kollaboration:
    Mehr als 21 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen verfügen bereits über generelle Erfahrungen mit dieser neuen Form der Arbeitsorganisation. Die Erfahrungen damit werden ausgesprochen positiv bewertet (gewichteter Schwerpunkt bei +27).





    Der Anwendungsbereich erstreckt sich dabei im Einzelnen vor allem mit fast 13 Prozent auf Wartungsmaßnahmen, mit über 6 Prozent auf die Qualitätssicherung und mit knapp 3 Prozent auf den Vertrieb.


     
  • Assistenzsysteme:
    Generelle Erfahrungen in der eigenen Produktion liegen bei über 18 Prozent der
    beteiligten M+E-Unternehmen vor – auch hier mit positiven Erfahrungswerten (gewichteter Schwerpunkt bei +21).





    Erfahrungen mit Assistenzsystemen in der eigenen Produktion liegen bei mehr als 13 Prozent der M+E-Unternehmen bei Wartungsmaßnahmen vor, bei über 11 Prozent in der Qualitätssicherung und bei fast 8 Prozent im Vertrieb.


     
  • Betriebsvereinbarungen zur Digitalisierung:
    Fast 20 Prozent der beteiligten Unternehmen geben an, dass sie bereits eine Betriebsvereinbarung zur Digitalisierung abgeschlossen haben.


Digitale Standards in der Produktion

  • Digital transparente Fabriken:
    Fast 18 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen geben an, dass sie einzelne Produktionsabläufe bereits digital abgebildet haben. Dabei ist das Spektrum zwischen keinen bzw. allen Produktionsabläufen breit verteilt – mit dem Schwerpunkt bei einer größeren Anzahl von Produktionsabläufen (gewichteter Schwerpunkt bei +14).
    Dabei sind mit knapp 55 Prozent die meisten Anwender mit dem kaufmännischen „Enterprise-Ressource-Planning-(ERP-)System vernetzt.




     
  • Virtuelle Echtzeit-Fabrik:
    Mit jeweils 12 Prozent sind sowohl Prozesse in Verbindung mit Kosten als auch mit Sicherheitsaktionen auf Echtzeit umgestellt.


     
  • Selbstregulierende smarte Fabrik:
    Die Anlage virtueller „digitaler Zwillinge“ ist bei den teilnehmenden M+E-Unternehmen vor allem – mit 8,5 Prozent – in der Produktion erfolgt. Danach folgen mit 7,7 Prozent Prozesse und mit 5,6 Prozent die Prozesssteuerung. 4,2 Prozent setzen virtuelle „digitale Zwillinge“ bei der Planung ein, 3,5 Prozent in der Performance und 2,1 Prozent bei der Qualitätssicherung.

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