Ergebnisse der HESSENMETALL-Chefumfrage 2017

Vorbemerkung: Auch in diesem Jahr haben die fünf Bezirksgruppen von HESSENMETALL ihre Mitgliedsunternehmen im November nach deren Einschätzungen über ihre aktuelle wirtschaftliche Situation und der weiteren Entwicklung befragt. An dieser Erhebung haben sich diesmal insgesamt 189 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 83.325 Beschäftigten beteiligt – davon knapp 4.120 als Zeitarbeitnehmer. Bei der Auswertung ist jede Rückmeldung mit einer Stimme berücksichtigt worden.

Ergebnis: Gegenüber den Beurteilungen aus den vergleichbaren Umfragen im Frühjahr 2017 und Herbst 2016 ist die aktuelle wirtschaftlichen Situation von den diesmal an der Umfrage beteiligten hessischen M+E-Mitgliedsunternehmen insgesamt deutlich besser beurteilt worden; auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate werden günstiger eingeschätzt. Anhaltende globale Protektionismus-Tendenzen und politische Unsicherheiten treten angesichts der weiterhin bestehenden Wettbewerbsfähigkeit in den Hintergrund. Allerdings: Neue Herausforderungen bei der Digitalisierung der Arbeitswelt erfordern auch neue Strukturen und Rahmenbedingungen. Die in der Herbstumfrage 2017 abgefragten Aktivitäten zur digitalen Transformation in der hessischen M+E-Industrie zeigen den zunehmenden Einfluss dieses Geschäfts¬modells als wichtigen Wettbewerbsfaktor; dabei wird dem Thema „IT-Sicherheit“, aber auch einer zukunftsfähigen Arbeitszeitgestaltung eine hohe Bedeutung zugemessen.

Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage

Gute Ausgangslage mit optimistischer Einschätzung der Weiterentwicklung
Die Lage im Herbst 2017 wird von mehr als 62 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen als „gut“ beurteilt; fast 32 Prozent beurteilen sie als “befriedigend“ und lediglich knapp 6 Prozent als „schlecht“.
Dieser positive Grundton wird auch für die Zukunft eine Rolle spielen: So gehen mit über 78 Prozent mehr als drei Viertel der beteiligten Unternehmen von einer „vergleichbaren“ Weiterentwicklung in den kommenden sechs Monaten aus. Über 16 Prozent rechnen sogar mit einer „besseren“ Lage und für lediglich 5 Prozent wird sich die Lage bis zum Frühjahr 2018 „verschlechtern“.
Zum Vergleich: In der entsprechenden Auswertung vor einem Jahr hatten 47 Prozent der Unternehmen ihre damalige Geschäftslage als „gut/sehr gut“, 43 Prozent als „befriedigend“, und 10 Prozent als „schlecht/sehr schlecht“ beurteilt.


Beurteilung der Auftragsbestände

Positive Ausgangssituation, optimistische Zukunftsbeurteilung
Mit einem Anteil von fast 46 Prozent hält die Mehrzahl der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Auftragsbestände im Herbst 2017 für „ausreichend“, fast 42 Prozent halten sie sogar für „verhältnismäßig groß“. 13 Prozent stufen ihre Bestände allerdings als „zu gering“ ein.
Bis zum Frühjahr 2018 wird von fast 59 Prozent der beteiligten Unternehmen von einer Fortsetzung der bestehenden Struktur ausgegangen; fast 27 Prozent rechnen sogar mit einer Verbesserung ihrer Auftragslage und lediglich fast 15 Prozent befürchten „eher abnehmende“ Aufträge.
Damit hat sich die Beurteilung dieses Zukunftsindikators gegenüber den Ergebnissen aus der Herbstumfrage 2016 weiter verbessert. Die positiven Einschätzungen aus der Frühjahrsumfrage 2017 haben sich bestätigt.


Umsatzentwicklung

Gute Ausgangslage, positive Erwartungen
Mit einem Anteil von 56 Prozent schätzt die überwiegende Mehrheit der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Umsätze im Herbst 2017 als „gut“ ein. Bei immerhin 37 Prozent sind die Umsätze „befriedigend“ ausgefallen, lediglich 7 Prozent klagen über ihre „schlechte“ Umsatz-Situation.
Für das kommende Halbjahr bis zum Frühjahr 2018 erwartet eine Mehrheit von 55 Prozent eine „eher gleichbleibende“ Fortsetzung der gegenwärtigen Ausgangslage. Allerdings prognostizieren über 12 Prozent „eher fallende“ Umsätze. Der Anteil derjenigen M+E-Unternehmen, die von „eher steigenden“ Umsätzen ausgehen, liegt aber mit über 32 Prozent deutlich höher.
Zum Vergleich: Auch nach den Erhebungsergebnissen vor einem Jahr war der Anteil steigender Umsatzerwartungen bereits mit 34 Prozent deutlich höher als der mit zurückgehenden mit 12 Prozent.


Ertragsentwicklung

Befriedigendes Niveau bei positiven Erwartungen
Das Ertragsniveau als Grundlage und Voraussetzung für die nachhaltige Weiterentwicklung eines Unternehmens und die Finanzierung von Investitionen wird aktuell von knapp 48 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen als „befriedigend“ eingestuft. Immerhin 34 Prozent geben sogar an, ihre Erträge seien „gut“, 18 Prozent beklagen allerdings ihre „schlechte“ Ertragslage.
Die Erwartungen bis zum Frühjahr 2018 lassen eine Fortsetzung dieser Tendenz erwarten: So prognostizieren 61 Prozent der Unternehmen ein „eher gleich bleibendes“ Ertragsniveau. Fast 25 Prozent gehen von einem „eher steigenden“, fast 15 Prozent aber von einem „eher zurückgehenden“ Ertragsniveau aus. Die grundsätzlich positive Einschätzung der Ertragsentwicklung bleibt damit erhalten.


Entwicklung der Investitionen

Investitionen auf hohem Niveau – Schwerpunkte bei Ersatz-, Produkt- und Rationali-sierungsinvestitionen – Euroraum bei Auslandsinvestitionen nach wie vor an der Spitze, Rückgänge bei Südamerika
Mehr als die Hälfte der beteiligten M+E-Unternehmen (51 Prozent) stellen fest, dass die Höhe ihrer Investitionen im Herbst 2017 „ausreichend“ ist. Für knapp 37 Prozent sind die Nettoinvestitionen sogar „verhältnismäßig hoch“ und lediglich 12 Prozent halten sie gegenwärtig für „zu gering“.
Für die Entwicklung im kommenden Halbjahr gehen mit fast 26 Prozent doppelt so viele M+E-Unternehmen von „eher steigenden“ als – mit 13 Prozent – von „eher fallenden“ Investitionen aus, während für 61 Prozent die Höhe ihrer Investitionen „eher gleich bleiben“ wird.



Im Herbst 2017 bilden die Ersatzinvestitionen mit einem Anteil von knapp 37 Prozent einen signifikanten Schwerpunkt der Investitionen, gefolgt mit 21 Prozent von den Investitionen in Produkte, mit 17 Prozent in Rationalisierungsinvestitionen und mit fast 13 Prozent in die Qualifika¬tion von Mitarbeitern. Deutlich wird damit, dass die Wettbewerbssituation die hessischen M+E-Unternehmen zum einen dazu zwingt, ihren Produktionspark weiter zu entwickeln, zum anderen ihre Produkte zu modernisieren und angesichts zunehmendem Fachkräftemangel ihre Mitarbeiter für die neuen Produkte und Produktionsverfahren zu qualifizieren. Beschäftigungs¬wirksame Erweiterungsinvestitionen haben einen Anteil von knapp 10 Prozent und Umweltschutzinvestitionen – angesichts der hohen bereits erreichten Standards – einen Anteil von über 3 Prozent.
Für das kommende Halbjahr bis Frühjahr 2018 sind nach Einschätzung der beteiligten M+E-Unternehmen aber signifikante Änderungen zu erwarten: So wird bei den Ersatzinvestitionen mit einem deutlichen Anteilsrückgang auf 32 Prozent gerechnet. Dagegen werden die Unternehmen den Anteil der Produktinvestitionen auf über 23 Prozent steigern; zunehmen werden auch Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter auf fast 16 Prozent. Eine leichte Anteils-Steigerung auf 10 Prozent ist auch bei den beschäftigungswirksamen Erweiterungsinvestitionen zu erwarten.



Einen Anteil von 14,1 Prozent ihrer gesamten Investitionen investieren die beteiligten M+E-Unternehmen im Herbst 2017 im Ausland. Gegenüber dem Erhebungsergebnis von vor einem Jahr hat sich dieser Auslands-Investitionsanteil deutlich um 3 Prozentpunkte erhöht. Der Schwerpunkt der Auslandsinvestitionen liegt nach wie vor mit fast 62 Prozent im „Euroraum“, mit erheblichem Abstand gefolgt mit knapp 20 Prozent von „Asien“ und mit 9 Prozent von „Nordamerika“. Das „Übrige Europa“ folgt mit mehr als 7 Prozent und „Südamerika“ – diesmal weit abgeschlagen – mit über 2 Prozent.
Damit hat sich die Bedeutung von Asien bei den Auslandsinvestitionen im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen deutlich verstärkt; im Gegenzug hat der Anteil von Südamerika erheblich abgenommen.


Exporte

Exportschwerpunkt weiterhin im Euroraum – eher steigende Exporte erwartet
Der durchschnittliche Exportanteil der beteiligten M+E-Unternehmen beträgt im Herbst 2017 43 Prozent. Der Exportschwerpunkt liegt dabei mit einem Anteil von fast 42 Prozent nach wie vor im „Euroraum“. Damit zeigt sich erneut die internationale Wettbewerbsfähigkeit der hessischen M+E-Industrie im unmittelbaren, nicht von Währungseffekten belasteten, europäischen Umfeld. Mit einem Exportanteil von 22 Prozent steht „Asien“ erneut an zweiter Stelle. Die Regionen „Nordamerika“ belegen mit über 16 Prozent und „Übriges Europa“ mit 15 Prozent die nächsten Plätze im Export-Ranking. Das Schlusslicht bildet nach wie vor “Südamerika“ mit fast 4 Prozent.



Dabei beurteilen fast 55 Prozent der beteiligten Unternehmen ihre Exporte im Herbst 2017 insgesamt als „ausreichend“, über 28 Prozent melden sogar „verhältnismäßig hohe“ Exporte, bei 17 Prozent sind sie allerdings „gefallen“. Für die Entwicklung im kommenden halben Jahr bis zum Frühjahr 2018 rechnen mit über 68 Prozent mehr als zwei Drittel der beteiligten Unternehmen damit, dass ihre Ausfuhren „eher gleich bleiben“, 25 Prozent gehen von „eher steigenden“ und lediglich 7 Prozent von „eher fallenden“ Exporten aus.


Beschäftigungsentwicklung

Nur leichter Beschäftigungsanstieg zu erwarten – deutlich zurückgehende Zeitarbeit
Das Niveau der von den beteiligten M+E-Unternehmen im Herbst 2017 gemeldeten knapp 79.210 Stamm-Beschäftigten wird sich im kommenden halben Jahr bis zum Frühjahr 2018 kaum ändern: Es wird hier lediglich mit einem leichten Zuwachs von 0,1 Prozent gerechnet. Inwieweit dabei bereits der Fachkräftemangel die Einstellungsbereitschaft der M+E-Unternehmen limitiert, ist aus der Fragestellung nicht abzuleiten. Deutlich rückläufig wird im kommenden Halbjahr aber die Zahl der gesondert erfassten Zeitarbeitnehmer sein: um knapp 29 Prozent. Damit wird nach der Einschätzung der beteiligten M+E-Unternehmen auch die Zahl der insgesamt erfassten Beschäftigten im kommenden halben Jahr von 83.325 um 1,3 Prozent auf 82.241 zurückgehen.



Besonders betroffen von den Entwicklungstendenzen bei der Beschäftigung ist im Herbst 2017 erneut – mit 51 Prozent – der Produktionsbereich; dies wird auch für die weitere Entwicklung im kommenden Halbjahr erwartet. Die anderen Bereiche liegen derzeit nach den Ergeb¬nissen der aktuellen Umfrage deutlich niedriger – bei Anteilen zwischen 10 Prozent und 17 Prozent. Diese Struktur wird sich auch in den kommenden sechs Monaten nicht gravierend ändern.

Aktuelle Frage 2017: Digitale Transformationen in hessischen Unternehmen

Eigene Aktivitäten:
Aus der Eingangs-Fragestellung der diesjährigen „Aktuellen Frage“ ergibt sich, dass sich im Herbst 2017 knapp 42 Prozent der beteiligten Unternehmen in der hessischen M+E-Industrie mit Digitalisierungsstrategien beschäftigt haben. Dabei liegt der Digitalisierungsanteil bei den M+E-Endprodukten insgesamt bei über 28 Prozent. 6 Prozent der beteiligten Unternehmen geben an, dass ihre Produkte mit „künstlicher Intelligenz“ ausgestattet sind. Der Anteil dieser Produkte an der Gesamtproduktion beträgt in diesen Betrieben über 19 Prozent.



Selbstlernende Maschinen
in der Produktion werden von mehr als 6 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen eingesetzt. Der Anteil dieser Maschinen im Produktionsprozess beträgt in diesen Unternehmen durchschnittlich mehr als 11 Prozent.



Der größte Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell der jeweiligen Unternehmen wird mit über 31 Prozent der Nennungen vor allem in der Individualisierung der Produkte nach Kundenwünschen gesehen. Über 21 Prozent der Unternehmen sehen mit der Digitalisierung eine Entwicklung zu einem umfassenden Dienstleister und 21 Prozent wollen die mögliche Verringerung von Losgrößen in der Produktion nutzen. Als weitere Einflüsse werden u. a. genannt: Die Verbesserung interner Prozessabläufe, Steigerung von Produktivität und Effizienz, Direktvertrieb durch eigenen Webshop, direkte Interaktion mit den Kunden. Dass die Digitalisierung keinen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat, stellen lediglich 18 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen fest.



Mit mehr als 85 Prozent messen die beteiligten M+E-Unternehmen dem Thema „IT-Sicherheit“ eine „hohe Bedeutung“ zu, knapp 15 Prozent immerhin eine „geringe Bedeutung“.



Die von der Politik zu schaffenden Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Umgehen mit der Digitalisierung liegen aus Sicht der beteiligten M+E-Unternehmen vor allem bei der Schaffung eines zukunftsfähigen Arbeitsrechts sowie einer praxisnahen Mitbestimmungsregelung. Besonders wichtig sei ebenfalls – in Bezug auf technische Aspekte – der Ausbau der Breitbandnetze. In der Folge werden u. a. benannt „Augenmaß beim Beschäftigten-Datenschutz“ und „praktisch umsetzbare Arbeitsschutzmaßnahmen“ sowie die „Förderung der digitalen Bildung“.


Ansprechpartner
Heinz Günter A. Decker

Heinz Günter A. Decker
Volkswirtschaft, Statistik, Umfragen Ausbildungsleiter