„Uns braucht man in der ganzen Welt“

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 19. Oktober 2019

null


Chef-Interview:  Matthias Drees von OKA über die Herausforderungen süßer Geschäfte

Darmstadt. Von Plätzchen und Schaumküssen bis hin zum leckeren Käsehäppchen: Wenn Cremiges in Form gebracht werden muss, sind die Maschinen des Familienunternehmens OKA in Darmstadt (80 Mitarbeiter) nicht weit. aktiv sprach mit dem Geschäftsführer Matthias Drees über die Herausforderung des Spezialmaschinenbaus in einem vorrangig süßen Geschäft.

Wird man bei Ihrer Arbeit nicht täglich zum Naschen verführt?

Manchmal ist es schon schwer, zu widerstehen, vor allem, wenn Kunden uns besuchen und aktuell zum Beispiel Lebkuchen oder Spekulatius mitbringen. Bei der Arbeit haben wir ja nur indirekt mit Naschzeug zu tun. Wir entwickeln und produzieren Spezialmaschinen, die zum Beispiel Plätzchenteig in den Ofen bringen. Beim Probelauf hier im Betrieb mit den vom Kunden gelieferten Originalzutaten sind die Produkte dann jedoch häufig fertig, frisch zum Verzehr.  

Haben Sie ein Lieblingsprodukt?  

Nicht wirklich. Aber ich freue mich natürlich, wenn ich beim Einkaufen Dinge sehe, die auf unseren Maschinen hergestellt werden. Übrigens: Jeder klassische Schaumkuss weltweit entsteht auf Anlagen von uns. Die Schaummasse dafür besteht weitgehend aus Luft. Daraus dann selbst in dünner Höhenluft wie in Bolivien noch Schaumküsse hinzubekommen, schafft sonst keiner. Man braucht uns also in der ganzen Welt. Unsere Exportquote liegt bei 70 bis 80 Prozent.

Was ist das Besondere an Ihren Maschinen?  

Hygiene ist oberstes Gebot, denn wir haben es so gut wie immer mit der Lebensmittel-Industrie oder Pharmaherstellern zu tun. Selbst Tabletten und Hundeleckerli bringen wir in Form, häufig auch mit einem eingeprägten Buchstaben oder Zeichen. All das können wir in Top-Qualität. Alle Teile, die während der Herstellung mit dem Produkt in Kontakt kommen, sind bei uns aus Edelstahl und laufen auch ohne Schmierstoffe reibungslos, denn im Endprodukt dürfen keinerlei Rückstände aus dem Produktionsprozess auftauchen. Zudem muss so eine Anlage beim Reinigen auch Dampfstrahler aushalten.

nullWie lange gibt es OKA schon? 

1857 gegründet, sind wir der älteste Hersteller von Süßwarenmaschinen und führen den Betrieb heute in der sechsten Generation. Der Gründer startete mit einer Großbäckerei. Seine erste Eigenkonstruktion wollten auch andere haben. Man gab die Bäckerei auf, um nur noch Maschinen zu produzieren. Meine Frau ist die direkte Nachfahrin und heute unsere Personalchefin. Zwei weitere Gesellschafter sind noch an OKA beteiligt, die auch aktiv hier im Betrieb arbeiten. Uns allen geht es nicht um Wachstum um jeden Preis. Wir wollen das Geschäft gut über die Jahre bringen und irgendwann an eine siebte Generation übergeben.
 
Ihre tägliche Herausforderung?  

Wir liefern nicht ins Handwerk, an Bäckereien und Konditoreien. Unser Kerngeschäft sind ganz individuell zugeschnittene Anlagen für die Großindus­trie. Das heißt, wir arbeiten für Global Player und bekannte Markenhersteller. Für sie entwickeln wir Maschinen, die bis zu 4.000 Kilogramm Gebäck pro Stunde herstellen. Jeden Tag rund um die Uhr müssen die Anlagen reibungslos laufen, und dafür sorgen wir. Das erfordert hier ein extrem hohes Maß an Flexibilität und bedeutet auch schon mal einen Einsatz am Wochenende. Die Kunden haben meine Handynummer. Ich bin immer für sie erreichbar.
 
Hilft Ihnen die Digitalisierung?  

Ja, sogar sehr. Service ist ein wachsender Geschäftsbereich. Oft sind wir die verlängerte Werkbank für die Instandhaltung. Die Digitalisierung ist da ein Segen. Unsere Maschinen haben zum Beispiel alle eine Fernwartungsfunktion. Wir nutzen Schwingungsanalysen für die Festlegung von Wartungsterminen und vieles mehr, und wir treiben das voran.

Was regt Sie richtig auf?

Dass es für Unternehmen wie uns immer schwieriger wird, neben dem eigentlichen Geschäft all die behördlichen Auflagen und Anforderungen zu erfüllen, die da so kommen. Ein Beispiel? 80 Mitarbeiter bedeuten bei uns jeden Monat Korrespondenz mit 45 verschiedenen Krankenkassen. Im Ausland kann man darüber nur lachen, dass wir damit Zeit vergeuden.     Maja Becker-Mohr


Zur Person Matthias Drees

  • Geboren 1974 in Thuine (Emsland), verheiratet, drei Kinder
  • Gelernter Betriebswirt und Industrie-kaufmann, duales Studium bei BASF
  • Mehrere Jahre berufliche Erfahrung in Industrie-Konzernen
  • 2000 Einstieg bei OKA in Darmstadt, seit 2008 Geschäftsführer

________________________________________________________________

„Süße Maschinen!“

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 27. Juli 2019

null

Ob Pralinen, Kekse oder Schokoküsse: Ihre leckere Form bekommen sie auf Anlagen von OKA -  wir begrüßen OKA als 600. Mitgliedsunternehmen von HESSENMETALL

Darmstadt. Heute schon genascht? Dann darf man ruhig wissen: Ob leckere Kekse, noble Pralinen oder dicke Schaumküsse – wenn die aus dem Supermarkt kommen, sind sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einer Anlage aus Darmstadt produziert worden!

Denn dort sitzt die Firma OKA, ein schon in der sechsten Generation inhabergeführtes Familienunternehmen. Die 80 Beschäftigten sind echte Könner, wenn es um die präzise Formgebung von empfindlichen Massen geht.  Sie entwickeln und produzieren Standardmaschinen und Sonderanlagen, die zum Beispiel bis zu 4 Tonnen Gebäck pro Stunde herstellen können.

In Sachen Schaumküsse gibt es weltweit keine ernsthaften Wettbewerber

Die Exportquote des Spezialmaschinenbauers liegt bei knapp 80 Prozent. „Besonders wichtig ist für uns der US-Markt, weil die Amerikaner wirklich große Naschkatzen sind“, erklärt OKA-Geschäftsführer Matthias Drees beim aktiv-Besuch.

Vor allem bei den Schaumküssen sieht er weltweit keine Wettbewerber – denn die Crememasse darin ist weitgehend: Luft! „Und wir liefern eigentlich die einzigen Maschinen, die das perfekt hinbekommen, sogar in dünner Höhenluft wie in Bolivien.“ Industriemechaniker Matthäus Dahlke hat solche Maschinen inzwischen schon in vielen Ländern aufgebaut, zuletzt war er in Indien und in Pakistan. Gut zwei Wochen dauert das – „wenn die neue Anlage dann läuft, schmeckt der erste Keks besonders gut“, sagt Dahlke lächelnd.

Neben der Süßwarenindustrie nutzen auch andere Branchen das Know-how der Darmstädter, Chemie- und Pharmaproduzenten etwa, Hersteller von Tiernahrung oder Molkereiprodukten. Denn auch Tabletten müssen ja in Form gebracht werden, ebenso Hundeleckerli oder Käsehäppchen.  „Wir kommen ins Spiel, wenn es keine klassischen Lösungen gibt, und entwickeln dann die passende Anlage“, so Drees.

Die große Herausforderung: Im Endprodukt, also zum Beispiel in den leckeren Keksen oder Pralinen, dürfen keinerlei Rückstände aus dem Produktionsprozess landen. Deshalb sind bei OKA alle Teile, die während der Herstellung mit dem Produkt in Kontakt kommen, komplett aus Edelstahl – und sie erfüllen weltweit alle Normen für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion.

„Wir sind die einzigen weltweit, die sogar bei der Pumpentechnologie standardmäßig auf Edelstahl setzen“, betont Drees. „Neue Kunden kommen oft zu uns, weil sie zwar eine funktionierende Anlage haben – aber Probleme mit der nötigen Hygiene.“    MAJA BECKER-MOHR