Mutig und standhaft sein

Das Netzwerk im Dialog mit Dr. Bettina Volkens

Am Mittwoch, den 24.03.21 hat das neu gegründete HESSEN­METALL Netzwerk Frauen in Führungspositionen Dr. Bettina Volkens in einem Online-Event als Ehrengast begrüßt. Dr. Volkens ist die ehemalige Vize-Präsidentin der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), war zuletzt Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa AG und dort als Arbeitsdirektorin für die Bereiche Personal und Recht verantwortlich. Knapp 30 Teilnehmerinnen wählten sich bei der zweiten Veranstaltung des Netzwerks in das interaktive Online-Meeting ein, um mit Dr. Volkens in den Dialog zu treten. Der virtuelle Kick-off des Projekts von Frauen für Frauen hatte bereits am 20. Januar mit einem Impulsvortrag von Dr. Ariane Reinhart, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektorin der Continental AG sowie HESSEN­METALL-Vorstandsmitglied, und einem ersten Austausch unter den Netzwerkteilnehmerinnen stattgefunden.

Für knapp zwei Stunden boten die Netzwerk-Initiatorinnen, Isabelle Mang, Junior Managing Director Arno Arnold GmbH, und Sabine Stoll Wewior, HESSEN­METALL-Referentin Bildung, Digitales und Technologie, Frauen in Führungspositionen und weiblichen Nachwuchsführungskräften auch dieses Mal ein spannendes und informatives Programm. Die Mitglieder des Netzwerks hatten bei Dr. Bettina Volkens wieder die Gelegenheit sich mit einer inspirierenden Managerin auszutauschen. Ganz im Sinne des später von ihr kommunizierten Ansatzes „mutig und gemeinschaftlich Neues entwickeln“, griffen die Projektverantwortlichen für die Konzeptionierung der Folgeveranstaltung das positive sowie wegweisende Feedback der Teilnehmerinnen aus dem Kick-off auf und ließen es in den Dialog mit Dr. Volkens einfließen.

Männerdomäne: Mitarbeiterführung, Selbstmarketing und Verhandlungsgeschick

„Von erfolgreichen Managerinnen zu lernen, ist für junge weibliche Führungskräfte eine große Chance“, eröffnete Isabelle Mang die Veranstaltung. „Auf Basis eurer angegebenen Interessensgebiete haben wir die Leitthemen für den heutigen Abend definiert. Viele benannten dabei das Arbeiten in einer Männerdomäne, Mitarbeiterführung, Selbstmarketing und Verhandlungsgeschick als besonders spannend. Wir freuen uns nun darauf mit Frau Dr. Volkens hierzu in den Dialog zu treten“, erläuterte sie weiter. „Das kann ich nur bestätigen. Ich bin heute Abend für Sie da und freue mich auf ein lebendiges Gespräch“, bekräftigte Dr. Bettina Volkens und stieg offen, souverän und nahbar in den Dialog ein. „Frau Dr. Volkens, wenn Sie nach Kommunikationsstrategien gefragt werden, welche Punkte sind da Ihrer Erfahrung nach entscheidend?“, eröffnete Sabine Stoll Wewior das Gespräch. „Der zentrale Begriff in allen Belangen, ist für mich Mut und das kann ich nicht oft genug betonen. Machen Sie sich groß, und suchen Sie sich weibliche und männliche Verbündete für Ihre Interessen.“

Teilnehmerinnen mit den Projektleiterinnen sowie mit Vertreterinnen von HESSENEMETALL


Dr. Volkens berichtete daraufhin unter anderem von den Erfolgen und Herausforderungen in ihrer beruflichen Laufbahn und schlug, auf Nachfrage der Teilnehmerinnen hin, eine Brücke zum Stichwort Verhandlungsgeschick und Gesprächskultur beim Arbeiten in einer Männerdomäne. Als das Thema der Akzeptanz einer weiblichen Führungskraft angesprochen wurde, versicherte Dr. Volkens: „Sein sie mutig und unterstützen Sie sich als Frauen gegenseitig, zeigen Sie Ihre Kompetenz, bieten Sie Zahlen, Daten, Fakten und kontern Sie mit Gegenfragen, wenn man versucht Sie in solchen Gesprächen zu übergehen. Geben Sie nicht auf!“, erklärte sie. „Ich habe zum Beispiel zwei Jahre gebraucht, um das individuelle Bonussystem bei der Lufthansa abzuschaffen, als erstes Unter­nehmen in Deutschland, weil man im Team einzelne Leistungen nicht unterschiedlich bewerten kann. Dieser Meinung waren einige und meine Allianzen mit Gleichgesinnten waren essentiell, denn kultureller Wandel braucht seine Zeit.“

Sich gegenseitig zuhören und Verbündete finden

Doch wie bildet man diese Allianzen, und vor allem als Frau in einer Branche, die mehrheitlich von Männern vertreten wird? Was tun als Führungskraft, die jünger ist als ihre Mitarbeitenden, hieß es im Plenum. Dr. Volkens ging engagiert auf individuelle Fälle ein und auch hier bewegte sich der Dialog immer wieder zurück zum Faktor Gesprächskultur und kultureller Wandel im Unter­nehmen als Ganzes. Als Faustregel nannte sie nachfragen, zuhören, Sachverhalte und gegenseitige Interessenlagen begreifen, um gemeinsam Neues zu gestalten. „Wir müssen immer verstehen, wie unser Gegenüber tickt, um handlungsfähig zu sein und eine Win-Win-Situation für beide Parteien zu schaffen.“ Hinsichtlich individueller Interessenlagen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen auch wiederum mit Fragen zu Selbstmarketing und Authentizität, wobei Dr. Volkens viel Wert darauf legte, sich – vor allem als angehende und auch erfahrene Führungskraft – regelmäßig mit den eigenen Werten und energiespendenden Aktivitäten im Berufs- sowie Privatleben zu befassen und diese als Teil der eigenen Führungspersönlichkeit zu kommunizieren: „Damit meine ich selbstverständlich auch das Thema Familie. Es gehört zum Leben dazu, hat seinen berechtigten Platz im Arbeitsalltag und darf kein Tabuthema sein.“ Auch hier sei Mut und Resilienz gefragt sowie das Verständnis dafür, dass sich Kinderbetreuungsfragen gleichermaßen für Männer und Frauen stellten. Man müsse deshalb eine unterstützende Infrastruktur in Deutschland etablieren und auch Teilzeit für Führungskräfte ermöglichen.

Die Schlüsselbotschaft des Abends, die auch in den anschließenden Kleingruppen sowie in der gemeinsamen Abschlussrunde im Plenum im Gespräch blieb, war durch mutiges Handeln Schaffenskraft zu generieren, um gemeinsam Ziele zu erreichen, statt Hierarchie zu leben. Besonders was das Management betrifft, betonte Dr. Volkens diese Strategie, um die Struktur und Kultur eines Unter­nehmens zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und so unter anderem den wertvollen Aspekt der Nahbarkeit seitens der Führungsebene gegenüber Mitarbeitenden zu wahren.

Weitere Informationen zum Netzwerk und zur Mitgliedschaft finden Sie hier.

Redaktion und Text: Talisa Dean

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Sabine Stoll Wewior

Sabine Stoll Wewior
Referentin Bildung,
Digitales und Technologietransfer