„Morgens machen wir Krise, nachmittags Chance“ – neue Wege der Kommunikation

Unser 5. Kommunikationsgipfel am 26. August 2020 stand unter dem Eindruck der  Corona-Pandemie. Um die 70 Teilnehmer waren online dabei, um sich über Kommunikation  in der Krise auszutauschen und sogar einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Für viele Unter­nehmen ist die Krise aktuell jedoch immer noch genau das: eine Krise, die es zu bewältigen gilt. Und dafür werden alle Kräfte gebraucht. Daneben tun sich aber auch Chancen auf, die man nicht ungenutzt vorbei gehen lassen will. „Morgens machen wir Krise, nachmittags Chance“, bemerkte denn auch einer der Teilnehmer.

Für die Unter­nehmenskommunikation bedeutet genau das einen herausfordernden Spagat, den es zu meistern gilt. Viele nutzten die Chance, um etwa unkompliziert helfen zu können, sehr oft infolge von Ideen und großem Engagement ihrer Mitarbeiter. Und natürlich begleiteten sie diese Maßnahmen der Corporate Social Responsibility getreu dem Motto: Tue Gutes – und rede drüber.

Doch was kommt dann? Bei so viel Neuem und so vielen Veränderungen durfte  schließlich eine wichtige Frage nicht fehlen: Was bleibt? Wenn der ganz Spuk  hoffentlich bald vorüber ist.
 

Der deutsche Social-Media-Meister und Fußball ohne Zuschauer

Für den deutschen Fußball entwickelte sich Corona zu einer ernsten wirtschaftlichen Bedrohung. „Spiele ohne Zuschauer führten zu einer Art Endzeitstimmung bei den Fans“, so Jan Strasheim, Leiter Medien und Kommunikation von Eintracht Frankfurt.

Der Bundesligist, und unser Kooperationspartner, bestens vernetzt mit den Fans über Social Media-Kanäle, suchte noch mehr Nähe und kreierte unter anderem neue Formate von Testimonials, Kochrezepten und Fitness-Videos bis zu regelmäßigen Infos über die Corona-Hilfsaktionen des Clubs. Strasheim: „Unser Erfolgsrezept ist es, die Emotionen der Menschen anzusprechen.“

Falschinformationen in Krisen – und wie schwer sie zu korrigieren sind

Doch zu viele Informationen führen auch rasch zu Überlastung. Dann bleiben Falschinformationen, „Fake News“ hängen, die nur schwer zu korrigieren sind. Das weiß Prof. Dr. Thomas Koch vom Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Zudem griffen Menschen gerne die Informationen auf, die zu ihrem Weltbild passen. Gegenargumente verstärkten ihre Einstellung noch. Koch: Das Gehirn ist keine Festplatte, also  werden Fake News nicht gelöscht, sondern bestenfalls um Korrekturen ergänzt.“

Dementis sollten deshalb als kurze, prägnante Infos erfolgen, prägnante Fehlinformationen ergänzen und eine neue plausible Erklärung und Begründung an die Stelle der falschen setzen.

CSR in der Krise: Wie Leica Microsystems die Covid-19-Forschung der Charité unterstützt

Leica Microsystems in Wetzlar, weltweit führender Hersteller innovativer Mikroskoplösungen, hat zur Erforschung des Covid 19-Virus dem Institut für Virologie der Berliner Charité ein THUNDER Imager 3D Live Cell gespendet.

Es ermöglicht extrem schnell qualitativ hochwertige Bilder, zum Beispiel vom Befall einer Zelle mit einem Virus. Die Presseinformation inklusive Foto des Institutsdirektors Prof. Dr. Christian Drosten erzielte eine enorme Reichweite bis hin zu Fernseh- und Hörfunk-Beiträgen. „Wir konnten eine breite Aufmerksamkeit für die Relevanz unserer Produkte für die Anwender auch über die Fachwelt hinaus erreichen“, so Kommunikationschef Alexander Weis.

Auch die interne Wirkung solcher Anwendungsbeispiele ist ein wichtiger Aspekt.  Weis: „Mitarbeiter sprachen darüber, wie stolz sie sind.  Ein Kollege sagte ganz offen: Das hat mich berührt.“

Von Klima bis Corona: Wie sich Viessmann zu globalen Herausforderungen positioniert

Der Heiztechnik- und Klimalösungsspezialist Viessmann in Allendorf (Eder) konnte gerade im März das dritte Rekordjahr in Folge vermelden, als Corona auch hier die Welt veränderte. Um die Krise zu meistern, setzte das Unter­nehmen sofort auf „Zusammenhalt“ und initiierte an allen Standorten weltweit das Online-Format „ViStandtogether“.

Der Wunsch zu helfen entfachte jede Menge Ideen. So spendete man bereits für Messen bestellte Lebensmittel an die Tafeln, produzierte Masken und Visiere und schließlich sogar Beatmungsgeräte. Über all das wurde die Öffentlichkeit fleißig informiert: Der stellvertretende Leiter Unter­nehmenskommunikation Jörg Schmidt: „Wir haben die positiven Nachrichten verstärkt und dafür die ganze Brandbreite der Kanäle bespielt.“

Corona – ein Digitalisierungsschub? Was nach der Krise bleiben wird

ZEISS SMT, ein Unter­nehmen der Halbleiter-Equipment-Industrie, sieht sich als Enabler der Digitalisierung, denn etwa 80 Prozent aller Mikrochips weltweit werden mit ZEISS Lithographie-Optiken hergestellt.

Katrin Ariki, Leiterin des Werkes Wetzlar, verbindet mit Corona einen klaren Digitalisierungsschub: „Die neu geschaffenen Strukturen in Schulen und in Unter­nehmen werden die Digitalisierung weiter vorantreiben.“ Das Internet hebt die Entfernungen zwischen den weltweiten Standorten auf. Ariki: „Wir haben gelernt, dass man sich auch in Online-Meetings über Werksgrenzen hinweg wirklich gut austauschen kann.“

Bei virtuellen Betriebsversammlungen beispielsweise seien Mitarbeiter mutiger, weil sie nicht sichtbar vor allen ihre Fragen stellen müssten. Aktuell laufen bei ZEISS etliche Pilotprojekte, um Abläufe weiter zu verbessern und die Mitarbeiter in Veränderungen noch mehr einzubeziehen.

Die neue Rolle der Agenturen: vom Dienstleister zum Trusted Advisor

Und was bleibt? Philipp Bierbaum ist Mitinhaber von  Damm und Bierbaum in Frankfurt. Die Kommunikations- und Markenagentur sieht Kunden als Partner, mit denen man gemeinsam an Zielen arbeitet.

So wollte beispielsweise Buderus einen Showeffekt für den Einsatz auf Messen. Nach gemeinsamen Ziele-Workshops ergab sich daraus ein virtuelles interaktives 3-D-Training an Buderus-Produkten, das - erstmals auf der ISH 2019 präsentiert – für Besucherandrang sorgte. „Corona hat solche New Work-Ideen und die Auseinandersetzung mit Vertrauenskultur und Empathie deutlich vorangebracht“, ist Bierbaum überzeugt.

Das Thema Homeoffice habe selbst größten Zweiflern gezeigt, dass Mitarbeiter auch unabhängig von ihrem Arbeitsplatz gute Leistung erbringen. Der Unter­nehmensberater warnt aber auch: „Homeoffice darf nicht als Benefit gesehen werden, den andere nie bekommen können.“