Ergebnisse der Herbstumfrage 2021

Im Herbst 2021 hat HESSEN­METALL seine Mitgliedsunternehmen erneut nach ihrer Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation und der weiteren Entwicklung bis zum Herbst 2021 befragt; die Erhebung hat im Oktober und November 2021 stattgefunden. In diesem Herbst haben sich 159 Mitglieds-Unter­nehmen mit mehr als 51.300 Beschäftigten daran beteiligt; zusätzlich sind 2.088 Zeitarbeitnehmer erfasst worden. In der Auswertung ist jede Rückmeldung mit einer Stimme berücksichtigt worden.

Geschäftslage und Erwartungen

Geschäftslage und Erwartungen

Die wirtschaftlichen Perspektiven in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Nach den erheblichen Einbrüchen, insbesondere im 2. Quartal 2020, setzte eine fühlbare Erholung ein, die jedoch insbesondere von den weltweiten Liefer- und Kapazitätsengpässen bei Material und Vorprodukten gebremst wird. Laut der gemeinsamen Blitzumfrage, die HESSEN­METALL und Gesamtmetall Ende Oktober 2021 durchgeführt haben, sind 95 Prozent der Unter­nehmen der hessischen M+E-Unter­nehmen von Lieferengpässen betroffen, ein Drittel der Unter­nehmen gab sogar an, dass die Lieferengpässe zu starken Einschränkungen der Produktion führen. Für zwei Drittel der Unter­nehmen ist noch kein Ende der Versorgungsengpässe absehbar, das verbleibende Drittel der Unter­nehmen rechnet damit, dass sich die Situation noch mindestens bis weit in das Jahr 2022 fortsetzen wird.

Nicht zuletzt sorgen die seit Oktober 2021 wieder stark ansteigenden Infektionszahlen in Deutschland für zusätzliche Verunsicherungen. Zum einen können pandemiebedingte Ausfälle von Mitarbeitern und zusätzliche Störungen der Logistikketten sowie der Zulieferungen aus dem Inland und Ausland die bereits bestehenden Angebotsschocks verstärken. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Pandemie einen erneuten Nachfrageschock auslöst. Die vorliegende Umfrage wurde im Zeitraum vom 18.10. bis 12.11.2021 durchgeführt. Viele Unter­nehmen haben ihre Einschätzungen und Prognosen also in einem Zeitraum abgegeben, in dem das volle Ausmaß des erneuten Anstiegs der Infektionszahlen noch nicht erkennbar war.

Die Stimmung zeigt sich im Vergleich zum Frühjahr 2021 nur leicht verbessert.
Abbildung 1 zeigt die Bewertung der aktuellen Lage der befragten Firmen im Herbst 2021 sowie ihre Erwartungen für die kommenden 6 Monate. Bei der Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage ist erneut ein Aufwärtstrend erkennbar. Der Anteil der Unter­nehmen, die die allgemeine Geschäftslage als „gut“ bewerten, steigt im Vergleich zum Frühjahr nochmal um 2 Prozentpunkte. Trotzdem beurteilt immer noch rund jedes fünfte Unter­nehmen die Geschäftslage als „schlecht“ (nur 3 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr).

Abbildung 1: Stimmung leicht verbessert – Erwartungen eher abwartend

Auch deshalb ist die allgemeine Stimmung noch ein gutes Stück vom Niveau des Jahres 2018 vor dem Beginn von Rezession und Corona-Pandemie entfernt (siehe Abbildung 2).

Dennoch ist der sich fortsetzende Stimmungsaufschwung ein positives Signal, dass sich die Unter­nehmen langsam aus dem Corona-Tief kämpfen, nachdem die hessische M+E-Industrie im Jahr 2020 rund 6 Milliarden Euro Umsatz gegenüber 2019 eingebüßt hat. Für die kommenden sechs Monate erwartet die überwiegende Mehrheit der Unter­nehmen keine nennenswerte Änderung der Lage. Dass der Ausblick nicht noch positiver ausfällt, ist auch ein Hinweis darauf, dass weiterhin große Unsicherheiten über das wirtschaftliche Umfeld, die Auswirkungen der 4. Corona-Welle, den Strukturwandel und die Dauer der Rückkehr auf das Niveau von vor Rezession und Pandemie bestehen.

Abbildung 2: Die Stimmung in der hessischen M+E-Industrie hellt sich weiter auf

Die Stimmung im Einzelnen

Die Stimmung im Einzelnen

Umsätze und Erträge leicht verschlechtert – Auftragsbestände deutlich besser
Bei den Umsätzen hat sich die sehr gute Stimmung aus dem Frühjahr inzwischen etwas eingetrübt. Der Anteil der Unter­nehmen, die die Umsatzlage als „gut“ einschätzen, ist zwar nahezu unverändert (- 2 Prozentpunkte), jedoch beurteilt inzwischen jedes vierte Unter­nehmen die Umsatzlage als „schlecht“ (+ 6 Prozentpunkte).

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Einschätzung der Ertragslage wider: Während der Anteil der Unter­nehmen mit einer positiven Ertragslage sinkt (- 3 Prozentpunkte) steigt der Anteil der negativen Einschätzungen in gleicher Höhe (+ 3). Für die kommenden sechs Monate sind die Erwartungen jedoch wieder etwas optimistischer als im Frühjahr: Jedes fünfte Unter­nehmen rechnet mit einer positiven Ertragsentwicklung.

Wirklichen Grund für Optimismus liefert jedoch vor allem der Auftragsbestand: Die Unter­nehmen beurteilen die Auftragslage deutlich besser als im vergangenen Frühjahr. Der Anteil der Unter­nehmen, deren Auftragsbestande „verhältnismäßig groß“ sind, steigt um satte 11 Prozentpunkte. Bis zum Frühjahr rechnet fast ein Drittel der Unter­nehmen mit einer weiteren Zunahme.

Abbildung 3: Einzelindikatoren mehrheitlich positiv



Beschäftigungserwartungen deutlich stabiler – Investitionsklima wieder verbessert
Nachdem die Beschäftigungserwartungen im Zuge von Rezession und Pandemie heftig eingebrochen waren, sind sie jetzt zum zweiten Mal in Folge positiv. Dennoch liegen sie noch leicht unter dem Vor-Rezessions-Niveau von 2018.

Das Investitionsklima zeigt sich im Vergleich zum Frühjahr zwar deutlich verbessert, jedoch halten sich die Unter­nehmen, die ihre Investitionen als „verhältnismäßig hoch“ einschätzen, fast die Waage mit denjenigen, deren Investitionsniveau „zu gering“ ist. Für die kommenden 6 Monate erwartet jedoch jedes vierte Unter­nehmen einen Anstieg der Investitionen. Die Investitionserwartungen sind damit so optimistisch wie zuletzt im Herbst 2016.

Abbildung 4: Beschäftigungserwartungen und Investitionsstimmung verbessert



Mit Blick auf die Erwartungen für die kommenden sechs Monate ist inzwischen wieder deutlich mehr Optimismus in der hessischen M+E-Industrie zu spüren. Zwar dominierten bereits im Frühjahr 2021 die Optimisten, das Erwartungsbild hat sich aber nochmals aufgehellt:

Abbildung 5 zeigt, dass sich die Salden der Umsatzerwartungen in konjunkturell guten Zeiten in einer Größenordnung von 20 bis 30 Prozentpunkten bewegen. Der aktuelle Erwartungssaldo in Höhe von 20 Prozentpunkten erreicht genau den unteren Rand dieses Bereichs. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass es sich nach den starken Umsatzverlusten des Jahres 2020 wohl vor allem um Erwartungen der Umsatzerholung handelt. Dass die Erwartungen nicht so positiv ausfallen wie in der Erholung von der Weltwirtschaftskrise 2010/2011 könnte ein Zeichen dafür sein, dass Produktionshemmnisse wie der Mangel an Material und Fachkräften die Erholung bremsen.

Nach den starken Einbrüchen des Jahres 2020, die mit Umsatz- und Auftragsverlusten, Kurzarbeit und Unsicherheit einhergingen, sind auch die positiven Erwartungen im Hinblick auf Beschäftigung und Investitionen nicht überraschend. Auch hier handelt es sich wohl in erster Linie um Erholungseffekte.

Abbildung 5: Langfristige Erwartungsentwicklung in der hessischen M+E-Industrie





Lage und Ausblick in den Branchen

Lage und Ausblick in den Branchen

Die in Kapitel 1 dargestellte positive Stimmungslage zeigt sich in allen Branchen der hessischen M+E-Industrie, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung (Abbildung 6). Insbesondere ist zu beachten, dass die einzelnen Branchen unterschiedlich stark von der Pandemie getroffen wurden: Während die Metallindustrie ihre Umsätze im Krisenjahr 2020 sogar steigern konnte, erlitten die anderen Branchen durchweg deutliche Umsatzverluste. Im Fahrzeugbau brachen die Umsätze trotz deutlichem Aufwind im 4. Quartal 2020 um über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein.

Am positivsten ist die aktuelle Stimmung in der Elektroindustrie (WZ 26 und 27). Die Branche konnte ihre Umsätze in den ersten drei Quartalen 2021 fast wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau steigern. Grund für die positive Stimmung lieferte aber vor allem der Auftragseingang, der in den ersten drei Quartalen 2021 insbesondere bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen deutlich über dem Jahr 2019 lag. Die Aussichten sind weiterhin leicht positiv, auch wenn drei Viertel der Unter­nehmen keine weitere Verbesserung oder Verschlechterung erwarten.

In der Metallindustrie, dem Maschinenbau und dem Fahrzeugbau beurteilt die Mehrheit der Unter­nehmen die Lage immerhin wieder als „befriedigend“ - jeweils rund ein Drittel sogar als „gut“. Bei den Maschinenbauern steht dem jedoch auch ein Viertel der Unter­nehmen gegenüber, für die die Lage weiterhin „schlecht“ ist. Auch für die kommenden sechs Monate sind die Maschinenbauer eher skeptisch. Diese Skepsis zieht sich auch durch die anderen Branchen. Die Salden aus positiven und negativen Erwartungen zeigen hier jedoch auch einen vorsichtigen Optimismus.

Abbildung 6: Stimmungshoch in der Elektroindustrie – Erwartungen vorsichtig

Export

Export

Der Anteil der Unter­nehmen, deren Exporte „verhältnismäßig hoch“ sind, sinkt im Vergleich zum Frühjahr um fünf Prozentpunkte auf nur noch 16 Prozent (Abbildung 7). Für jedes fünfte Unter­nehmen sind die Exporte außerdem weiterhin „zu gering“. Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Welthandel und der internationale Warenverkehr weiterhin gestört sind. Immerhin erwartet mehr als jedes fünfte Unter­nehmen für das kommende Halbjahr eine Verbesserung des Exportgeschäfts.

Abbildung 7: Exportgeschäft nochmal verschlechtert



Der durchschnittliche Exportanteil der befragten Unter­nehmen ist im Vergleich zum Herbst 2020 leicht gesunken. Bei den Exportschwerpunkten zeigt sich ein weitgehend unverändertes Bild (Abbildung 8).

Abbildung 8: Kaum Änderungen bei den Auslandsmärkten

Investitionen

Investitionen

Der Anteil der Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen ist im Vergleich zum vergangenen Frühjahr deutlich zurückgegangen. Stattdessen haben Investitionen in die eigenen Produkte, Umweltschutzmaßnahmen, Mitarbeiterqualifizierung und beschäftigungswirksame Erweiterungen an Bedeutung hinzugewonnen (Abbildung 9). Für das kommende Halbjahr erwarten die Unter­nehmen, dass sich dieser Trend sogar noch verstärkt. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Unter­nehmen wieder vermehrt in die Zukunft investieren und sich weniger stark auf den Erhalt von Kapazitäten und die Effizienzsteigerung fokussieren.

Abbildung 9: Mehr Investitionen in die Zukunft – Tendenz steigend



Der Anteil der Auslandsinvestitionen ist im Vergleich zum Herbst 2020 leicht gestiegen (damals: 13,7 %). Investitionen in Asien (Herbst 2020: 18,3 %) und Nordamerika (Herbst 2020: 7,1 %) gewinnen wieder mehr an Bedeutung (Abbildung 10).

Abbildung 10: Auslandsinvestitionen steigen leicht

Beschäftigung

Beschäftigung

Rezession und Pandemie haben in der hessischen M+E-Industrie zu erheblich sinken-den Beschäftigtenzahlen geführt. Seit dem Höchststand im September 2018 ist die Beschäftigung um rund 17.000 Stellen auf nur noch rund 203.000 gesunken.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Unter­nehmen im Durchschnitt derzeit keinen weiteren breiten Stellenabbau erwarten (Abbildung 11). Dennoch sind bei einigen Unter­nehmen bereits strukturwandelbedingte Abbaupläne beschlossen, teilweise aber noch nicht umgesetzt. Denn die Vorlaufzeiten für eine Umsetzung liegen bei rund 9 Monaten. Deshalb werden wir auch in den kommenden Jahren bereits geplante und in Umsetzung befindliche Reduktionen von Arbeitsplätzen haben.

Abbildung 11: Die Unter­nehmen erwarten stabile Beschäftigung



Dem gegenüber stehen auch verstärkte Einstellungen an anderer Stelle: Drei Viertel der Unter­nehmen (76,5 %) gaben an, dass weiterhin auf der Suche nach Fachkräften sind, vor allem in der Produktion und in Ingenieursberufen (Abbildung 12).

Abbildung 12: Der Fachkräftebedarf ist ungebrochen

Ansprechpartner
Jan-Patrick Harms

Jan-Patrick Harms
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