Herbstumfrage 2019 - Die Ergebnisse

Vorbemerkung: Im Oktober 2019 haben die fünf Bezirksgruppen von HESSENMETALL erneut ihre Mitgliedsunternehmen nach deren Einschätzungen über ihre aktuelle wirtschaftliche Situation und der weiteren Entwicklung befragt. An dieser Erhebung haben sich diesmal insgesamt 160 Mitgliedsunternehmen mit 50.700 Beschäftigten beteiligt. Bei der Auswertung ist jede Rückmeldung mit einer Stimme berücksichtigt worden.
Die kursiv dargestellten Teile der Auswertung bieten einen Vergleich zu den Erhebungsergebnissen der „Herbstumfrage 2018“.

Ergebnis: Gegenüber den Beurteilungen aus vergleichbaren Umfragen im Frühjahr 2019 und Herbst 2018 ist die aktuelle wirtschaftliche Situation von den diesmal an der Umfrage beteiligten hessischen M+E-Mitgliedsunter-nehmen insgesamt deutlich pessimistischer beurteilt worden; auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate werden vergleichsweise düster eingeschätzt. Verstärkte globale Handelskonflikte, politische Unsicherheiten, rückläufige Wachstumsprognosen und zunehmende Kostenbelastungen hinterlassen – trotz der weiterhin hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit der hessischen M+E-Industrie – ihre Spuren im Bewusstsein der verantwortlichen Unternehmens-Leitungen. Neue Herausforderungen bei der Digitalisierung der Arbeitswelt erfordern auch neue Strukturen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen – und eine neue Qualität der Arbeitskräfte. Die wesentlichen Ergebnisse im Einzelnen:

Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage

Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage

Problematische Ausgangslage mit pessimistischer Einschätzung der Weiterentwicklung
Die Lage im Herbst 2019 wird lediglich noch von 24 Prozentder beteiligten M+E-Unternehmen als „gut“ beurteilt; 45 Prozent beurteilen sie als “befriedigend“, aber bereits 31 Prozent als „schlecht“.
Für den 6-Monats-Zeitraum bis Frühjahr 2020 erwarten 51 Prozent eine „vergleichbare“ Weiterentwicklung der gegenwärtigen Lage, 41 Prozent gehen aber bereits von einer „schlechteren“ Entwicklung aus und lediglich 8 Prozent rechnen noch mit „besseren“ Entwicklungsaussichten.
Zum Vergleich: In der entsprechenden Auswertung vom Herbst 2018 hatten 62 Prozent der Unter-nehmen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, 29 Prozent als „befriedigend“, und lediglich 9 Prozent als „schlecht“ beurteilt.

Beurteilung der Auftragsbestände

Beurteilung der Auftragsbestände

Fragile Ausgangssituation, zurückhaltende Zukunftsbeurteilung
Noch immer halten mit 44 Prozent die meisten der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Auftragsbestände im Herbst 2019 für „ausreichend“; aber nur noch 16 Prozent schätzen den Bestand dieses „Zukunftsindikators“ als „verhältnismäßig groß“ ein. Bei 40 Prozent allerdings fällt er bereits „zu gering“ aus.
Bis zum Frühjahr 2020 gehen 41 Prozent der beteiligten Unternehmen von einer Fortsetzung der bestehenden Beurteilungs-Struktur aus; lediglich 10 Prozent rechnen aber noch mit einer Verbesserung ihrer Auftragslage, aber 49 Prozent befürchten bereits „eher abnehmende“ Auftragsbestände.
Damit hat sich die Beurteilung dieses Zukunftsindikators gegenüber den Ergebnissen aus der Herbstumfrage 2018 deutlich verschlechtert: Vor einem Jahr hatten noch 40 Prozent ihre Auftragsbestände als „verhältnismäßig groß“ und immerhin 45 Prozent als „ausreichend“ beurteilt. 20 Prozent waren von weiteren Steigerungen und lediglich 18 Prozent von „eher abnehmenden“ Auftragsbeständen ausgegangen.

Umsatzentwicklung

Umsatzentwicklung

Kritische Ausgangslage bei pessimistischen Erwartungen
Mit einem Anteil von 44 Prozent schätzt mittlerweile die überwiegende Mehrheit der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Umsätze im Herbst 2019 als „befriedigend“ ein. Lediglich 26 Prozent beurteilen sie noch als „gut“, aber 30 Prozent beklagen bereits ihre „schlechte“ Umsatz-Situation.
Für das kommende Halbjahr bis zum Frühjahr 2020 erwartet eine Mehrheit von 46 Prozent eine „eher fallende“ Fortsetzung der gegenwärtigen Ausgangslage. 44 Prozent prognostizieren ein „eher gleich bleibendes“ Niveau ihrer Umsätze. Der Anteil derjenigen M+E-Unternehmen, die von „eher steigenden“ Umsätzen ausgehen, ist aber mit 10 Prozent deutlich geringer ausgefallen.
Zum Vergleich: Nach den Erhebungsergebnissen vom Herbst 2018 hatten noch 56 Prozent ihre Umsätze als „gut“ eingeschätzt; lediglich für 10 Prozent waren die Umsätze „schlecht“ ausgefallen; der Anteil mit steigenden Umsatzerwartungen lag mit 23 Prozent deutlich höher als der mit fallenden mit 15 Prozent.

Ertragsentwicklung

Ertragsentwicklung

Problematisches Niveau – pessimistische Erwartungen
Die Grundlage und Voraussetzung für die nachhaltige Weiterentwicklung eines Unternehmens und die Finanzierung von Investitionen bildet das Ertragsniveau, das im Herbst 2019 nach der Einschätzung von 48 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen als „befriedigend“ eingestuft wird. Allerdings geben lediglich noch 22 Prozent an, ihre Erträge seien „gut“. Über 30 Prozent beklagen bereits ihre „schlechte“ Ertragslage.
Die Einschätzungen bis zum Frühjahr 2020 lassen eine deutliche Verschlechterung erwarten: So prognostizieren zwar 48 Prozent der Unternehmen ein „eher gleich bleibendes“ Ertragsniveau. Allerdings gehen nur noch 9 Prozent von einem „eher steigenden“, aber 43 Prozent von einem „eher fallenden“ Ertragsniveau aus. Die bisher verhalten positive Einschätzung der Ertragsentwicklung hat damit einen deutlichen Dämpfer für die weitere Entwicklung erhalten.

Entwicklung der Investitionen

Entwicklung der Investitionen

Investitionen weiterhin auf hohem Niveau – Schwerpunkte nach wie vor bei Ersatz-, Produkt- und Rationalisierungsinvestitionen und zunehmend bei Investitionen in die Mitarbeiterqualifikation – Euroraum bei Auslandsinvestitionen nach wie vor an der Spitze, leichte Zunahmen bei Nordamerika und dem Euroraum
Mit 65 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen gibt die deutliche Mehrheit an, dass die Höhe ihrer Nettoinvestitionen im Herbst 2019 „ausreichend“ ist. Für 19 Prozent sind sie sogar „verhältnismäßig hoch“, aber 16 Prozent halten sie gegenwärtig für „zu gering“.
Für die Abschätzung der Entwicklung im kommenden Halbjahr gilt für 56 Prozent eine „eher gleichbleibende“ Tendenz der gegenwärtigen Ausgangslage. Dabei gehen 11 Prozent von „eher steigenden“, aber 34 Prozent von „eher fallenden“ Investitionen aus.



Im Herbst 2019 bilden die Ersatzinvestitionen nach wie vor mit einem Anteil von 35 Prozent einen signifikanten Schwerpunkt, gefolgt mit 20 Prozent von Rationalisierungsinvestitionen, 16 Prozent in die Qualifikation von Mitarbeitern und nahezu gleichauf in Produktinvestitionen. Damit wird erneut deutlich, dass die Wettbewerbssituation und die Herausforderungen durch die zunehmende Digitalisierung die hessischen M+E-Unternehmen zum einen dazu zwingt, ihren Produktionspark weiter zu entwickeln, zum anderen ihre Produkte zu modernisieren und angesichts des zunehmenden Fachkräf¬temangels ihre eigenen Mitarbeiter für die neuen Produktionsverfahren und Produkte zu qualifizieren. Beschäfti¬gungswirksame Erweiterungsinvestitionen haben gegenwärtig vor dem Hintergrund der problematischen Wirtschaftsentwicklung einen Anteil von nur noch 9 Prozent und Umweltschutzinvestitionen – angesichts der hohen bereits erreichten Standards – einen Anteil von 4 Prozent.

Für das kommende Halbjahr bis Frühjahr 2020 sind nach Einschätzung der beteiligten M+E-Unternehmen keine signifikante Änderungen zu erwarten: So wird bei den Ersatzinvestitionen lediglich mit einem leichten Anteilsrückgang auf 33 Prozent und im Gegenzug bei den Umwelt-schutzinvestitionen mit einem Anstieg auf 5 Prozent gerechnet.



Der Auslandsanteil ihrer gesamten Investitionen liegt bei den beteiligten M+E-Unternehmen im Herbst 2019 gegenwärtig bei 14,1 Prozent.
Gegenüber dem Erhebungsergebnis vom Herbst 2018 hat sich dieser Investitionsanteil lediglich um 0,2 Prozentpunkte erhöht.
Der Schwerpunkt der Auslandsinvestitionen liegt nach wie vor mit 62 Prozent im „Euroraum“, mit erheblichem Abstand gefolgt mit 20 Prozent von „Asien“ und mit 11 Prozent von „Nordamerika“. Das „Übrige Europa“ folgt mit 7 Prozent. Der Anteil von „Südamerika“ ist mit 0,7 Prozent deutlich zurückgegangen.
Damit hat sich die Bedeutung von Nordamerika und des Euroraumes bei den Auslandsinvestitionen im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen etwas verstärkt; im Gegenzug sind die Anteile von Südamerika und dem übrigen Europa zurückgegangen.

Exporte

Exporte

Exportschwerpunkt weiterhin im Euroraum – eher gleichbleibende Exportentwicklung erwartet
Der durchschnittliche Exportanteil der beteiligten M+E-Unternehmen beträgt im Herbst 201937 Prozent. Dabei liegt der Exportschwerpunkt mit einem Anteil von über 43 Prozent nach wie vor im „Euroraum“. Damit zeigt sich erneut die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der hessischen M+E-Industrie im unmittelbaren, nicht von Währungseffekten beeinflussten, europäischen Umfeld. Mit einem Exportanteil von 24 Prozent steht „Asien“ wiederum an zweiter Stelle. Die Regionen „Nordamerika“ belegen mit 18 Prozent und „Übriges Europa“ mit 13 Prozent die nächsten Plätze im Export-Ranking. Das Schlusslicht bildet nach wie vor „Südamerika“ mit 3 Prozent.



Nach wie vor beurteilen 59 Prozent der beteiligten Unternehmen ihre Exporte im Herbst 2019 insgesamt als „ausreichend“, nur noch 13 Prozent melden allerdings „verhältnismäßig hohe“ Exporte, bei 28 Prozent sind sie aber bereits „zu gering“. Für die Entwicklung im kommenden halben Jahr bis zum Frühjahr 2020 rechnen mit 56 Prozent die meisten der beteiligten Unternehmen damit, dass ihre Ausfuhren „eher gleich bleiben“, 11 Prozent gehen von „eher steigenden“ aber 33 Prozent von „eher fallenden“ Exporten aus. Eine signifikante Verschlechterung in der Beurteilung der Aussichten.

Entwicklung der Beschäftigung

Entwicklung der Beschäftigung

Deutlicher Beschäftigungsabbau zu erwarten – rückläufige Zeitarbeitsanteile
Das Niveau der von den beteiligten M+E-Unternehmen im Herbst 2019 gemeldeten 50.700 Beschäftigten wird sich im kommenden halben Jahr bis zum Frühjahr 2020 deutlich abschwächen: Es ist mit einem Rückgang von 2,6 Prozent zu rechnen. Gleichzeitig wird im kommenden Halbjahr die Zahl der gesondert erfassten Zeitarbeitnehmer erneut weiter drastisch zurückgehen: um 33 Prozent.



Besonders betroffen von den Entwicklungstendenzen bei der Beschäftigung ist im Herbst 2019 erneut – mit 55 Prozent – der Produktionsbereich; dies wird auch für die weitere Entwicklung im kommenden Halbjahr erwartet. Die Betroffenheit der anderen Bereiche liegt derzeit nach den Ergebnissen der aktuellen Umfrage deutlich niedriger – bei Anteilen zwischen 10 Prozent und 21 Prozent. Diese Struktur wird sich auch in den kommenden sechs Monaten nicht gravierend ändern.