„You can’t overcommunicate“

Dr. Elke Frank zu hybridem Arbeiten und was sich dadurch für Führungskräfte ändert

Das HESSEN­METALL Netzwerk Frauen in Führungspositionen (HMFF) ist am 02.03.2022 in sein zweites Community- und Veranstaltungsjahr gestartet. Isabelle Himbert, Projektleiterin HMFF und Geschäftsführerin der Arno Arnold GmbH, begrüßte die Mitglieder zum Jahresauftakt in einem virtuellen Lunch-Talk mit Dr. Elke Frank, Personalchefin und Vorstandsmitglied bei der Software AG. Auf Basis interaktiver Echtzeit-Abstimmungen zu themenrelevanten Fragen aus der Community berichtete Elke Frank über ihre Erfahrungen und Insights hinsichtlich der sich immer schneller und nachhaltiger wandelnden hybriden Arbeitswelt – insbesondere im Technologiesektor. In Anlehnung daran stieg Dr. Frank souverän und nahbar in einen intensiven Austausch mit den Teilnehmerinnen zu deren individuellen Herausforderungen als Führungskräfte in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt ein. Die Online-Veranstaltung ist das inzwischen fünfte Event des von Isabelle Himbert und Sabine Stoll Wewior, Referentin Bildung HESSEN­METALL, geleiteten Netzwerks seit seiner Gründung in 2021.

Dr. Elke Frank (Software AG) Quelle: Software AGThemen ansprechbar machen

Der rote Faden, der sich von Beginn an durch die Online-Veranstaltung zog, war die Bedeutung von interner Kommunikation, on- und offline, zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie deren verschiedenen Teams, die sich nach Erfahrung von Elke Frank besonders in Pandemie-, und Krisenzeiten, zu einem noch zentraleren Einflussfaktor für erfolgreiche Arbeitsabläufe entpuppt. „Ich kann nur sagen, macht Themen ansprechbar, indem ihr gezielt Raum und Zeit dafür bietet, seid emphatisch und hört zu. You can’t overcommunicate und schon gar nicht in diesen herausfordernden Zeiten“, sagte Frank. Nur so sei es möglich Verständnis und Sichtbarkeit für unterschiedliche Perspektiven und Situationen zu schaffen, die den Arbeitsalltag maßgeblich beeinflussen. Besonders eindringlich kam in diesem Zusammenhang die Problematik zur Sprache, die im Plenum als „Spagat zwischen Mitarbeitenden in der Produktion und Wissensarbeiterinnen sowie -arbeitern im Homeoffice“ bezeichnet wurde und auf das Buch „Out of Office: Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen“ anspielt, bei dem Elke Frank Mitautorin ist. Unter Wissensarbeitenden werden hier generell Personen verstanden, die primär keiner körperlichen Arbeit nachgehen.

„Natürlich kann nicht jeder und jede ins Homeoffice, weil der Arbeitseinsatzort das in vielen Fällen einfach unmöglich macht. Es ist deswegen essentiell, gemeinsam über die jeweiligen Sichtweisen zu sprechen und alle Seiten mit ihren Fragen oder Bedenken zu berücksichtigen – zum Beispiel auch bei dem oft zur Sprache gebrachten Vorwurf, dass im Homeoffice nicht gearbeitet wird. Mehr und mehr namhafte Forschung zu diesem eher neuen Research-Thema belegt das Gegenteil, nämlich, dass Zuhause teilweise noch mehr geleistet wird als im Büro. Es ist sinnvoll, ein gemeinsames Verständnis aufzubauen, um die Lösung zu finden, die euer Team braucht“, betonte sie. Um Arbeitsziele zu erreichen und -prozesse zu optimieren, sei es wichtig, den Austausch zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie ihren jeweiligen Vorgesetzten systematisch zu fördern und dafür explizite Termine zu schaffen, um sich auf Augenhöhe zu begegnen, für mehr Transparenz zu sorgen, Vertrauen zu schaffen und – insbesondere als Führungskraft – nahbar zu bleiben, auch virtuell.

Isabelle Himbert mit Elke Frank in der Community-VeranstaltungSpannungsfelder und Sinnstiftung

Das Know-how und der Umgang mit digitalen Tools und Technologie von Mitarbeitenden wurde im Gespräch mit den Netzwerkmitgliedern als ein weiteres Spannungsfeld genannt, das vor allem im Zuge der Pandemie und ihren Folgen sowie in Hinblick auf hybrides Arbeiten oft als Generationenkonflikt beschrieben wurde: „Was mach‘ ich mit wertvollen, langjährigen und besonders erfahrenen Angestellten, die sich in der digitalen Welt schwer tun und so technikaffinere und häufig jüngere Talente frustrieren? Wie nehme ich mein gesamtes Team bei dem Wandel mit?“, hieß es unter anderem aus der Gruppe. Hier kam Elke Frank auf das Konzept des „Reverse-Mentoring“ zu sprechen. „Personen aus beiden Parteien, die sich gut verstehen, als Tandem zusammenzubringen, sodass sie sich gegenseitig extensives Fachwissen, und digitale Skills vermitteln, kann oft der richtige Weg sein“, sagte sie.

Gemeinsame Ziele

Besonders inspirierend war in diesem Zusammenhang außerdem Franks Input zu Motivation im Arbeitsalltag und dazu, sich generell als Teil eines Unter­nehmens, als Arbeitnehmer eines attraktiven Arbeitgebers, zu verstehen sowie in einer hochdynamischen Welt immer wieder Neues dazulernen zu wollen – Stichwort: „Purpose“. Man beobachte sowohl in der Forschung als auch in der Praxis, dass bedeutende gesellschaftliche Fragen und sinnstiftende Anreize in Unter­nehmen für Arbeitnehmerinnen und -nehmer immer wichtiger werden – und zwar über alle Generationen hinweg. „Wer weiß für wen und für was er oder sie tätig ist, wo die Reise hingeht und weshalb, ist auch willens das Beste zu geben und sich kontinuierlich weiterzubilden, auch wenn es mal unbequem wird“, bekräftigte Dr. Frank.

Einige Teilnehmerinnen aus dem Mitgliedschaft von HMFFIn Bezug auf die entscheidenden Faktoren um die Arbeitswelt von morgen erfolgreich zu gestalten kam Isabelle Himbert auf Messbarkeit und Verbindlichkeit von Aufgaben und Leistungen zu sprechen; ein Bereich, der selbstverständlich auch in der hybriden Arbeitswelt komplex sein kann: „Wie etabliere ich eine Zielsetzungskultur oder wie kann ich nachvollziehen und sicherstellen, dass bestimmte Aufgaben erledigt werden, gerade, wenn das Team arbeitsortunabhängig tätig ist und es bisher beispielsweise keine bonusorientierten Vergütungssysteme gibt?“ Elke Frank unterstrich daraufhin einerseits ihre Befürwortung für Bonusorientierung, hob allerdings nochmal hervor, dass das Festlegen von großen, strategischen, bedeutenden und damit animierenden Zielen auf freiwilliger Basis durchaus wirkungsvoll ist. „Und da bin ich ein großer Fan von weniger ist mehr! Vielleicht nur ein paar wenige, klare Ziele definieren und diese gut kommunizieren – 'Das sind unsere gemeinsamen Ziele und was braucht’s denn, um diese zu erreichen?' Und wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt davon überzeugt sind, dass ihre Arbeit fürs Unter­nehmen wichtig ist und Sinn stiftet, dann kann diese Kommunikation sogar die Hauptrolle spielen.“

Weitere Infos zum Netzwerk und zur Mitglied­schaft finden Sie hier.

Redaktion und Text: Talisa Dean

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Sabine Stoll Wewior

Sabine Stoll Wewior
Referentin Bildung