IG Metall muss sich bei Entgelt und Erhöhung flexibler Arbeitszeitvolumen endlich bewegen

3. Tarifverhandlung für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

Frankfurt/Saarbrücken. Die Arbeitgeber haben die IG Metall in der 3. Tarifverhandlung für die Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland aufgefordert, sich bei Entgelt und Erhöhung flexibler Arbeitszeitvolumen endlich zu bewegen.

„Um die digitale Transformation, die Entwicklung alternativer Antriebe und die wachsende Dienstleistungsintensität so zu bewältigen, dass unsere heimischen Standorte und ihre Beschäftigten davon profitieren, brauchen unsere M+E-Unternehmen eine größere bedarfsorientierte Arbeitszeitflexibilisierung. Dieser Strukturwandel ist eine große finanzielle Herausforderung für die Unternehmen. Wir wollen, dass die Investitionen in die Arbeitsplätze der Zukunft hier am heimischen Standort stattfinden. Deshalb ist auch der finanzielle Verteilungsspielraum beim Entgelt begrenzt.

Wir haben bereits in der 2. Tarifverhandlung ein Angebot mit Reallohnplus vorgelegt. Wir erwarten jetzt, dass sich die IG Metall endlich beim Entgelt und Erhöhung flexibler Arbeitszeitvolumen bewegt. Dann können wir auch über Rahmenbedingungen für Beschäftigte reden, die ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren wollen“, sagte Dr. Thomas Brunn, Verhandlungsführer von M+E MITTE am Donnerstag im Anschluss der Verhandlung in Saarbrücken.

Auch noch so viele Warnstreiks änderten nichts an den einfachen Wahrheiten, dass alle Kundenwünsche und Aufträge stets pünktlich und mit hoher Qualität zu weltweit wettbewerbsfähigen Preisen bedient werden müssten. Dass die Arbeit erledigt werden müsse. Und dass selbstverständlich nur geleistete Arbeit vergütet werden könne. Hingegen würden einseitige Ansprüche auf Arbeitszeitreduzierung, gar noch mit finanziellen Anreizen ausgestattet, nur den Fachkräftemangel verschärfen und unsere Mitgliedsunternehmen, die sowieso die weltweit kürzesten Arbeitszeiten und die höchsten Arbeitskosten durch herausragende Produktivität wettmachen müssten, auch beim bislang größten Standortvorteil, ausreichend gut ausgebildeten Fachkräften, einen neuen Wettbewerbsnachteil bescheren.

Mehr als die Hälfte der M+E-Betriebe sieht inzwischen im Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko. Knapp ein Viertel klagt über Produktionsbehinderungen, weil die Leute fehlen. Wegen dieses massiven Fachkräftemangels ist eine Ausweitung befristeter Teilzeit „für uns Arbeitgeber nur verhandelbar, wenn wir in den Betrieben eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens bekommen. Die Einigung zur befristeten Teilzeit in der Sondierung von Union und SPD wird das Arbeitszeitvolumen in den Betrieben künftig noch viel stärker reduzieren. Das wird den Fachkräftemangel noch weiter anheizen. Umso wichtiger ist es, dass - wenn nötig - jeder Beschäftigte seine Arbeitszeit freiwillig auf 40 Stunden verlängern darf und dies nicht durch völlig unzureichende Quoten ausgeschlossen ist.

Nur so würden Beschäftigte wirklich zeitsouverän. Denn viele Beschäftigte in unseren Betrieben wollen mehr verdienen und sind dafür bereit, auch länger zu arbeiten. Hier sollte die IG Metall ihre Bevormundung aufgeben“, sagte Brunn. Es wäre fatal, wenn Aufträge an ausländische Standorte vergeben werden müssten, weil die Personalkapazität vor Ort bei uns zur Erledigung nicht ausreiche. Denn für Produktionsstandorte gelte, was einmal weg sei, komme nicht mehr zurück.

Das größte Hemmnis für eine Lösung im Tarifkonflikt sieht der M+E-MITTE-Verhandlungsführer darin, dass die IG Metall weiterhin an einem Lohnzuschlag für Beschäftigte mit Kindern oder Pflegebedarf festhalte, die ihre Arbeitszeit vorübergehend absenken wollen: „Dass manche Mitarbeiter für die gleiche Arbeit mehr bekommen sollen als andere, ist ungerecht und verstößt gegen das Prinzip von Leistung und Gegenleistung.“

Außerdem diskriminiere diese Forderung die heutigen, weit überwiegend weiblichen Teilzeitkräfte, die keinen Zuschlag bekämen, und sei deshalb rechtswidrig. „Darüber können wir nicht verhandeln, da wir keinen Tarifvertrag abschließen werden, der gegen das Gesetz verstößt und unsere Betriebe einem Klagerisiko aussetzt. Daran ändert auch das gestern von der IG Metall vorgelegte Gutachten mit einigen Argumente gegen eine Rechtswidrigkeit nichts. Dieses Risiko können wir unseren Mitgliedsunternehmen nicht zumuten“, sagte Brunn.

Die „Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE“
M+E MITTE spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland-Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In den drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rund 1.400 Unternehmen mit 400.000 Beschäftigten. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Mitte.

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