1. Tarifverhandlung M+E Mitte und IG Metall Bezirk Mitte

Verhandlungsführer Dr. Brunn: „Im Schraubstock zwischen Strukturwandel, Rezession und dem sich weltweit verbreitenden Coronavirus brauchen unsere M+E-Unter­nehmen Planungssicherheit statt Kostensteigerungen und Komplexität.“

Frankfurt am Main/Darmstadt. Die erste Tarifverhandlung zwischen der Verhandlungsgemeinschaft M+E Mitte und der IG Metall Bezirk Mitte für die rund 400.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie (M+E-Industrie) in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland endete am Freitag erwartungsgemäß noch ohne Ergebnis.

Die vier in M+E MITTE zusammengeschlossenen Arbeitgeberverbände und die IG Metall erörterten mögliche Lösungen in dieser außergewöhnlich schwierigen wirtschaftlichen Lage: Zum einen befinden sich die M+E-Unter­nehmen mitten in einem mehrjährigen Strukturwandel, zum andern wird die aktuelle Konjunkturkrise länger dauern. Außerdem wird die Corona-Pandemie zu erheblichen Ausfällen in Wertschöpfungs- und Lieferketten und Umsatzeinbußen führen.  


„Angesichts einer möglichen Erosion des Standorts brauchen unsere Unter­nehmen einen maßvollen, anwendungsfreundlichen und langjährigen Tarifabschluss. Nur so erhalten sie Planungssicherheit und genügend Raum für zukunftssichernde Investitionen in Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, digitale Transformation und alternative mobile Antriebe. Dies sind wichtige Bausteine für Unter­nehmenssicherung und damit auch Beschäftigungssicherung. Was sie nicht brauchen sind Kostensteigerungen und Komplexität“, sagte Dr. Thomas Brunn, Verhandlungsführer von M+E MITTE und HESSENMETALL.

Nach den vorausgegangenen beiden Sondierungsgesprächen fand auch die weitere Auslotung eines zu diesen vielfältigen Herausforderungen und Risiken passenden Maßnahmenpakets „in konstruktiver Atmosphäre“ statt. Die Arbeitgeberseite skizzierte die aktuelle Lage als einen Schraubstock aus Strukturwandel und Rezession, die bedingt durch den Coronavirus noch eine neue Dimension der Gefährdung des erfolgreichen weltweiten wirtschaftlichen Wirkens erhalten hat. Die Produktion in der deutschen M+E-Industrie lag 2019 um 5,2 Prozent unter dem Vorjahreswert; in der Schlüsselindustrie Automotive sogar um 11,6 Prozent. Rückgänge verzeichneten auch die Elektro-Industrie, die Hersteller von Metallerzeugnissen und der Maschinenbau. Der Auftragseingang war um 6,2 Prozent rückläufig. Die Beschäftigung sinkt seit Mai 2019 stetig – monatlich deutschlandweit um etwa 3.000 Arbeitsplätze. Diese Rezession wird nach Einschätzung der Unter­nehmen über 2020 hinaus anhalten – und sich mit den unkalkulierbaren Folgen des Coronavirus weiter verschärfen. Zugleich können bzw. sollten die M+E-Unter­nehmen ihre Investitionen in die Zukunftssicherung nicht zurückfahren, wenn sie weiter vorne dabei sein wollen.

„Der Einbruch der Konjunktur hat unser Kostenproblem erheblich verschärft: Während die Arbeitskosten 2019 noch einmal deutlich um fast 3,5 Prozent gestiegen sind, ist die Produktivität in der M+E-Industrie um 4,5 Prozent eingebrochen. Die Folge ist ein Anstieg der Lohnstückkosten um gut 8 Prozent. Keine Frage: das belastet die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer ME-Unter­nehmen ganz erheblich“, so Verhandlungsführer Brunn. Zum Stand der Verhandlungen führte Brunn aus, dass bei den meisten Themen noch sehr unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die IG Metall werde sich entscheiden müssen: ob sie in Richtung Mindeststandards denke und damit dem Flächentarifvertrag eine echte Zukunft beschere, oder ob sie ihre rechtlich und verbandspolitisch unerfüllbaren Forderungen nach Eingriffen in die unternehmerische Freiheit aufrechterhalte. „Das würde die angestrebte Kompromissfindung bis Ostern äußerst schwierig machen", so Brunn. Dabei hätten die Arbeitgeber mit der Vereinbarung von Pforzheim schon 2004 einen gangbaren Weg der Standortsicherung tarifiert, auf dessen Prinzipien man gut zurückgreifen könne.

Die 2. Tarifverhandlung für den Tarifbezirk Mitte wurde auf den 3. April festgesetzt.

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