Wirtschaftliche Folgen von Putins Krieg für hessische M+E-Industrie

Mang: Material- und Teilemangel verschärft sich wieder // Unter­nehmen rechnen mit Kostensteigerungen, Produktions- und Umsatzrückgängen // Energiepreise treiben Existenzängste

Frankfurt am Main. Die hessischen Metall- und Elektro-Unter­nehmen sind auch nach drei Wochen noch tief geschockt über den völkerrechtswidrigen Krieg Putins in der Ukraine und suchen nach Lösungen für die wirtschaftlichen Folgen.

„Fast die Hälfte der hessischen M+E-Unter­nehmen haben Kunden in der Ukraine, Russland und Belarus, manche unterhalten sogar Standorte vor Ort. Uns treibt deshalb vor allem die Sorge um unsere Freunde und Partner dort um. Es gibt jedoch auch erhebliche, energiepolitisch sogar dramatische wirtschaftliche Folgen für die M+E-Industrie in Hessen, die nach dem zweiten Rezessionsjahr gerade wieder in den Aufschwung durchstarten wollte“, sagte HESSEN­METALL-Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang. Dies hat eine aktuelle Umfrage ergeben, an der sich 119 der 650 Mitgliedsunternehmen mit über 37.000 Beschäftigten beteiligt haben.

Die Auswirkungen des Krieges gehen weit über die Unter­nehmen mit direkten Verbindungen in die beteiligten Länder hinaus. „Der bereits vor dem Krieg bestehende Materialmangel und die hohen Energiepreise werden sich weiter verschärfen. Zwei Drittel der M+E-Unter­nehmen in Hessen rechnen mit Kostensteigerungen im Einkauf und jeweils über ein Drittel mit Produktionseinschränkungen sowie Umsatz- und Gewinnrückgängen. Mehr als jeder fünfte Betrieb befürchtet spätestens bei Verlängerung oder Ausweitung des Konflikts, dass die eigene wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht.“ Gerade bei den besonders energieintensiven Branchen und Unter­nehmen innerhalb der M+E-Industrie wachsen die Kosten aktuell schneller als die Erlöse. „Die überwiegende Mehrheit der Unter­nehmen fordert von der Politik jetzt einen Abbau bei den Energiesteuern und -abgaben sowie Maßnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit im Energiebereich“, so Mang.

Die hessische Metall- und Elektro-Industrie hat sich immer noch nicht vollständig von den Folgen der Corona-Pandemie erholt. „Der Material- und Teilemangel hat uns im vergangenen Jahr trotz gut gefüllter Auftragsbücher erheblich ausgebremst, sodass die meisten Branchen noch nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht haben. Diese Entwicklung verschärft sich jetzt wieder. Denn jedes vierte Unter­nehmen bezieht Rohstoffe oder Vorprodukte aus den Kriegsländern, vor allem Metalle, Metallteile und Erdgas. Die Mehrheit dieser Unter­nehmen hat bereits jetzt mit Lieferschwierigkeiten oder Engpässen zu kämpfen. Ein Drittel davon gibt an, dass sie die aktuellen oder drohenden Ausfälle nur schwer oder überhaupt nicht kompensieren können. Die meisten Unter­nehmen sind deshalb auf der Suche nach alternativen Lieferanten. Bei manchen haben die Engpässe aber bereits jetzt Auswirkungen auf die Produktion und auf die Preise.“ Rund die Hälfte der Unter­nehmen hat außerdem Kunden in den am Krieg beteiligten Ländern. Im Schnitt rechnen die Unter­nehmen deshalb für dieses Jahr mit Umsatzausfällen in Höhe von rund 13 Prozent.

Die hessische M+E-Industrie stehe hinter der Entscheidung der Bundesregierung, die Versorgungssicherheit nicht durch einen kurzfristigen Lieferstopp zu gefährden, sagte Mang und formulierte die Erwartungen der größten Industrie in Hessen. „So sehr wir uns eine Unabhängigkeit von Russland angesichts dieses abscheulichen Angriffskrieges auf die Ukraine auch wünschen, ein Verzicht auf Erdgas, Öl und Kohle aus Russland ist kurzfristig nicht zu verantworten. Stattdessen muss die Energiepolitik ebenso auf den Prüfstand gestellt werden wie die Außen-. Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Kurzfristig müssen die Energiepreise deutlich sinken. Die Energiesteuer auf Benzin, Diesel, Erdgas und Heizöl soll befristet bis zum Jahresende halbiert werden. Außerdem sollen im nationalen Brennstoffemissionshandel die staatlichen CO2-Zertifikatspreise auf null gesenkt werden – vorübergehend bis Ende 2022. Und schließlich muss die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß knapp über Null gesenkt werden. Die Politik soll jetzt prüfen, den Betrieb von Kohle- und Kernkraftwerken länger als geplant zu erlauben. Mittel- bis langfristig muss das Energieangebot in Europa erhöht werden. Das erfordert einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien, der Stromnetze, der Wasserstoff-Pipelines, der Gasspeicher und der LNG-Terminals.“

Ergebnisse der HESSEN­METALL-Blitzumfrage

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Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse