Unternehmerstimmen Herbstbilanz

Herausgefordert durch Kostenwettbewerb, hohe Investitionen und Protektionismus

Frankfurt am Main. Zentrale Herausforderungen der überwiegend mittelständisch geprägten hessischen Metall und Elektrounternehmen sind Wettbewerbsfähigkeit bei Preis und Qualität, Sicherung der gewaltigen Investitionsspielräume für den Strukturwandel und die Aussteuerung der geopolitischen Unsicherheiten von Handelskriegen bis BREXIT. „Die hessischen Unternehmer brauchen viel Spielraum für zukunftssichernde Investitionen und können keine Kostensteigerungen brauchen. Das zeigten uns die regionalen Tarifrundengespräche und Pressekonferenzen anlässlich der Herbstbilanzumfrage“, fasste Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL, zusammen.

Investitionen sichern, um vielfältigen Strukturwandel zu bewältigen

„In Deutschland wird das Klimapaket eine deutliche Verschiebung weg vom reinen Ölkessel hin zu Hybridlösungen und dem stark wachsenden Segment der Wärmepumpen bringen. Steigende Arbeits- und Standortkosten können wir in solchen Zeiten nicht gebrauchen. Wir benötigen stattdessen mehr Flexibilität, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen“, so Oliver Barta, Leiter Personal der Bosch Thermotechnik GmbH, Wetzlar: „Bosch Thermotechnik steht derzeit vor einem großen Umbruch und muss sich für die Zukunft wappnen. Die aktuelle Geschäfts- und Auftragslage betrachten wir zunehmend mit Sorge. Der Druck auf unsere Unter­nehmen wächst stetig. Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Betrieben ermöglichen, sich zukunftsfähig aufzustellen. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen muss deutlich gemacht werden, dass es angesichts der derzeitigen Schwierigkeiten und Herausforderungen kein bloßes „Weiter so“ geben darf.

„Eine sehr große Herausforderung für uns ist die immer schnellere Veränderung der Produktionsprozesse. Wir investieren deshalb gezielt in die Digitalisierung und Modernisierung unseres Maschinenparks sowie in eine autarke Energieversorgung. Daneben ist die Weiterbildung unserer Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen und ein Schlüssel zur Optimierung der Wertschöpfungskette. Es wäre hilfreich, wenn der Tarif vereinfacht würde. Komplexität bindet Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend für Innovationen und Investitionen benötigt werden“, sagte Wolfram Kuhn, Geschäftsführer und Gesellschafter der Herborner Pumpentechnik GmbH & Co. „Daher muss auch die Politik investieren, vor allem in den Ausbau der digitalen Infrastruktur im Bereich Breitband und 5G und in eine praxisnahe und moderne berufliche Bildung.“

„Bei der derzeitigen konjunkturellen Entwicklung stehen wir vor der Herausforderung, im digitalen Wandel den Anschluss nicht zu verlieren“, sagte Achim Kopp, Geschäftsführer der KOPP Schleiftechnik GmbH und Vorstandsmitglied der Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen von HESSENMETALL. „Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es auch mit verhaltenen Investitionen möglich ist, digitale Prozesse im Unter­nehmen anzustoßen. Wichtig ist, unsere Fachkräfte auf diesem Weg mitzunehmen. Sie sind es schließlich, die die digitale Transformation begleiten.“

Aussteuerung der geopolitischen Unsicherheiten

"Neben der Konjunkturentwicklung und dem Strukturwandel macht uns in der südhessische M+E-Industrie auch die globale Großwetterlage zu schaffen. Die destruktive US-Handelspolitik sowie die ständige Gefahr eines ungeordneten Brexit sind 2019 für den globalen Abschwung verantwortlich. Wir benötigen ein geeintes Europa, das sich zum Freihandel und den liberalen Werten bekennt“, resümierte Claus Lau, Standortleiter der Bosch Rexroth AG, Erbach und Vorstandsvorsitzender von HESSENMETALL Südhessen.

„Der freie Handel mit unseren Produkten darf nicht weiter eingeschränkt, sondern muss wieder gestärkt werden. Nur so können wir auch weiterhin unsere Stärken auf den Weltmärkten ausspielen. Neue Zölle oder Grenzkontrollen, beispielsweise zwischen der EU und Großbritannien bei einem ungeregelten Brexit, wären eine Wachstumsbremse“, Oliver Rüspeler, Geschäftsführer der Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen GmbH, Gießen: „Hübner ist als Weltmarktführer im Bereich der Messtechnik für die Schwerindustrie und mit einem Exportanteil von 75 Prozent besonders von diesen Entwicklungen betroffen.“

Globale Wettbewerbsfähigkeit bei Preis und Qualität

Bettina Buschhoff, Geschäftsführerin Personal- und Sozialwesen und Arbeitsdirektorin Konzerngruppe D/A/CH bei Procter & Gamble Germany GmbH, Schwalbach am Taunus: „Procter & Gamble ist ein Freund des Flächentarifvertrages. Aber, die Metall+Elektro-Industrie in Deutschland ist aus Sicht eines internationalen Konzerns zu teuer. Man riskiert zukünftige Investitions- und auch Beschäftigungschancen, da Standorte in einem globalen Konzern im Wettbewerb stehen. Darauf müssen zukünftige Tarifabschlüsse Rücksicht nehmen. Zudem gilt es, insbesondere AUCH Komplexität zu vermeiden und den Tarif zu vereinfachen, denn auch dies bindet Kapazität, die an anderer Stelle dringend benötigt wird.“

„Die Politik muss die Wettbewerbsfähigkeit von energieintensiven Unter­nehmen sicherstellen, indem sie diese beispielsweise bei der EEG-Umlage steuerlich entlastet“, fordert Fritz Georg Rincker, geschäftsführender Gesellschafter der Rincker Glocken- und Kunstgießerei GmbH & Co., Sinn: „Steigende Energiepreise werden zunehmend zu einem Wettbewerbsnachteil für die Unter­nehmen der M+E-Industrie. Hier leiden insbesondere die Gießereien unter dem Kostendruck, der auf den internationalen Märkten nur selten weitergegeben werden kann. Grundsätzlich gilt: die Energiewende darf angesichts dieser Situation nicht weiter zu Lasten der Wirtschaft gehen und die Produktionskosten nach oben treiben.“

„Neben gezielten Investitionen in den Maschinenpark, mit und ohne Automatisierung, ist die Weiterbildung und Flexibilisierung der Mitarbeiter ein Hebel zur Optimierung. Bei ungebrochen hohen Qualitätsanforderungen existiert zeitgleich ein starker Preisdruck, dem steigende Arbeits- und Standortkosten in Deutschland gegenüberstehen. Effizienz und Optimierung der Wertschöpfungsprozesse müssen daher im Kern der Bemühungen stehen“, sagte Emil Bayer, Geschäftsführer GAT Gesellschaft für Antriebstechnik mbH, Geisenheim.

„Im konzernweiten internationalen Wettbewerb sind vertretbare Arbeitskosten, maximale Flexibilität und eine hohe Bereitschaft zur digitalen Weiterbildung unabdingbar“, erläutert Baldassare La Gaetana, Geschäftsführer der Aqseptence Group, Aarbergen.

Volker Roßmann, Geschäftsführer der Eltek Deutschland GmbH, Frankfurt: „Nach starken Auftrags- und Umsatzrückgängen seit Ende letzten Jahres mit deutlich zweistelligen Zahlen unter Vorjahr haben wir 20 Stellen nicht wieder besetzt und uns so auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Zuversichtlich stimmt mich aber, dass die Mitarbeiter eine hohe Bereitschaft zur Qualifizierung für die neuen IT-Strukturen mitbringen und sich fit machen wollen für die neuen wissenszentrierten Arbeitsplätze.“

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Dr. Ulrich Kirsch, Geschäftsführer Kommunikation und Presse,
Verband der Metall- und Elektro-Unter­nehmen Hessen e. V. (HESSENMETALL)
Telefon: 069 95808-150, Mobil: 0172 7120373, E-Mail: ukirsch@hessenmetall.de

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