Mittelhessische Metall-und Elektro-Arbeitgeber sprechen über kommende Tarifrunde

Zu einem ersten Vorgespräch und Erfahrungsaustausch trafen sich die heimischen Unternehmer.

Die hessischen Metall- und Elektro-Unter­nehmen stehen vor einer Tarifrunde, die im Frühjahr Fahrt aufnehmen wird. Nach zehn Jahren Hochkonjunktur herrschen in der heimischen M+E-Industrie nun rauere Zeiten. Gleichzeitig müssen die Unter­nehmen einen tiefgreifenden Strukturwandel bestreiten. Die Produktionszahlen sind gesunken und die Auftragseingänge sind rückläufig. Die M+E-Industrie befindet sich in der Rezession, die Stimmung ist im freien Fall und zwei Drittel erwarten, dass dieser konjunkturelle Einbruch über das Jahr 2020 hinaus reichen wird. Dies führte Prof. Dr. Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) in seinem Vortrag über die aktuelle ökonomische Lage aus.
 
„In den nächsten Monaten werden die Weichen für die Metall- und Elektro-Industrie neu gestellt“, sagte Oliver Barta, Leiter Personal bei der Bosch Thermotechnik GmbH. „Bei den anstehenden Tarifverhandlungen muss deutlich gemacht werden, dass es angesichts der derzeitigen Schwierigkeiten und Herausforderungen kein bloßes „Weiter so“ geben darf. Momentan stehen wir als Heizungshersteller mitten in einem großen Umbruch. In Deutschland wird das Klimapaket eine deutliche Verschiebung weg vom reinen Ölkessel hin zu Hybridlösungen und Wärmepumpen bringen. Gerade Wärmepumpen werden in den kommenden Jahren noch stärker als bislang in den Fokus unserer Produktion rücken. Steigende Arbeits- und Standortkosten können wir in solchen Zeiten nicht gebrauchen. Wir benötigen stattdessen mehr Flexibilität, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen.“

Mehr Flexibiliät und Spielraum für zukunftsweisende Investitionen wird benötigt

Wolfram Kuhn, Geschäftsführer und Gesellschafter der Herborner Pumpentechnik GmbH & Co KG, berichtete aus seinem Unter­nehmen: „Eine Herausforderung für uns ist die immer schnellere Veränderung der Produktionsprozesse. Wir investieren deshalb gezielt in die Digitalisierung und Modernisierung unseres Maschinenparks sowie in eine autarke Energieversorgung. Daneben ist die Weiterbildung unserer Mitarbeiter ein wichtiges Anliegen und ein Schlüssel zur Optimierung der Wertschöpfungskette. Es wäre hilfreich, wenn der Tarif vereinfacht würde. Komplexität bindet Kapazitäten, die an anderer Stelle dringend für Investitionen benötigt werden.“

Ähnlich äußerte sich Sascha Drechsel, Geschäftsführer von HESSENMETALL Mittelhessen: „Wir brauchen mehr Spielraum. 3,90 Euro – so viel Gewinn bleibt von 100 Euro nach Steuern unseren Mitgliedsunternehmen im Durchschnitt für Investitionen, Anteilseigner und Rücklagen. Gleichzeitig müssen sie mehr denn je investieren. Knapp 80 Prozent des Gewinns nach Steuern fließen inzwischen in neue Produktionsanlagen, Gebäude oder Patente. Umso dringender sind Entlastungen bei Steuern und Abgaben, Arbeits- und Energiekosten. Hier ist Deutschland eines der teuersten Länder im internationalen Vergleich.“

„Unsere Mitgliedsunternehmen sind herausgefordert zu einer immensen Innovations- und Investitionsleistung durch einen mehrfachen Strukturwandel: die digitale Transformation in allen M+E-Branchen, die gleichzeitige Vorhaltung von vier Antriebsarten in der Automobilindustrie und die zunehmende Verdienstleistung industrieller Produkte“, ergänzte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von HESSENMETALL. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen brauche es eine große Veränderungsbereitschaft bei allen Beteiligten.

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