Konjunktur und Ausblick in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie

Umsätze 2018 um 6 Prozent auf 66 Mrd. € gestiegen // Mang: „Unternehmen rechnen für 2019 mit deutlicher Verschlechterung und Stellenabbau.“

Frankfurt am Main. Die Umsätze der hessischen Metall- und Elektroindustrie haben 2018 mit 66 Milliarden Euro ein Allzeithoch erreicht. Das entspricht einem Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg auf knapp 220.000 Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt.

Mit dieser positiven Entwicklung dürfte es jedoch vorerst vorbei sein. Das ergab die Frühjahrsumfrage des Arbeitgeber¬verbands HESSENMETALL unter 142 seiner Mitgliedsunternehmen mit knapp 43.600 Beschäftigten. „Die Stimmung zum Jahresende 2018 war gut, aber unverkennbar eingetrübt – jetzt blicken die M+E-Unternehmen deutlich pessimistischer in die Zukunft und erwarten einen Stellenabbau“, so Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender von HESSENMETALL im Vorfeld der Spitzenveranstaltung HESSENFORUM.

Die M+E-Industrie steht aktuell vor gleich zwei großen Herausforderungen. Einerseits dem Strukturwandel der digitalen Transformation, der vier mobilen Antriebsalternativen und einer starken ‚Verdienstleistung‘ rund um die Industrieprodukte. Andererseits einem rezessionsgefährdeten Abkühlen der Konjunktur. Außerdem kämpfen die Unternehmen mit klaren Nachteilen im Standortwettbewerb: Die Arbeitskosten der deutschen M+E-Industrie liegen im Vergleich 75 Prozent über dem Mittelwert der europäischen Nachbarländer und wichtiger internationaler Konkurrenten wie USA China, Japan und Südkorea. Bei den Kosten für Industriestrom liegt Deutschland um rund ein Viertel höher. „Erste Maßnahmen zur Kostensenkung und zum Arbeitsplatz¬abbau sind bereits angekündigt – vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie. Angesichts der eng vernetzten Wertschöpfungsketten wird die Ausbreitung über die 9 M+E-Branchen nicht lange auf sich warten lassen. Unsere M+E-Unternehmen stehen vor einem schwierigen Jahr 2019: Anlass zur Sorge und mehr noch zur gründlichen Vorbereitung“, fasste Mang die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage zusammen.

Allgemeine Geschäftslage zeigt gedämpfte Stimmung

Nur 42 Prozent der befragten M+E-Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut. Im Herbst waren es noch 62 Prozent. Fast die Hälfte schätzt ihre Geschäftslage im Frühjahr als befriedigend ein. Beim Ausblick für 2019 rechnet der Großteil nicht mit einer Veränderung, 19 Prozent gehen jedoch von einer Verschlechterung aus.



Geringe Erwartungen bei den Umsätzen

Ausschlaggebend für die guten Umsätze in 2018 war das Geschäft mit Auslandskunden, welches um mehr als 9 Prozent zulegte. Im Inland wuchsen die Umsätze nur um etwas mehr als 2 Prozent. Die Exportquote lag bei 59,5 Prozent.

Im Frühjahr 2019 schätzen 40 Prozent der M+E-Unternehmen ihre Umsatzlage als gut ein, 14 Prozent als schlecht. Im Herbst hatten noch 56 Prozent von einer guten Umsatzlage gesprochen. Für das restliche Jahr prognostizieren zwar 14 Prozent steigende Umsätze, ein Viertel geht jedoch von fallenden Umsätzen aus.

Verhaltene Auftragssituation

In der Frühjahrsumfrage gab die Mehrheit der Unternehmen ihre Auftragsbestände als ausreichend an. Zwar verfügen 28 Prozent über verhältnismäßig große Auftragsbestände, fast genauso viele Unternehmen bezeichnen diese jedoch als zu gering.

Investitionen weiter auf hohem Niveau

85 Prozent der M+E-Unternehmen bezeichnen ihre Investitionen in der Frühjahrs-umfrage als ausreichend oder verhältnismäßig hoch. Fast genauso viele Unternehmen rechnen mit gleichbleibenden oder sogar steigenden Investitionen im Jahresverlauf. Infolge des Strukturwandels investieren sie vor allem in wesentliche Elemente zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit: in Ersatz durch intelligentere Maschinen, in Rationalisierung, neue Produkte und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Der Auslandsanteil der Investitionen ist von 14 Prozent im Herbst auf nur noch 9 Prozent im Frühjahr 2019 zurückgegangen. Der große Schwerpunkt liegt dabei im Euroraum, mit deutlichem Abstand vor Asien.

Stellenabbau zu erwarten

Im Jahr 2018 wuchs die Zahl der Beschäftigten in der hessischen M+E-Industrie um 4.400 (2 Prozent) auf knapp 220.000. Mit diesen zehnjährigen kontinuierlichen Beschäftigungszuwachs um 24.000 Arbeitsplätze seit dem niedrigsten Wert im Mai 2010 dürfte jedoch vorerst Schluss sein.

Für 2019 rechnen die befragten M+E-Unternehmen mit einem Rückgang der Stammbelegschaften um knapp 1 Prozent – vor allem in der Produktion.

Beim Frühindikator der Zeitarbeitnehmer ist sogar ein Rückgang von mehr als 26 Prozent zu erwarten.

Mehr Informationen:

Die ausführlichen Zahlen zur Konjunkturentwicklung in der M+E-Industrie finden Sie auf unserer Website unter: www.hessenmetall.de/konjunktur  

Morgen findet unser 30. HESSENFORUM mit dem Thema „Die Zukunft der Produktion in Europa – digitale Fabriken auf dem Vormarsch?“ statt: am Donnerstag, dem 16. Mai 2018, 17:00 Uhr, in die Klassikstadt, Orber Straße 4A, 60386 Frankfurt. Zur organisatorischen Vorbereitung melden Sie sich bitte an unter https://www.hessenmetall.de

Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!

Zurück zur Übersicht
Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse