HESSEN­METALL zur wirtschaftlichen Lage im Frühjahr und zur Tarifrunde 2022

Mang: „Die Lage in der hessischen M+E-Industrie war bis April noch gut. Aber die Erwartungen sind schlecht.“ // Verhandlungsführer Barta: „Tarifpartner sind durch eine äußerst schwierige Situation gemeinsam herausgefordert.“

Frankfurt am Main. Die Stimmung in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) zeigt sich im Frühjahr zwar positiv, aber voller Sorge über die Zukunft. Dies geht aus der diesjährigen Frühjahrsumfrage von HESSEN­METALL hervor, an der sich 110 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Jedes zweite Unter­nehmen beurteilte bis Mitte April die wirtschaftliche Lage immer noch als ‚gut‘. „Aber die Sorgen sind groß und nehmen weiter zu. Denn die Auftragsbücher sind voll wie lange nicht, aber den meisten Unter­nehmen fehlen immer noch Teile und Materialien wie Halbleiter, Stahl oder Kunststoffe. Deshalb können die vielen Aufträge wenn überhaupt nur langsam abgearbeitet werden und stauen sich in den Büchern. Gleichzeitig steigen die Kosten auch für Energie immer weiter“, kommentierte HESSEN­METALL-Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang die Ergebnisse.

Mang ergänzte, dass die Unter­nehmen trotz der erheblichen Lieferprobleme und hohen Energiepreise qualifizierte Mitarbeiter benötigten, vor allem um Auftragsspitzen abarbeiten zu können. “Fast jedes zweite Unter­nehmen gibt an, die Zahl seiner Beschäftigten in den kommenden sechs Monaten erhöhen zu wollen. Wegen des schwierigen Umfelds und der nicht kalkulierbaren Risiken werden jedoch vor allem Zeitarbeitnehmer benötigt. Umgekehrt plant immer noch jedes sechste Unter­nehmen, Beschäftigung abzubauen.“

Der Vorstandsvorsitzende erläuterte, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine die Erholung der M+E-Industrie zum Jahresanfang gestoppt habe. Die Corona-Lockdowns in China und Staus in den asiatischen Häfen verschärften die Situation weiter. „Neben Teilen und Materialien, die entweder gar nicht oder nur zu deutlich gestiegenen Preisen verfügbar sind, machen den Unter­nehmen vor allem die schon jetzt stark gestiegenen Energiepreise große Sorgen. Denn die Preise für Strom und Erdgas sind in den vergangenen Wochen für die Industrie sogar deutlich stärker gestiegen als für die privaten Verbraucher. Für die nächsten Monate rechnen die Unter­nehmen mit nochmaligen Kostenexplosionen und anhaltenden Lieferengpässen.“

Für das kommende Halbjahr seien die Unter­nehmen deshalb auch pessimistisch. „Jedes vierte Unter­nehmen rechnet in den kommenden sechs Monaten mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. In der Metallindustrie, die für ihre Produktion in großem Maße auf Erdgas angewiesen ist, erwarten sogar 9 von 10 Unter­nehmen eine Verschlechterung. Im Maschinen- und im Fahrzeugbau sind die Zukunftsaussichten ähnlich schlecht.“

HESSEN­METALL-Verhandlungsführer Oliver Barta sagte mit Blick auf die kommende Tarifrunde im Herbst: „Beschäftigte und Arbeitgeber sind von der extremen Teuerung gleichermaßen betroffen: Die derzeit hohe Inflation der Verbraucherpreise ist zur Hälfte direkt auf die gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Auch andere Güter sind teurer geworden, weil für deren Herstellung teure Energie benötigt wird. Unter den hohen Energiepreisen leidet aber ebenso die Industrie, für die die Energiepreise zum Teil noch stärker gestiegen sind. Und viele Unter­nehmen können die Teuerung nicht an ihre Kunden weiterreichen. Hinzu kommt, dass eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau 2018 auf absehbare Zeit nicht in Sicht ist. Stattdessen ist das Risiko eines noch stärkeren Wirtschaftseinbruchs insbesondere bei einem russischen Gas-Stopp groß. Die aktuell hohe Inflation beruht zu einem weiten Teil auf Sondereffekten wie der Verknappung von Teilen und Materialien aufgrund pandemiebedingter Störungen der Lieferketten, der extremen Verteuerung der Energie durch die Verfolgung der gesellschaftspolitisch gewünschten Ziele zum Klimawandel und den Ukraine-Krieg Russlands. Dieses Problem lässt sich daher mit den Mitteln der Tarifpolitik nicht lösen. Dies sind die Vorzeichen, unter denen wir in der kommenden Tarifrunde erneut eine gemeinsame Lösung in weiterhin äußerst schwierigen Zeiten finden müssen.“

HESSEN­METALL ist der Arbeitgeberverband der größten Industrie in Hessen und vertritt die Interessen von über 650 Mitgliedsunternehmen aus der Metall-, Elektro- und IT-Industrie mit rund 130.000 Beschäftigten. Die Mitglied­schaft steht Unter­nehmen sowohl mit als auch ohne Tarifbindung offen. HESSEN­METALL ist für Arbeitgeber eine Serviceorganisation und die Netzwerk-Plattform für Arbeit 4.0. Dienstleistungsschwerpunkte sind Arbeitsrecht, Arbeitsbezie­hungen, Tarifpolitik, Fachkräftesicherung, Kommunikation, Digitale Transformation, Nachhaltigkeitsmanagement sowie Technologietransfer. Als Netzwerk bietet der Arbeitgeberverband Entscheidern und Experten die Plattform für den Erfahrungsaustausch für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Mit Hochschulkooperationen wird die Kompetenz und Innovationskraft der Mitgliedsunternehmen auch bei neuen Schlüsseltechnologien gesteigert. HESSEN­METALL ist mit seiner Landesgeschäftsstelle und fünf Bezirksgruppen flächendeckend vor Ort und sichert über die Dachverbände Gesamtmetall, BDA und BDI die bundesweite Interessenvertretung der hessischen Metall-, Elektro- und IT-Industrie.

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