Hessenmetall zum Tarifpaket der IG Metall Mitte

Barta: "Die wirtschaftliche Lage über die gesamte Bandbreite der M+E-Industrie ist schlecht. Es gibt nichts zu verteilen."

Frankfurt am Main. "Die wirtschaftliche Lage über die gesamte Bandbreite der M+E-Industrie ist schlecht. Die Produktion liegt in den ersten neun Monaten bei insgesamt minus 17,8% - auch wenn es in der Medizintechnik, der IT- und Thermotechnik Geschäftszuwächse gebe.

Die Erholung wird dauern. Das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2018 wird frühestens 2022 wieder erreicht werden, bei vielen vielleicht erst bis Mitte des Jahrzehnts. Beschäftigungs­sicherung hat für uns hohe Priorität, aber nur der wirtschaftliche Erfolg sichert Arbeitsplätze auf Dauer. Daher müssen wir im Strukturwandel künftige Wettbewerbsfähigkeit auf- und ausbauen. Es gibt keinen Verteilungsspielraum für Lohnsteigerungen, selbst eine Nullrunde wäre schon ein Kompromiss", kommentierte Oliver Barta, Vice President Human Resources der Bosch Thermotechnik GmbH in Wetzlar und Verhandlungsführer von HESSEN­METALL, das heute vorgestellte „Tarifpaket“ der IG Metall Mitte.

Die aktuelle Lage sei gekennzeichnet von einer negativen Inflationsentwicklung sowie einem deutlichen Rückgang der Produktivität von minus 8,1% im Zeitraum Januar bis August 2020 in der M+E-Industrie. „Damit sind keine Lohnerhöhungen zu rechtfertigen. Minus mal minus ergibt hier leider kein Plus“, so Barta weiter. Auch der Blick in die Zukunft sei eingetrübt. „Das Anziehen der wirtschaftlichen Lage in einzelnen Unter­nehmen im dritten Quartal sei zwar erfreulich, dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass dieser Zuwachs auf dem starken Einbruch im zweiten Quartal aufbaue, und dass es erst etwas zu verteilen gibt, wenn der Einbruch überwunden und wenigstens das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist. Auch sei zu befürchten, dass es durch die deutlich steigenden Corona-Zahlen in den kommenden Wintermonaten zu weiteren Rückschlägen in der Produktion kommen wird. Zudem sei die Auftragsentwicklung alles andere als beruhigend: Schon vor Corona hätten die Unter­nehmen weniger neue Aufträge als noch 2019 gehabt, seit Beginn der Pandemie liege der Auftragseingang in der hessischen Metall- und Elektroindustrie in jedem Monat mindestens 10% unter dem Vorjahresmonat.

„In diesen unsicheren Zeiten die Unter­nehmen aber flächendeckend mit weiteren Kostensteigerungen durch nicht gerechtfertigte Lohnerhöhungen oder Teillohnausgleiche bei einer 4-Tage-Woche zu belasten, wird dem Charakter des Flächentarifs als Ort zur Regelung von Mindestarbeitsbedingungen nicht gerecht und erhöht nur den Druck auf die deutschen Standorte und gefährdet die Arbeitsplätze in unserer Industrie. Es bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Wochen mehr Realitätsbewusstsein einkehrt“, so Barta abschließend.

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Dr. Ulrich Kirsch
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