Heimische Metall- und Elektroindustrie muss elementare Umbrüche bewältigen

Corona-Pandemie, Mobilitätswende und Digitalisierung sind große Herausforderungen

Auch über ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Auswirkungen auf die Metall- und Elektroindustrie in der Region nach wie vor sehr groß. Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung von HESSEN­METALL Rhein-Main-Taunus ist dies besonders deutlich geworden.

„Momentan steckt unsere Branche in einer schwierigen Situation. Etlichen Betrieben der Luftfahrt- und Automobilindustrie in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main geht es schlecht. Die Unter­nehmen befinden sich seit Monaten in Kurzarbeit und leiden unter heftigen Auftragseinbrüchen. Andere Industriezweige spüren die Auswirkungen der Pandemie hingegen deutlich weniger“, fasste Rainer Welzel, der Vorsitzende von HESSEN­METALL Rhein-Main-Taunus und Personalleiter der SIEMENS AG, die Lage zusammen. Der Start der Impfungen sei für alle Betriebe ein Zeichen der Hoffnung. „Daher gilt es jetzt unbedingt das Impftempo weiter zu beschleunigen, indem man auch die Betriebsärzte stärker miteinbindet. So können noch mehr Menschen schneller erreicht und geimpft werden“, erklärte Welzel.



Neben der Corona-Pandemie stellt auch der Strukturwandel die Metall- und Elektrounternehmen vor große Herausforderungen. „Vor allem die digitale Transformation muss in der M+E-Industrie noch weiter als bisher vorangetrieben werden. Neben der notwendigen Hard- und Software ist insbesondere die fortlaufende Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schlüssel für eine erfolgreiche Digitalisierung. Dabei spielt die lebenslange Lernbegeisterung eine wichtige Rolle“, so Welzel. Die Beschäftigten müssten sich Kenntnisse aneignen, die für die Arbeitswelt von morgen relevant seien.

Poltik muss geeigneten Handlungsrahmen schaffen und Arbeitgeber entlasten

„Außerdem stehen wir vor der riesigen Aufgabe, die Energie- und Mobilitätswende zu bewältigen. Die Dekarbonisierung ist ein gigantisches Vorhaben, das mit vielen Unwägbarkeiten verbunden ist“, sagte der Vorsitzende. Unentbehrlich sei bei der Mobilitätswende eine Technologieoffenheit. „Der marktwirtschaftliche Wettbewerb soll über die Antriebstechnologien der Zukunft entscheiden und nicht die Politik, die einzelne Kraftstoffe und Antriebsformen bevorzugt und durch Subventionen privilegiert“, forderte Welzel. Die Politik müsse stattdessen die Metall- und Elektro-Industrie bei all diesen elementaren Umbrüchen unterstützen und einen geeigneten Handlungsrahmen für den Strukturwandel schaffen.

„Nötig sind vor allem Investitionen in die digitale Infrastruktur, denn vielerorts gibt es immer noch eine zu geringe Internetbandbreite. Angesichts der pandemiebedingten Zunahme von mobile work muss sich das dringend ändern. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass das Festhalten an starren Arbeitszeiten nicht mehr zeitgemäß ist“, sagte Friedrich Avenarius, der Geschäftsführer von HESSEN­METALL Rhein-Main-Taunus. Die Politik solle nun die richtigen Rückschlüsse ziehen und das Arbeitszeitgesetz flexibler gestalten, um dem neuen Normal gerecht zu werden. Auch ein Abbau an Bürokratie sei erforderlich und würde die Arbeitgeber entlasten. „Gerade in schwierigem Fahrwasser können wir nicht immer mehr Regulierungen gebrauchen“, meinte der Geschäftsführer.

Mit Blick auf die kürzlich abgeschlossene Tarifrunde, resümierte Avenarius: „Nach langem Ringen haben die Tarifvertragsparteien letztlich akzeptable Lösungen gefunden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in einer schwierigen und von viel Unsicherheit geprägten Situation ein angemessener Abschluss gelungen ist. Der so häufig gescholtene Flächentarifvertrag hat diese Bewährungsprobe bestanden.“

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Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse