Frühjahrsumfrage zur Zukunft der Mobilität in der M+E-Industrie

Mang: „Hessische M+E-Industrie durch neue Mobilitätstrends und vier parallele Antriebskonzepte herausgefordert.“

Frankfurt am Main/Offenbach. Neue Mobilitätstrends und vier parallel laufende Antriebskonzepte fordern die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie heraus.

 Gefragt sind Strategien für die umweltfreundliche Weiterentwicklung der Benzin- und Dieselmotoren, die Entwicklung neuer Komponenten für Elektromobile und zum Umbau von Strukturen und Arbeitsbedingungen: “Unsere hessischen M+E-Unternehmen sind gut auf diesen Wandel und die Mobilität der Zukunft vorbereitet“, fasste Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage zusammen, die er auf dem 29. HESSENFORUM von HESSENMETALL in Offenbach vorstellte. Dabei zeigten die abgefragten Einschätzungen zur mobilen Zukunft deutliche Fortschritte bei der Bewältigung dieser neuen Herausforderungen. An der Erhebung des Arbeitgeberverbands hatten sich 125 Mitgliedsunternehmen mit über 40.000 Beschäftigten beteiligt. 35 Prozent davon rechnen sich den Branchen Automobilhersteller und Zulieferer zu.

Für Mang geht es im Auto-und Mobilitätsmarkt um „evolutionäre Weiterentwicklungen und Optimierungen an den Märkten und nicht um Disruption wie bei der digitalen Transformation. Die Internationalisierung wird sich beschleunigen. Wir werden eine Vielzahl an Antriebskonzepten sehen, die parallel existierenden. Und das Mobilitätsbedürfnis wird zu Kombinationen von Individualverkehr und ÖPNV führen. Technologieoffenheit und strategische Szenarios sind das Gebot der Stunde“, so der Arbeitgeberpräsident. Alle Technologien seien im Grunde schon seit langem vorhanden, angefangen beim Elektro-Auto: 1881 stellte es Gustav Trouvé auf der Elektrizitätsausstellung in Paris vor.

Mehr vernetzte, gemietete und selbstfahrende Autos

Die Teilnehmer der HESSENMETALL-Frühjahrsumfrage sehen vor allem vier Mobilitätstrends. In der Reihenfolge ihrer stärksten Ausprägungen sind das: mehr vernetzte, mehr gemietete, mehr selbstfahrende Fahrzeuge und eine stärkere Kombination aus ÖPNV und Individualverkehr. Der Individualverkehr wird auch in Zukunft seine Bedeutung behalten, seine Ausprägung wird sich allerdings verändern. Die Hälfte der Teilnehmer glaubt, dass sich die Grenzen zum öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) lockern werden. Vier Fünftel sehen das schon in den nächsten 10 Jahren.

Mit einem gewichteten Schwerpunkt von 66 – die Mitte zwischen unwahrscheinlich und sehr wahrscheinlich liegt bei 55 - hält die der Mehrzahl der beteiligten hessischen M+E-Unternehmen den Trend zu vernetzten Fahrzeugen für wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich. Gut 70 Prozent rechnen damit, dass dieser Trend bereits innerhalb der nächsten Dekade Wirklichkeit wird.

Der Trend weg vom gekauften Fahrzeug wird sich weiter verstärken, mit wachsenden Anteilen für Leasing und Car-Sharing (gewichteter Schwerpunkt: 58). Das erwarten sogar 83 Prozent schon in den nächsten 10 Jahren.

Der Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge wird von den M+E-Unternehmen zwar grundsätzlich für wahrscheinlich gehalten (gewichteter Schwerpunkt 54), allerdings weniger deutlich als bei den vernetzten Fahrzeugen – und auch erst über einen längeren Zeitraum von 20 Jahren.

Vier Antriebskonzepte für unterschiedliche Märkte

Bei der wachsenden Vielfalt der Antriebe – Benziner, Dieselmotoren, batterie- oder brennstoffzellen-betriebene Elektromobile – ist den Teilnehmern klar, dass alle vier Konzepte die nächsten 30 Jahre parallel laufen. Diese Antriebe werden je nach Zweck und Regionen der Welt beziehungsweise in städtischen oder ländlichen Bereichen ihren Markt finden.

Die befragten Unternehmen räumen dem Elektromotor – neben dem Benzinmotor – künftig die größte Durchsetzungswahrscheinlichkeit ein, unterscheiden aber zeitlich zwischen den beiden Versionen der E-Mobilität: für batteriebetriebene Fahrzeuge erwarten sie schon in den nächsten 10 Jahren Zuwächse und schätzen die Chancen der brennstoffzellen-betriebenen Fahrzeuge eher mittelfristig ein.

Mit einem Zeithorizont von bis zu 20 Jahren ist der Benzinmotor im Urteil der beteiligten M+E-Unternehmen das Konzept mit der höchsten Chancen-Wahrscheinlichkeit unter den beiden Verbrennungsmotoren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Antriebskonzept Diesel langfristig durchsetzt, wird deutlich geringer eingeschätzt. Für die nächsten 10 Jahre werden ihm noch größere Absatzchancen eingeräumt. Der Diesel wird aber längerfristig eher verhalten beurteilt. Die aktuell auch im politischen Raum geführte Dieseldiskussion verunsichert und hinterlässt ihre Spuren. Allerding erfolgte die Befragung noch vor den jüngsten Veröffentlichungen z. B. von Bosch zu künftig erstaunlich niedrigen Stickoxid-Emissionswerten. Impulse zur Lösung der Diesel-Krise erwarten die befragten hessischen M+E-Unternehmen gleichermaßen von den Herstellern und der Bundespolitik.

Auswirkungen auf das eigene Unternehmen:

Bei den Veränderungen hin zu umfassenden Mobilitäts-Dienstleistern erwarten die Unternehmen eine Konzentration der Systemlieferanten und rechnen mit neuen strategischen Mobilitäts-Allianzen. Ihre deutlichsten Fortschritte sehen die hessischen M+E-Unternehmen bei der technologischen Bewältigung, gefolgt von der arbeitsorganisatorischen Umsetzung. Bei der Plattformanbindung sind allerdings noch weitere Anstrengungen notwendig. Grundsätzlich siedeln sich die meisten M+E-Unternehmen bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen im Mittelfeld an, haben also die Hälfte der Strecke schon geschafft.

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Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse