Fragen zu Corona in der Produktion bei M+E Unter­nehmen

Presseanfrage von Falk Heunemann, FAZ Redakteur an HESSENMETALL-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert

FAZ/Falk Heunemann: Wie sieht denn Hessenmetall die Unter­nehmen in der Produktion gerüstet für die Coronavorsorge?

Dirk Pollert: Alle Produktionsunternehmen haben Notfallpläne in der Schublade bzw. bereits in der Anwendung. Und sie haben diese an die Vorsorgeentscheidungen und -empfehlungen der Politik in Bund und Land angepasst.

Im Fokus stehen für die Unter­nehmen die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern sowie die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs zur Einhaltung der Lieferversprechen und Geschäftsbeziehungen. Auch letzteres dient natürlich den Beschäftigten.

Unsere M+E-Unter­nehmen und ihre Beschäftigten tun viel: Sie befolgen Pandemiepläne, erlauben mobiles Arbeiten, wo es möglich ist. Kollegen arbeiten mehr, wenn andere zu Hause bleiben müssen. Zudem wird der gesamte personalwirtschaftliche Instrumentenkoffer genutzt, indem z. B. Guthaben auf Arbeitszeitkonten abgebaut werden.

Wird da Arbeitszeit/Personal reduziert (an der Werkbank, nicht in Verwaltung)?

In unseren M+E-Unter­nehmen werden nun alle Möglichkeiten einer betrieblichen Arbeitszeitflexibilisierung genutzt. Zudem wird zunehmend kurz gearbeitet, um nach Möglichkeit betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

Hat der Verband dazu Empfehlungen, etwa wie man Distanz hält?

Diese allgemeinen Verhaltensrichtlinien und insbesondere die Hygieneregeln haben unsere M+E-Unter­nehmen längst aus den bereitgestellten Informationen des Bundesgesundheitsministeriums, des Robert-Koch-Instituts und der Charité entnommen und eingeführt.

Sehr früh haben wir unseren Mitgliedsunternehmen einen Leitfaden Pandemie, fortlaufend fortzuschreibende FAQs oder Muster-Betriebsvereinbarungen zur Verfügung gestellt.

Seit heute versuchen wir zudem gemeinschaftlich, in unserem Netzwerk von über 625 Mitgliedsunternehmen mögliche Ersatzlieferanten kurzfristig zu finden, wenn Corona-bedingt die Zulieferung von für die Produktion relevanten Teilen z. B. aus China, Italien oder Frankreich zeitnah bzw. abrupt ausbleibt.

Wie schätzt der Verband die Lage ein?

Die Folgen des Corona-Virus sind in der Breite der hessischen M+E-Industrie angekommen. Wir haben einen sich täglich verschärfenden Angebots- und Nachfrageschock, der erhebliche Herausforderungen an die Produktionssteuerung und Umsatzeinbußen nach sich ziehen wird.

Und gibt es Forderungen über Kurzarbeitergeld und Landesbürgschaften hinaus, die schnellstens erfüllt werden müssten?

Neben den erleichterten und verbesserten Regelungen der Kurzarbeit ist jegliche Form der Verbesserung von Liquiditätshilfen für viele unserer weltweit tätigen Unter­nehmen – und zwar unabhängig von ihrer Größe - wichtig. Bedingt durch die Szenarien von sich verschärfenden Nachfrage- und Angebots-Schocks wird es zu erheblichen Umsatzeinbußen kommen. Daher müssen der Zugang, das Volumen, die Bearbeitungsgeschwindigkeit durch vereinfachte Verfahren sowie die Voraussetzungen für Corona-bedingte Bürgschafts- und Kreditprogramme erleichtert und verbessert werden. Dabei sollte unterstellt werden, dass eine in diesen Tagen abrupte Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage eines Unter­nehmens auf die starke weltweite Verbreitung des Corona-Virus zurückzuführen ist. Zudem soll ja die zinslose Stundung von Steuerschulden oder ein Verschieben von Steuervorauszahlungen zeitnah in Kraft treten.

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Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse