Digitale Talente oder Talente mit Digitalkompetenz?

Eintracht Frankfurt und seine Partner auf dem Podium bei der gemeinsamen Soirée digitale am 26. August

Frankfurt/Main. „Wer kreativ ist lernt das digitale Handwerk, ein spezielles digitales Talent braucht es nicht. Wohl aber ändert die digitale Transformation auch die Blickwinkel, Erkenntnis- und Verhaltensweisen sowie die Erwartungshaltungen – und damit auch die Arbeitsbeziehungen in den Unternehmen“, waren sich Eintracht Frankfurt und seine Partner indeed, Deutsche Familienversicherung, Kaspersky und HESSENMETALL auf dem Podium einig bei der gemeinsam ausgerichteten Soirée digitale am 26.08.19.

Die knapp 100 Teilnehmer konnten jede Menge Einsichten mitnehmen. Z. B. dass den Bewertungsportalen hohe Aufmerksamkeit zu schenken ist. Dass der Mittelstand in den Jobs mehr Gestaltungsspielräume bietet. Und dass Flexibilität keine Einbahnstraße vom Arbeitgeber in Richtung Arbeitnehmer sein kann.

Alle Partner verbindet die offensive Herangehensweise an die digitale Transformation, macht Vorstandsreferent der Eintracht Frankfurt AG, Timm Jäger deutlich – und malte die Vision des amtierenden Deutschen Social Media Meisters auf dem Weg zum digitalsten Fußballclub Deutschlands aus. Ein Weg, auf dem schon manche Meilensteine erreicht sind – wie z. B. das eigene Startup Programm, ein Trainee Programm für High-Potentials aus dem Technologiebereich sowie Kooperationen mit lokalen Universitäten und Hochschulen.

Eindrücke der Veranstaltung:

Auf Bewertungen in Arbeitgeberportalen achten!

„Talente treiben die Digitalisierung. Die Kunst ist, sie zu finden und an sich zu binden, wenn man nicht zu den Top 5 der beliebtesten Arbeitgebern wie Google, Apple, Amazon, Microsoft und Mercedes gehört“, erklärte Daniel Wahlen, Senior Manager Employer Insights von Indeed Deutschland GmbH, Düsseldorf. Zwei Empfehlungen gab er den Teilnehmern, überwiegend erfolgreichen Mittelständlern, aber auch einigen Startups aus dem Erfahrungsschatz der größten Jobwebseite der Welt mit auf den Weg.

Zum einen: Die erfolgreichsten Unternehmen setzen auf eine ausgewogene Balance ihrer Teams aus Babyboomern, Generation X und die Millennials der Generation Y und Z. Da die Jüngeren inzwischen ihre Erwartungen – vor allem nach Flexibilität und Sinn – bei den Arbeitgebern immer stärker durchsetzen können, müssen ihre Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden. Zum anderen: Bewertungen sind Trumpf. Ausnahmslos jede Bewerberin und jeder Bewerber besucht vorab die Bewertungsportale der Arbeitgeber und rastert danach seine Such-Präferenzen. Dort für eine ordentliche Bewertung zu sorgen entscheidet also mit, ob man in die engere Wahl kommt. Darauf können und sollten sich auch die KMUs einstellen.

Der Mittelstand bietet mehr Gestaltungsspielräume

„Wir sind ja nicht plötzlich völlig andere Menschen geworden, bloß weil uns eine Digitalisierung ins Haus steht“, setzte Dr. Stefan M. Knoll, Offizier, Buchautor über Führung, mehrfacher Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung AG, einen anderen Impuls. Digitalisierung ist für ihn lediglich ein Instrument der Beschleunigung und Interaktivität, die es der Familienversicherung ermöglicht, mit deutlich kürzere Reaktionszeiten und einer vollständigen Online-Direktansprache die große Konkurrenz Allianz & Co. erfolgreich angreifen zu können.

Bei der Talentsuche kommt es ihm darauf an herauszufinden, ob ein Bewerber nur im engeren Sinn dem Suchprofil entspricht, oder ob heimliche Führungstalente oder Spezialbegabungen in ihm schlummern. Dabei geht er durchaus ungewöhnliche Wege, indem er Bewerbungsgespräche gerne in die Wohnungen der Bewerber verlegt, um einen ganzheitlichen Blick zu bekommen.

Von Frauen wünscht er sich vor allem, dass sie mutiger zu ihren Kompetenzen stehen und auf die Frage, ob sie sich den Job zutrauen mit einem uneingeschränkten Ja antworten. Männer täten es fast immer, auch wenn es eben nicht immer zuträfe. Für alle Talente bietet gerade der Mittelstand viel mehr Freiräume und Gestaltungs¬spielräume wie die Konzerne mit ihrer hohen Arbeitsteilung. Denn man ist viel näher an den Entscheidungen, den Umsetzungen und erlebter eigener Wirksamkeit.

Flexibilität ist eine Zweibahnstraße – für Talente und Unternehmen

„Mehrgleisigkeit, um das Nebeneinander von verschiedenen Organisationswelten auszuhalten, ist die Hauptanforderung sowohl an Organisationen als auch an Talente. Das muss sich auch in der Unternehmenskultur niederschlagen. Nicht nur, um für die neue Generation attraktiv zu sein, sondern um den Strukturwandel zu bewältigen. Denn es gilt die erfolgreiche effiziente Produktionsorganisation mit ihrer Hierarchie, Kontrolle und Zeitvorgaben mit der kreativen Netzwerkorganisation und ihren schnelle Veränderungen der Ziele, schneller Anpassung, hohen Fähigkeit zur Vernetzung, guten Mischung aus vertieftem Wissen und Erfahrungsbreite zusammen zu führen“, analysierte Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender von HESSENMETALL.

Der hessische Unternehmerpräsident führt zwei Familienunternehmen in 5. Generation, die Kunststoff verarbeitende OECHSLER AG und zusammen mit seiner Frau Simone Weinmann-Mang die ARNO ARNOLD GmbH. Er erläuterte die Digitalisierung an den Smart Factories, die Oechsler gebaut hat, um die Schuhproduktion im automatisierten 3-D-Druckverfahren in die Hochlohnländer Deutschland und USA zurück zu holen. „Dadurch muss z. B. ein Maschinenbauer sich nicht nur zum Fabrikbetreiber für einen OEM, sondern auch als Schuhproduzent weiter spezialisieren.

Unsere M+E-Industrie, die sowohl Treiber als auch Getriebene der digitalen Transformation ist, braucht deshalb integrierende und neugierige Teamplayer mit Überblickswissen, mit denen wir – in den anstehenden Veränderungsprozessen - Wissen aus mehreren Welten verbinden können – die technische und ingenieurwissenschaftliche Welt mit der virtuellen IT-Welt. Der Nur-Fachmann, die Nur-Fachfrau stirbt aus.“ Auf die Sinnfrage der jüngeren Generationen ist Industrie 4.0 die Antwort. Denn sie macht aus Massenindustrie personalisierte Produktion – wie beim auf die Laufbedürfnisse und das Laufverhalten zugeschnittenen Sportschuh. Sie verbraucht durch parallele virtuelle Simulation mit digitalen Zwillingen weniger Material und Energie und erzeugt weniger Müll. Sie wird also insgesamt nachhaltiger.

Dabei erfordert die umfassende Flexibilisierung der Arbeitswelt bei Zeit, Geld und Spirit eine Zweibahnstraße bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen. Auf dem Weg vom ortsgebundenen Unternehmen zur mobilen Netzwerkorganisation wird sich auch die Rolle der Chefs hin zum Coach wandeln und einem Führungsstil mit Vision, Vertrauenskultur, agilen Methoden. „Also für die hessischen M+E-Unternehmen und unsere 611 Mitgliedsunternehmen bei HESSENMETALL können wir sagen, dass die neue Generation bei uns das findet, was sie sucht. Umgekehrt haben wir aber auch hohe Erwartungen an sie“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kinder, die für den 6. Generationenwechsel bereit stehen.

Mit Empfehlungen der Mitarbeiter bei Talentsuche erfolgreich

Das internationale Cybersicherheitsunternehmen Kaspersky mit mehr als 4.000 Beschäftigten und knapp 700 Mio. € Jahresumsatz, seiner registrierten Holding in Großbritannien und seinem D-A-CH-Headquarter in Ingolstadt braucht nicht nur IT-, sondern auch viele Vertriebstalente. Gefunden werden diese häufig durch die Weiterempfehlung der eigenen Mitarbeiter, erklärte Anne Mickler, Leiterin Unternehmenskommunikation. Aber das reicht natürlich nicht immer. Entscheidend sei natürlich auch der sehr persönliche Ansatz des Unternehmensgründers Eugene Kaspersky, sowie die vielfältigen Entwicklungsperspektive und die Fokussierung auf Zukunftsthemen: Aufklärung über aktuelle und zukünftige Cyberbedrohungen und die globale Transparenzinitiative des Unternehmens.

Was die Mitglieder von HESSENMETALL sagen

Rainer Hetzer, Continental Division Chassis & Safety, Senior Vice President Human Relations, Frankfurt am Main:
“Bei Continental spüren und setzen wir auf die Leistungs-, die Wettbewerbsbereitschaft und Innovationskraft unserer Teams in ähnlicher Weise wie der international spielende Fußballclub Eintracht Frankfurt. Ich kann mir vorstellen, dass diese gemeinsame Schnittmenge – der Drang zum Tore schießen - durch die Kooperation der Eintracht mit HESSENMETALL gerade im digitalen Transformationsprozess für beide Seiten motivierend wirkt.“

Stefan Pollmeier, ESR Pollmeier GmbH Servo-Antriebstechnik:
„Digitalisierung ist das Thema der hessischen M+E-Industrie. Und mit dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 an der TU Darmstadt, für das wir uns als ESR Pollmeier und beim Arbeitgeberverband HESSENMETALL stark gemacht haben, gibt es jetzt ein Entwicklungszentrum, das Einsteiger ermutigt und Fortgeschrittene weiter qualifiziert. Dass die Eintracht als dynamisch digitaler Mittelständler in diesem Konzert mitmischt, wird beiden Seiten nützen und freut mich sehr.“

Nicole Ruppel, Geschäftsführerin Adam Ruppel Asbach GmbH, Modautal:
„Die Adam Ruppel Asbach GmbH produziert Mess- und Prüfwerkzeuge und ist gewissermaßen Hersteller der „Stimmgabel der Industrie 4.0“. Als traditionelles Unternehmen, das in Generationen denkt, spielt Digitalisierung für uns eine besondere Rolle, um auch weiterhin durch zukunftsfähige Prozesse den Fertigungsstandort Deutschland sichern zu können. Der Austausch über digitale Talente aus unterschiedlichsten Bereichen in der lockeren Atmosphäre der Soirée war sehr bereichernd. Ich bin gespannt, welche Synergien sich aus der Eintracht und HESSENMETALL zukünftig noch ergeben werden.“

Rainer Welzel, Siemens AG, Personalleiter Frankfurt am Main und Stuttgart:
„Die Kooperation mit der Eintracht wird HESSENMETALL und die hessischen M+E-Unternehmen verändern und voranbringen. Die Dynamik und die Veränderungskraft, die Eintracht Frankfurt ausstrahlt und die die Region mitreißen, wird die Blickwinkel erweitern, die Verhaltensweisen und Netzwerke bereichern und das Image positiv verstärken. Und für Siemens als einem Vorreiter der Digitalisierung ist natürlich auch die Zusammenarbeit mit dem digitalsten Bundesligisten und das Projekt digitale Arena von Interesse.“


Stand: 29.08.2019, UK / hk

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Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse