Chefumfrage in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie, Teil 1

Wachstumsdynamik lässt nach // M+E-Unternehmen müssen größer werdende Vielfalt managen // Mang: „Unsere Zukunft ist mobil, digital und global. Unsere Unternehmen sind dafür gut gerüstet.“

Frankfurt am Main. Die Wachstumsdynamik der hessischen M+E-Industrie hat sichtbar nachgelassen. Auch die Stimmung der M+E-Unternehmen ist verhaltener, wie die Ergebnisse der 29. Chef-Umfrage des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL unter seinen Mitgliedsunternehmen zeigen.

An der Erhebung hatten sich 144, also ein Viertel unserer Mitgliedsunternehmen beteiligt, die ein gutes Drittel der Beschäftigten repräsentieren. Die Ergebnisse stellte Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang heute vor.

„Seit Ende des letzten Jahres sind die wesentlichen Impulse für die hessische M+E-Industrie aus dem Ausland gekommen. Das Inlandsgeschäft schwächte sich in diesem Jahr jedoch auf sehr hohem Niveau ab. Wir haben 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und werden mit knapp 221.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 64 Mrd. Euro schaffen – ein Plus von 4 Prozent und ein Allzeithoch“, sagte Mang. „Aber die M+E-Unternehmen blicken zurückhaltender in die Zukunft. Die Stimmung ist gut, aber unverkennbar eingetrübt.“ Zugleich stünden die Unternehmen vor einem Strukturwandel, bei dem sie zugleich Treiber und Getriebene seien: „Unsere Zukunft ist mobil, digital und global. Im Kern bedeutet das mehr Vielfalt, mehr Auswahl, mehr Optionen“, so Mang. „Für die M+E-Unternehmen geht es darum, diese Veränderungen klug zu managen: mit innovativen Geschäftsmodellen, effizienten Prozessen und starken Belegschaften. Und hier sind sie sowohl durch ihr Investitionsverhalten als auch ihre erkennbaren Fortschritte in der Digitalisierung bestens gerüstet.“

Vielfalt managen – mobil, digital, global

„Ein Treiber ist der Strang Digitalisierung, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz. Der andere die wachsende Mobilität“, so Mang. Die M+E-Unternehmen sehen drei Mobilitätstrends: Mehr vernetzte oder gar selbstfahrende Fahrzeuge, mehr gemietete Autos und eine neue Balance zwischen Autos und anderen Verkehrsträgern. Dazu kommen vier Antriebskon-zepte – Benziner, Diesel und die beiden E-Mobile mit Batterien oder Brennstoffzelle –, die künftig parallel angeboten werden. Das bedeutet für die M+E-Unternehmen große Veränderungsprozesse: „Wir müssen uns vom traditionellen Maschinenbauer zum Fabrikbauer und -betreiber weiterentwickeln. Vom Autohersteller und -zulieferer zum Mobilitätsdienstleister. Und vom Elektro- und Softwareunternehmen zum Plattform-Netzwerk“, fasste der HESSENMETALL-Vorstandsvorsitzende die Entwicklung zusammen. „Es geht darum, die Effizienz der Massenproduktion mit der Qualität der Einzelfertigung zu einer Industrie der Maßanfertigung zu verbinden. Dazu müssen Daten richtig genutzt, intelligent bewertet und unternehmerisch umgesetzt werden – dann führen sie zu einem viel präziseren Wissen über die individuellen Kundenbedürfnisse.“

Die Chefumfrage: Allgemeine Geschäftslage gut, aber eingetrübt

Die hessischen M+E-Unternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Situation zurückhaltender als noch im Frühjahr 2018. Über 62 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen schätzen ihre Lage im Herbst als gut ein, 29 Prozent als befriedigend und 9 Prozent als schlecht. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate sehen sie weniger optimistisch: Zwar erwarten 14 Prozent eine bessere, aber ebenso viele eine schlechtere Entwicklung. 71 Prozent rechnen nicht mit einer Veränderung.

Der Zukunftsindikator Auftragsbestände: 45 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen bewerten sie als ausreichend, 40 Prozent sogar als verhältnismäßig groß, 14 Prozent bereits als zu gering. Im Frühjahr 2019 rechnen 20 Prozent mit einer Verbesserung, aber 18 Prozent befürchten abnehmende Auftragsbestände.

Bei den Umsätzen blicken die M+E-Unternehmen positiv in die Zukunft. So beurteilen 56 Prozent ihre Umsatzentwicklung als gut, 34 Prozent als befriedigend und 10 Prozent als schlecht. Für das nächste halbe Jahr erwarten zwar 15 Prozent fallende Umsätze, 23 Prozent jedoch ein Umsatzwachstum.
47 Prozent der M+E-Unternehmen stufen das Ertragsniveau als befriedigend ein, 41 Prozent sogar als gut. Für die kommende Zeit gehen fast 19 Prozent von einem steigenden und fast 14 Prozent von einem fallenden Ertragsniveau aus.

Die befragten M+E-Unternehmen werden weiter Arbeitsplätze aufbauen, aber insgesamt weniger: sie rechnen mit einer Zunahme von nur noch 0,7 Prozent.

Investitionen auf hohem Niveau und geplant zukunftsorientiert

53 Prozent der befragten M+E-Unternehmen halten ihrer Investitionen im Herbst 2018 für ausreichend, fast ein Drittel sogar für verhältnismäßig hoch. 22 Prozent gehen von steigenden und 17 Prozent von fallenden Investitionen aus.

Bis Frühjahr 2019 wollen die M+E-Unternehmen den Anteil ihrer Produktinvestitionen auf über 23 Prozent, den Anteil ihrer Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter auf über 18 Prozent und den der beschäftigungswirksamen Erweiterungsinvestitionen auf 13 Prozent steigern.

„Diese Verlagerung aus der Erhaltung in die Erweiterung zeigt zupackende Zukunftsorientierung. Die hessischen M+E-Unternehmen qualifizieren ihre Mitarbeiter für neue Produkte und Verfahren, entwickeln ihren Produktionspark weiter und modernisieren ihre Produkte digital und mobil“, so Mang.

M+E-Industrie fortgeschrittener

Der aktuelle M+E-Strukturbericht zeigt: Die M+E-Unternehmen – allen voran der Maschinenbau und die Autoindustrie – sind digital fortgeschrittener als andere Branchen: Sie investieren mehr in die digitale Transformation, erzielen höhere Umsätze mit digitalen Produkten, haben die Digitalisierung öfters strategisch verankert und wenden häufiger digitale Technologien an: Cloud-Computing, 3D-Druck, Virtual Reality, Robotik oder Künstliche Intelligenz. „Das ist eine gute Ausgangsposition und Grundeinstellung, um im Wettbewerb vorne zu bleiben“, betonte der Vorsitzende abschließend.

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Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse