2. HESSENMETALL Personal­kongress IT – Make or Buy im Tagesgeschäft

Fehlende IT Fachkräfte als größtes Hemmnis der Digitalisierung / Qualifizierte Mitarbeiter als zentraler Schlüssel für digitale Transformation / Erweiterung der Expertise in den einzelnen Berufen notwendig

Frankfurt am Main. „Make or Buy im Tagesgeschäft“ – wie der Einkauf von Personalleistungen zu mehr Geschwindigkeit und Kosteneffizienz führen kann, welche organisatorischen Aufgaben und Services als Kernkompetenz besser intern bleiben sollten und welche rechtlichen Aspekte es zu beachten gibt, war Thema des 2. Personal­kongress IT, der am 16. Oktober 2019 im Haus der Wirtschaft in Frankfurt stattfand.

Der Fachkräftemangel im IT-Bereich macht es Unternehmen schwer, kompetente Mitarbeiter zu finden. IT-Abteilungen stehen deshalb vor der Herausforderung, bestimmte Aufgaben extern zu vergeben oder Fachkräfte für eine bestimmte Zeit über Arbeitnehmerüberlassung oder als Freiberufler zu rekrutieren.

null„Fehlende Fachkräfte sind für unsere Mitgliedsunternehmen das größte Hemmnis der Digitalisierung – insbesondere im Bereich der Geschäftsmodellentwicklung sowie für Unternehmen, die bei der Digitalisierung noch am Anfang stehen. Hier hat jedes zweite Unternehmen einen Bedarf. Dabei sind insbesondere IT-Fachkräfte stark nachgefragt“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von HESSENMETALL. „Ein zentraler Schlüssel für die erfolgreiche Bewältigung der digitalen Transformation sind qualifizierte Mitarbeiter. Vernetztes Denken, agiles Arbeiten und IT-Anwenderkenntnisse zählen hier zu den wichtigsten Kompetenzen. Dabei geht es nicht zwingend um die Entwicklung neuer Berufsbilder, aber es geht um die Erweiterung der Expertise in den einzelnen Berufen. Als Verband sehen wir uns gerade für diejenigen Unternehmen, die noch nicht ganz so aktiv sind wie andere als Mittler und Anbieter“, betonte Pollert in seiner Begrüßungsrede.

nullRonald Erb, Geschäftsführer der re7consulting aus Fulda berichtete in seinem Vortrag darüber, vor welchen Herausforderungen wachsende IT-Unternehmen stehen, geeignete Fachkräfte zu gewinnen. „Eine erfolgreiche Fachkräftegewinnung zeichnet sich gegenwärtig dadurch aus, dass sie zum einen direkt auf die Bedürfnisse des Bewerbers zielt und ihm zum anderen eine lukrative Perspektive bietet. Hierbei darf sich das Unternehmen aber niemals anbiedern oder unter Wert verkaufen. Heutzutage gilt meines Erachtens mehr denn je: Fördern und Fordern!“

nullIm Zentrum des Vortrags von Bernd Sauer, Managing Partner bei WP Management Solutions AG in Bad Homburg, stand das Thema IT-Interim-Management. Dabei ging er der Frage nach, wie diese Form der Arbeitnehmerüberlassung in Unternehmen gewinnbringend eingesetzt werden kann: „Die Digitalisierung stellt als ein Wandlungstreiber von vielen die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten vor Herausforderungen. Der Einsatz von Interim-Managern sollte deshalb nicht nur auf Krisensituationen der Unternehmen beschränkt werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der jetzt erforderlichen Transformationen erscheint es sinnvoll, Interim-Manager – auch in der IT - als Impulsgeber und Motor für Transformation und Innovation einzusetzen.“ Seit 1. Oktober 2019 ist die WP Management Solutions Kooperationspartner der Consult Personaldienstleistungen GmbH, einer Tochterfirma des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft, die mit der Besetzung von Management-Funktionen auf Zeit ihr bestehendes Portfolio weiter ergänzt.

nullMario Heinrich Schenk, Head of Cloud Application Solutions Germany von Siemens erläuterte, wie MindSphere, die IoT-Cloud-Lösung von Siemens, ihren Kunden dabei unterstützt, mit Kooperationen zu schnellen und effizienteren Lösungen zu gelangen. Industrie 4.0 könne nur profitabel gelingen, wenn wir IoT- Technologien in neuen oder erweiterten Werkschöpfungsnetzwerken denken und implementieren. Dabei gehe es neben der Effizienz vor allem um die zeitliche Dimension.

nullAus seinen Erfahrungen als prüfender Rentenversicherungsträger berichtete Carsten Landvogt, stellvertretender Prüfbezirksleiter und Prüfgruppenleiter der Prüfbezirksstelle Rhein-Main bei der Deutschen Rentenversicherung Hessen. Er erläuterte, wie er und seine Kollegen bei Verdachtsfällen von Scheinselbständigkeit vorgehen und was Unternehmen tun können, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Letztere motivierte er, Problemfälle im Unternehmen offen anzugehen und zu klären. Die Deutsche Rentenversicherung Hessen helfe dabei im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne weiter.

nullWas es beim Einsatz von Fremdpersonal hinsichtlich Projektumsetzung und Vertragsgestaltung zu beachten gilt, darüber referierte Dr. Oliver Hornung, Rechtsanwalt und Partner bei SKW Schwarz Rechtsanwälte in Frankfurt. Er betonte dabei die Bedeutung einer sauberen Vertragsgestaltung, um rechtliche Stolperfallen bei Projekte im agilen IT-Umfeld erfolgreich zu umgehen. So solle in Verträgen ein besonderes Augenmerk auf Haftung und Versicherungsabsicherung gelegt und ein Vier-Augen-Prinzip bei der Programmierung eingehalten werden. Nicht zuletzt trage ein gemeinsames Arbeiten in agilen Projekten auch zu einer sozialen Kontrolle innerhalb des Teams bei.

nullAbschließend beleuchtete Prof. Dr. Franz-Josef Rose ergänzend dazu rechtliche Aspekte beim Einsatz von Fremdpersonal. Alle Formen der Beschäftigung – sowohl unbefristete Arbeitsverträge, Selbständigkeit als auch spezielle Beschäftigungstypen wie etwa Befristung oder Zeitarbeit – seien angesichts von strukturellen und konjunkturellen Herausforderungen unerlässlich, damit ein Maximum an Beschäftigung entsteht und beibehalten werden kann.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der aktuelle Vergütungsreport IT, der im Auftrag von HESSENMETALL vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft angefertigt wurde, vorgestellt. Die Auswertung vergleicht die Löhne in unterschiedlichen IT-Berufsbildern in der Metall- und Elektroindustrie in Hessen, ermöglicht einen anschaulichen Überblick über IT-spezifische Aufgaben und bietet einen Einblick in die Entgelthöhe auf Jahresbasis. Ein Ergebnis daraus ist: IT’ler nicht gleich IT’ler – auch innerhalb typischer Aufgaben wie beispielsweise beim Systembetreuer kommen große Verdienstunterschiede bis in 5-stellige Bereiche vor. Bedingt sind diese durch die unterschiedliche Komplexität der Aufgabenstellung, den Handlungs- und Entscheidungsspielraum sowie die Übernahme von Zusatzaufgaben. Deshalb werden die Aufgaben im Vergütungsreport IT in mehreren Anforderungsstufen abgefragt und ausgewiesen.Auch für die Firmen lohnt sich die Teilnahme am IT-Report, denn diese erhalten eine Individual-Auswertung, die deren eigene Angaben den anonymisierten Gesamtergebnissen gegenüberstellt.

HESSENMETALL-Mitgliedern stehen eine anonymisierte Version des Vergütungsreports, der auch im nächsten Jahr fortgeführt wird, sowie alle weiteren Unterlagen zur Veranstaltung ab nächster Woche im Serviceportal zur Verfügung.

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