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Wirtschaftliche Lage und HandlungsspielräumeDas Jahr 2025 ist wirtschaftlich turbulent zu Ende gegangen – und vieles deutet darauf hin, dass sich diese Dynamik auch in 2026 fortsetzt. In vielen öffentlichen Debatten dominiert weiterhin ein skeptischer Blick auf Konjunktur und Wachstum. Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass sich Unternehmen mit Zukunftsthemen beschäftigen, um langfristig robuster Deshalb sollte man Stellschrauben, die im eigenen Einflussbereich liegen, nutzen. Dazu gehören vor allem Investitionen in neue Produkte, Prozesse und Technologien sowie gezielte Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. [KF1] Förderprogramme können dabei eine wichtige Rolle spielen. In diesem Newsletter möchte ich Ihnen daher – wie gewohnt – auch im Jahr 2026 eine persönliche Einordnung der aktuellen Förderlandschaft geben und aufzeigen, wo sich neue Handlungsspielräume eröffnen. Besonders spannend finde ich, dass Hessen mit dem neuen Förderaufruf zu Dual-Use-Innovationen in KMU im hessischen Programm Distr@l vorangeht, über den ich im Abschnitt Defense & Dual Use informiere. Fördermittel Bund – aktuelle Entwicklungen und neue ImpulseAuf Bundesebene zeigt sich die Förderlandschaft derzeit deutlich selektiver als noch vor einigen Jahren. Neue Programme entstehen seltener, bestehende Instrumente werden dafür stärker fokussiert und strategischer eingesetzt. Ein zentrales Förderelement ist dabei der: Deutschlandfonds - Investitionen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.Im Dezember 2025 wurden konkrete Details zum Deutschlandfonds vorgestellt. Für viele Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie, dem Maschinenbau oder dem automobilen Zulieferumfeld stellt sich aktuell weniger die Frage, ob investiert werden muss, sondern wie. Hohe Investitionsvolumina, lange Amortisationszeiten und technologische Unsicherheiten erschweren viele Vorhaben – genau hier setzt der Deutschlandfonds an. Der Deutschlandfonds ist keine einzelne Fördermaßnahme, sondern eine Dachstruktur, mit der Investitionsrisiken für verschiedene Zielgruppen abgefedert und private Mittel mobilisiert werden sollen. Der Bund stellt dafür rund 30 Mrd. EUR an öffentlichen Mitteln und Garantien bereit, um zusätzliche Investitionen von etwa 130 Mrd. EUR auszulösen. Die Koordination übernimmt die KfW. a) Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien (Industrie und Mittelstand) 1. Das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien erleichtert die Finanzierung großer Investitions- und Transformationsvorhaben, indem die KfW Risiken aus Avalfinanzierungen übernimmt. Die KfW beteiligt sich dabei marktüblich und zu gleichen Bedingungen wie andere Banken an der Avalfinanzierung. Der Risikoanteil der KfW beträgt mindestens 50 Millionen Euro und kann bis zu 50 % der gesamten Avalfinanzierung umfassen. Durch diese Risikoübernahme wird der Zugang zu Avalen erleichtert und die Finanzierung größerer Vorhaben ermöglicht, die ohne staatliche Absicherung nicht zustande kämen. 2. Ergänzt wird dieser Baustein durch den Rohstofffonds, über den die KfW Eigenkapitalbeteiligungen zur Finanzierung kritischer Rohstoffprojekte bereitstellt. Für viele Industrieunternehmen ist dies indirekt relevant, etwa bei Vorhaben bei denen der Zugang zu (kritischen) Rohstoffen ein strategischer Faktor ist. b) Energieinfrastruktur (relevant auch für industrielle Standorte) Der zweite Baustein des Deutschlandfonds betrifft die Energieinfrastruktur. Auch wenn sich die Instrumente primär an Energieversorger richten, sind sie für industrielle Standorte von zentraler Bedeutung. Stromverteil- und Wärmenetze müssen ausgebaut und modernisiert werden, um Elektrifizierung, neue Produktionsprozesse und Dekarbonisierung zu ermöglichen. Über den Deutschlandfonds werden Kredite für Netzbetreiber abgesichert; im Bereich Geothermie wird zudem das Fündigkeitsrisiko reduziert. c) KMU, Start-ups, Scale-ups und industrielle Innovation Der dritte Baustein des Deutschlandfonds richtet sich an Start-ups und Scale-ups – und gewinnt damit auch für etablierte Industrieunternehmen an Bedeutung. Die KfW tritt künftig verstärkt als Co-Investor auf und beteiligt sich gemeinsam mit privaten Kapitalgebern an jungen Wachstumsunternehmen. Pro Beteiligung sind Investitionen von bis zu 50 Mio. EUR möglich; insgesamt stehen bis 2030 1 Mrd. EUR zur Verfügung. Ergänzend fließen 300 Mio. EUR in Kreditfonds für neuartige Industrietechnologien. Der Zukunftsfonds besteht bereits; neu ist jedoch die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen, insbesondere für Unternehmen in der Wachstumsphase nach den ersten Finanzierungsrunden, in der der Zugang zu Eigenkapital häufig besonders schwierig ist. Der Deutschlandfonds stärkt gezielt Fondsinvestments für Start-ups und Scale-ups, insbesondere in technologieintensiven Wachstumsphasen. Dafür wird das Wachstums- und Innovationskapital aufgestockt und bestehende Zukunftsfonds-Bausteine gebündelt. 1. Die zusätzlichen Mittel fließen vor allem in Wagniskapitalfinanzierungen (VC-Fonds Investitionen) für DeepTech, KI, BioTech, ClimateTech sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien und sollen zugleich Finanzierungslücken im Mittelstand schließen. 2. Mit „Scale-up Direct“ investiert KfW Capital gemeinsam mit privaten Fondsmanagern direkt in innovative Wachstumsunternehmen. 3. Ergänzend sind First-of-a-kind-Kredite (FOAK) in Vorbereitung, um erstmals eingesetzte industrielle Technologien, Produkte und Prozesse von Start-ups und Scale-ups finanzierbar zu machen. Geplant sind zudem verbesserte steuerliche Anreize für Venture-Capital-Investitionen sowie ein erweiterter Einsatz von Kapitalmitteln, auch für Infrastruktur und erneuerbare Energien. Beispiel: Junge Unternehmen, etwa aus dem Sicherheits- oder Verteidigungsumfeld, erhalten Wagniskapital über Fonds mit KfW-Beteiligung. So können technologische Entwicklungen schneller skaliert und in marktfähige Produkte überführt werden. Die zusätzlichen Mittel aus dem Wachstums- und Innovationskapital (Zukunftsfonds II) fließen gezielt in Deep Tech, BioTech sowie Sicherheit und Verteidigung und schließen zugleich Finanzierungslücken im Mittelstand.
Der Aufbau erfolgt schrittweise. Ab Dezember 2025 starten erste Instrumente, darunter das Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien, ein Kreditprogramm für Geothermie sowie ein neues Finanzierungsinstrument für Start-ups und Scale-ups. Ab 2026 sollen weitere Bausteine folgen, etwa zur Modernisierung der Energieinfrastruktur, zur Stärkung der Wagnisfinanzierung über den Zukunftsfonds sowie zur Vertiefung des Kapitalmarktzugangs. Hier können Sie sich über die weiteren Entwicklungen informieren. IPCEI Künstliche IntelligenzEin weiteres zentrales und aktuelles Thema ist das IPCEI Künstliche Intelligenz. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat Anfang Dezember 2025 das Interessenbekundungsverfahren gestartet. Deutschland koordiniert dieses europäische Großprojekt und plant eine Beteiligung von über einer Milliarde Euro. Gefördert werden anwendungsnahe Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich industrieller KI, etwa in der Materialforschung, der autonomen Produktion, der Robotik oder im autonomen Fahren. Projektvorschläge können bis 21. Januar 2026 eingereicht werden, ein europäisches Matchmaking ist für März 2026 vorgesehen. Das IPCEI richtet sich ausdrücklich auch an kleine und mittlere Unternehmen, setzt jedoch eine strategische Projektplanung und internationale Kooperation voraus.
Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) – neuer CallFür innovationsorientierte Unternehmen bleibt das Innovationsprogramm für Geschäfts-modelle und Pionierlösungen (IGP) eines der wenigen Zuschussprogramme auf Bundesebene, das nicht ausschließlich technologiegetrieben ist. Der aktuelle Förderaufruf adressiert Projekte zur Stärkung von Wirtschaftskraft, Attraktivität und Lebensqualität in Stadt und Land. Die Frist zum Einreichen der Teilnahmeanträge endet am 05. Februar 2026 um 15:00 Uhr. Der nächste Call ist voraussichtlich für das zweite Quartal 2026 geplant und wird gemeinschaftlich entwickelte, branchenübergreifende Pionierlösungen von Unternehmen in den Fokus stellen. Um sich mit Informationen zu versorgen, gibt es Webinare zum Förderprogramm.
Fördermittel Hessen – Kontinuität und gezielte Schwerpunkte
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