11. IT-Forum "Do-IT-Yourself?"

Industrieunternehmen und Startups lernen beim IT-Forum voneinander

Rhein-Main-Gebiet ist Motor für globale Zusammenarbeit bei Softwareentwicklung

Wo punktet ein Unter­nehmen mit individueller Eigenentwicklung in der Digitalisierung und wann ist es sinnvoll, auf ausgereifte Standardsoftware zurückzugreifen? Beim 11. IT-Forum des Arbeitgeberverbandes HESSEN­METALL und der Bezirksgruppe Rhein-Main-Taunus sind unter dem Motto „Do-IT-Yourself?“ diese Fragen diskutiert worden.

In acht Impulsvorträgen haben bei der virtuellen Veranstaltung ambitionierte Startups und etablierte Industrieunternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet erörtert, welchen Einfluss „Make" oder „Buy“ auf Geschäftsmodelle haben.

„Wir unterstützen unsere Mitgliedsunternehmen bei den Herausforderungen der digitalen Transformation. Vor allem vernetzen wir die Betriebe aus der klassischen Metall- und Elektroindustrie mit der IT-Branche. So tauschen sich Anwender und Anbieter über ihre Erfahrungen im Bereich der Digitalisierung aus und lernen voneinander“, sagte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von HESSEN­METALL.

„Als ein Hotspot für Rechenzentren und weltoffener Wirtschafts­standort mit einer exzellenten Forschungsinfrastruktur bietet die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main ein ideales Umfeld für zukunftsgewandte Firmen. Nicht zuletzt profitiert die Region von einer Vielzahl an aufgeschlossenen Unternehmerinnen und Unternehmern, die Innovationen vorantreiben“, ergänzte Friedrich Avenarius, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Rhein-Main-Taunus von HESSEN­METALL.

Prof. Dr. Swen Schneider, Wirtschaftsinformatiker und geschäftsführender Direktor des Instituts für Data Driven Business an der Frankfurt University of Applied Sciences, eröffnete die Vortragsreihe. „Durch die digitale Transformation wird informationstechnisches Know-how für Unter­nehmen immer wichtiger. Hierbei kann die Ausführung von IT, aber nicht die intellektuelle digitale Führung outgesourct werden. Im Unter­nehmen müssen Experten vorhanden sein, die Aufgaben und Prozesse fremdvergeben, steuern und auch wieder zusammenführen können“, meinte Schneider.

Im Anschluss berichtete Thomas Moog, Geschäftsführer von KUNZLERSTROM in Maintal, aus Sicht eines mittelständischen Industrieunternehmers. „Wir betreuen Notstromanlagen und verfügen über keine eigene IT-Abteilung. Der Weg zu unserer IT-Lösung war mitunter zwar steinig, aber mein besonderes Augenmerk gilt der Verbesserung von Geschäftsabläufen und zukunftsweisenden Technologien“, erzählte Moog.

Digitalstrategie von Eintracht Frankfurt basiert auf Wachstum aus eigener Kraft und Unabhängigkeit

„Wachstum aus eigener Kraft und die damit einhergehende Unabhängigkeit von Dritten ist die Basis unserer Digitalstrategie“, erklärte Timm Jäger, Geschäftsführer von EintrachtTech, in seinem Vortrag. Er ist für die strategische Ausrichtung der Digitaltochter von Eintracht Frankfurt verantwortlich. Die Eigenentenwicklung von digitalen Systemen und Produkten sei ein „entscheidende Faktor“ in der digitalen Strategie von Eintracht Frankfurt, so Jäger.

Henning von Hörsten, Digital Lead von ABB Automations Products, gewährte Einblicke in einen Großkonzern und hatte zudem einige Tipps für kleinere Industriebetriebeparat. „Gerade für viele Mittelständische, die am Anfang der Digitalisierung ihrer Produkte und Prozesse stehen, stellt sich häufig die Frage: wie gehen wir das Ganze an? Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach. Der Weg einer solchen Entwicklung wird immer wieder anders sein, je nach Produkt und  Unter­nehmen“, erläuterte von Hörsten. Jedoch gäbe es einige Aspekte und Entwicklungsschritte, die häufig vorkämen und sich in der Praxis bewährt hätten.

Unter­nehmen, die auf der Suche nach Anbietern von Softwareentwicklung sind, werden von dem Frankfurter Startup WeProfit unterstützt. Geschäftsführer Sahak Artazyan sagte: „Die Rhein-Main-Region ist ein Motor für globale Zusammenarbeit und innovative Lösungen. WeProfit knüpft an diese Tradition an. Mit unserem digitalen B2B-Marktplatz ermöglichen wir es lokalen Unter­nehmen mit den weltweit besten Entwicklerunternehmen digitale Produkte zu bauen.“

Software as a Service-Modell mit hoher Flexibilität ist ratsam

Das Startup Optalio mit Sitz in Eschborn optimiert die Produktionsprozesse und Maschinenparks des Mittelstandes in Echtzeit. Kathrin Rose, Senior Software Developer, verglich die Kosten von Standardsoftware und Eigenentwicklung. „Beide Modelle verursachen hohe Anlaufkosten. Deshalb ist es ratsam, mit dem Software as a Service-Modell eine spezielle Kaufvariante zu wählen, die sich durch eine besonders hohe Flexibilität auszeichnet – angefangen beim Preis für Wartung und Weiterentwicklung bis hin zur Auswahl von Leistungen“, resümierte Rose.

Artem Fadin, der Gründer des Frankfurter Startups F-ONE Group, berichtete über die Rolle von Low-Code-Anwendungen im Mittelstand. Mit Low-Code könne die Entwicklungszeit von Software deutlich verringert werden, da sie anstelle von klassischen textbasierten Programmiersprachen auf simplere und grafische Designsprachen setze.

Der Abschlussvortrag von Andreas Jamm, Geschäftsführer von Boldly Go Industries, knüpfte thematisch daran an. „Bei Anwendungen, mit denen man die Innovationskraft eines Unter­nehmens steigern und neue Umsatzströme auslösen möchte, ist Sensibilität geboten“, mahnte Jamm. Durch den unbedachten Einsatz von Low-Code-Plattformen könnten negative Seiteneffekte wie etwa eine Kostenabhängigkeit entstehen.

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Katja Farfan

Katja Farfan
Referentin Digitales und Technologietransfer