Was lernen wir aus Corona für eine zeitgemäße Unter­nehmenskultur?

Hybrides Arbeiten bei Tetra Pak Deutschland

Dr. Susanne Fabian, Personalleiterin von Tetra Pak Deutschland, erläutert, wie Corona die Arbeitskultur am Hauptsitz in Hochheim am Main verändert hat. Das Unter­nehmen ist weltweiter Marktführer für Verpackungslösungen von Lebensmitteln.

Wie haben Sie die Arbeitsweise am Standort Hochheim am Main seit Beginn der Corona-Pandemie angepasst? Wie hat die Belegschaft darauf reagiert?

Wir sind ein weltweit agierendes Unter­nehmen mit einer globalen Organisationsstruktur. Virtuelle Meetings waren daher auch schon vor Corona ein fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags. Entsprechend sind auch alle Mitarbeiter/-innen und Büros mit dem nötigen Equipment ausgestattet. Mit Beginn der Corona-Pandemie haben wir alle Mitarbeiter/-innen von einem auf den anderen Tag ins Mobile Office geschickt und ihnen darüber hinaus bei Bedarf auch Monitore, Bürostühle etc. zur Verfügung gestellt. Bis heute arbeiten wir mit einer drastisch reduzierten Bürobelegung. Ein Großteil der Arbeit wird immer noch vom Mobile Office aus geleistet.

Unsere Teams haben sehr positiv auf das Arbeiten vom Mobile Office reagiert, zumal wir ihnen auch die Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung gegeben haben, damit sie beispielsweise Homeschooling und Arbeiten gut miteinander vereinbaren konnten. Mit den technischen Gegebenheiten waren alle ohnehin vertraut, sodass sie ihre Aufgaben reibungslos von zu Hause aus erledigen können. Aber wir sehen auch, dass die Mitarbeiter/-innen es sehr schätzen, nun wieder bei Bedarf vom Büro aus arbeiten zu können, dort Kolleg/-innen für einen Austausch zu treffen oder einfach mal eine andere Umgebung zu sehen.

Haben flexible Arbeitszeitmodelle und hybrides Arbeiten durch Corona Aufwind bei Ihnen bekommen oder waren sie bereits vorher schon gängig?

Wir hatten bereits vor Corona umfassende flexible Arbeitszeitmodelle implementiert, wie z. B. Teilzeit, flexible Arbeitszeit und Mobile Office, um nur einige zu nennen. Aber sicherlich ist durch Corona und die guten Erfahrungen, die wir alle mit hybridem Arbeiten in den letzten Monaten gemacht haben, diese Arbeitsweise selbstverständlicher und das neue "Normal" geworden.

Welche Rolle nimmt das Thema "Remote Work" bei Ihnen ein - sowohl bei dem Umgang mit Ihren Kunden als auch in internen Arbeits- und Prozessabläufen?

Remote Work hat bei uns schon immer eine große Rolle gespielt, schon allein aufgrund unserer globalen Organisationsstruktur. In den letzten Monaten konnten wir  das in allen Geschäftsbereichen weiter ausbauen, indem wir z. B. technische Abnahmen beim Kunden oder auch interne Audits remote durchführen. Nichtsdestotrotz sind persönliche Kontakte zum Kunden weiterhin wichtig. Interne Meetings finden grundsätzlich virtuell statt. Das erspart viel Zeit und Kosten. Und nicht jedes virtuelle Meeting kann eine persönliche Interaktion zwischen Mitarbeiter/-innen ersetzen. Hier haben wir aber eine gute Balance zwischen remote und persönlich gefunden.

Existieren "Activity Based Working" oder "Desksharing" am Standort in Hochheim oder an anderen Standorten von Tetra Pak? Ist es geplant dies in Zukunft einmal an Ihrem Standort auszuprobieren oder gar einzuführen?

Am Standort Hochheim haben wir Activity Based Working "light". Jede/-r Mitarbeiter/-in hat zwar einen festen Arbeitsplatz, muss diesen aber spätestens am Ende des Arbeitstages von allen persönlichen Dingen und Arbeitsunterlagen freiräumen, damit der Arbeitsplatz auch von anderen Kolleg/-innen bei Bedarf genutzt werden kann. An unseren anderen Tetra Pak-Standorten in Deutschland und weltweit haben wir bereits Activity Based Working und beabsichtigen, das auch zu gegebener Zeit in Hochheim einzuführen.

In der Schweiz hat Tetra Pak bei einer "Coworking Experience" mit der Genossenschaft "VillageOffice" kooperiert. Sind solche Kooperationen oder Coworking Spaces auch in Hochheim am Main denkbar?

Wir sind immer auf der Suche nach einer modernen und zeitgemäßen Arbeitskultur und -umgebung. Wo es Sinn macht, ist Coworking eine Option für uns. Deshalb sind wir kürzlich mit unserem Standort in Wien in ein Coworking-Areal umgezogen.

"VillageOffice" bietet Büroarbeitsplätze frei wählbar an vielen Standorten in der Schweiz an und der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin kann entscheiden, an welchem der "VillageOffice"-Standorte er arbeiten möchte. Das Konzept hat sich jedoch für uns nicht bewährt und auch in der Schweiz haben wir mittlerweile wieder einen zentralen Bürostandort.

Welche Erfahrungen haben Sie während der Pandemie mit Online-Formaten, etwa bei Schulungen oder ggf. auch bei digitalen Events für Mitarbeiter/-innen, gemacht?

Aufgrund der Pandemie haben wir den überwiegenden Teil unseres Lern- und Trainingsportfolio auf Online-Formate umgestellt. Auch bieten wir in Kooperation mit einem Fitness-Studio zweimal wöchentlich ein 20-minütiges Online-Fitnesstraining an. Zu Weihnachten gab es einen virtuellen Kochevent und unser traditionelles Midsommar-Fest haben wir aus unserem Innenhof am Standort Hochheim live übertragen. Durch die Nutzung von Chat- und Poll-Funktionen und virtuellen Gruppenräumen bekommen wir sehr viel Interaktion in unsere Online-Angebote. Die Mitarbeiter/-innen schätzen die Online-Formate sehr und können nun an Programmen teilnehmen, die früher aufgrund des Präsenzangebotes nicht in ihren Terminkalender gepasst hätten.

Wie hat sich die interne Unter­nehmenskommunikation im Laufe der Pandemie verändert? Hat beispielsweise Ihr Intranet an Bedeutung gewonnen?

Wir haben die Kommunikationskanäle erweitert und unser Angebot an virtuellen Informationsveranstaltungen erhöht. Dadurch können wir die Mitarbeiter/-innen zeitnah und kurzfristiger und interaktiv informieren und sehr unkompliziert mit ihnen in Dialog treten. Wurde früher vorwiegend eine schriftliche Kommunikation rumgeschickt, bieten wir nun Videobotschaften und Frage-Antwort-Sessions an, in denen Hintergrundinformationen gegeben und Details erläutert werden.

Welche Lehren ziehen Sie aus den coronabedingten Neuerungen und Veränderungen in der Unter­nehmenskultur?

Wir hatten bereits vor der Corona-Pandemie flexible Arbeitsformen und eine Digitalisierung unserer Arbeitsorganisation auf den Weg gebracht. Corona hat sicherlich den Wandel hin zu neuen Arbeitsformen beschleunigt und unter Beweis gestellt, dass es funktioniert und gut von unseren Teams angenommen wird.

Welche neuen Arbeitsformen möchten Sie auch nach Corona in der Zukunft beibehalten, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben?

Digitalisierung und Flexibilität stehen für uns nach wie vor ganz oben auf der Agenda. Wir planen u. a. ein hybrides Arbeitsmodell für die Zeit nach Corona, das Bedürfnisse der Mitarbeiter/-innen nach einer guten Work-Life-Balance mit einer exzellenten Produktivität von Tetra Pak vereint.

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