„Den Spaß am Knobeln nicht verlieren“

PhysikOlympiade 2022: Die drei besten Schüler aus Osthessen berichten

Sergey Ermakov, Luis Rücker und Konstantin Wolgin aus Osthessen gehören zu den neun Jugendlichen, die sich in der diesjährigen zweiten Runde der 52. Internationalen PhysikOlympiade mit herausragenden Leistungen...

Sergey Ermakov, Luis Rücker und Konstantin Wolgin aus Osthessen gehören zu den neun Jugendlichen, die sich in der diesjährigen zweiten Runde der 52. Internationalen PhysikOlympiade mit herausragenden Leistungen auf der Landesebene Hessen durchgesetzt haben. Sie kommen von der Goetheschule Neu-Isenburg, von der Claus-von-Stauffenberg-Schule Rodgau und von der Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda. Fragt man sie, wie sie bei so einer anspruchsvollen Wissenschaft und ihrem zugehörigen Schulfach am Ball bleiben und wie sie sich außerdem im Wettbewerb qualifizieren, antworten alle drei, wie wichtig – auch im Umgang mit naturwissenschaftlichen Forschungsgegenständen – Kreativität, Inspiration und Spaß sind. „Vor allem beim Lernen außerhalb der Schule, rate ich Jugendlichen, die sich für Physik interessieren, aufzupassen, dass man nicht sofort zu sehr ‚verschult‘ wird. Gerade am Anfang muss man auch eine gewisse Kreativität mitbringen und den Spaß am Knobeln nicht verlieren, um ins Thema reinzukommen. Wenn man dann nochmal ‘ne Schippe drauflegen will, dann ist ein Schülerstudium eine gute Sache“, erklärt Luis Rücker im gemeinsamen Gespräch.

v.l.n.r.: Konstantin Wolgin, Luis Rücker und Sergey ErmakovAuch Sergey Ermakov hat, wie Luis Rücker, sehr gute Erfahrungen mit dem Juniorstudium an der Technischen Universität Darmstadt gemacht. „Ich kann Luis nur zustimmen, das ist eigentlich die beste Entscheidung, die ich im Leben getroffen hab‘. Es liegen Welten dazwischen, was im Schulunterricht stattfinden kann und was an der Uni dran kommt“, sagt er. Hiermit meinen alle drei Schüler insbesondere den Fokus auf die Verknüpfung von Mathematik und Physik sowie die Anwendungsbezogenheit der Materie insgesamt. „Deswegen bin ich auch ein riesiger Fan von Forschungsprojekten. Anders lernt man‘s einfach nicht. Bei Experimenten kann man seine kreative und seine mathematisch-physikalische Basis nutzen, um selbst an die Sache heranzugehen – besser kann man nicht lernen!“ „Und natürlich gehört auch ein gewisses Grundtalent dazu“, ergänzt Konstantin Wolgin, „wenn man bei kleineren Aufgaben schon schnell aufgibt, dann fehlt halt auch die allgemeine Motivation sich weiterzuentwickeln.“ Entscheidend sei es, seinen Lerntyp rauszufinden und die Grundprinzipien der Physik einmal gänzlich verstanden zu haben – und dazu brauche es, zusätzlich zum Unterricht, viel Eigeninitiative.

Balance aus Theorie und Praxis

Aus diesen Gründen sehen die drei Jugendlichen ihre entscheidenden Entwicklungsfortschritte hinsichtlich der Physik generell als ein Ergebnis aus der Balance zwischen Theorie und Praxis – und das sowohl in der Schule, insbesondere seit der Oberstufe, als auch in den eigenen relevanten Aktivitäten außerhalb davon. Leider haben die drei, und das ist ihnen durchaus bewusst, wegen der Pandemie und ihren Folgen selbstverständlich eine völlig andere Erfahrung von Unterricht und schulischem Lernerlebnis, als dies in der Regel der Fall gewesen wäre. „Wegen Corona haben wir jetzt in der Qualifikationsphase der Oberstufe generell nicht viele Experimente gemacht und wenn, dann auch nicht selber; unserer Lehrerin hat das dann gezeigt. Ich denke – auch wenn sich die Experimente im Wettbewerb und in der Schule stark unterscheiden – dass ich auch wegen den Einschränkungen durch die Pandemie in der Bundesrunde in den zwei experimentellen Klausuren der PhysikOlympiade zum Bespiel wesentlich schlechter abgeschnitten habe als im Theorieteil“, berichtet Luis.

Learning by Doing und das eigene Erschließen von Zusammenhängen ist Sergey, Luis und Konstantin generell sehr wichtig, erleichtert ihnen, wie vielen, das Lernen und den Zugang zu neuem Stoff und macht ihnen einfach Spaß. Im Verlauf der PhysikOlympiade hat dieser Aspekt auch deswegen eine entscheidende Rolle gespielt, da die drei schon aus dem gesunden Vergleich mit anderen Talenten viel Wertvolles mitnehmen und zu vielen Erkenntnissen für ihren Alltag kommen konnten: „Ich denke die Hauptherausforderung im Physikunterricht in der Schule ist, dass von der siebten bis zur elften Klasse ja durchgehend alle Schülerinnen und Schüler mitgenommen werden müssen… deswegen sind natürlich viele Anforderungen, die absolut Sinn machen, im Alltag schwer zu erfüllen. Besser ist es dann im Leistungskurs ab der elften Klasse. Ich finde unser Lehrer hat es trotz der Pandemie gut gemacht. Auch wenn er im Lehrplan immer wieder hin- und her springen musste, hat er viel Wert auf Experimente gelegt, um uns das alles zu zeigen. Vor allem wenn er ein neues Thema angefangen hat, um uns immer wieder neu zu begeistern“, berichtet Konstantin. „Das hat mir extrem geholfen!“

Zukunftspläne

Entscheidende Erkenntnisse gibt es bei den Physiktalenten auch hinsichtlich ihrer beruflichen, beziehungsweise, akademischen Zukunft. Luis Rücker möchte aktuell Mathematik studieren, denn trotz allem Interesse am Praxisbezug, ist Theorie sein Ding. „Das könnte sich andererseits aber eigentlich jeden Tag ändern“, sagt er. „Mathe ist schon sehr sehr abstrakt und da geht der Kern der Physik gewissermaßen verloren. Aber wenn man Mathe studiert, muss man ja auch ein Nebenfach wählen und vielleicht nehm‘ ich in dem Fall dann einfach Physik“, so Luis. „Letztendlich möcht‘ ich, glaub ich, in der Wissenschaft tätig sein.“ Sergey stimmt generell mit Luis‘ Vorstellungen überein – dennoch ist die Physik gegenüber der Mathematik sein Favorit, auch wenn er sich ebenfalls durch die hohe Verwandtschaft der Fächer in einem leichten Zwiespalt befindet. „Ein bisschen von beidem und auch ein wenig Forschung und gleichzeitig Industrie wäre schön“, betont Sergey. Außerdem sei ihm Freiheit und Flexibilität sehr wichtig, besonders im Kontrast zu einem klassischen Nine-to-five-Job: „Wenn ich grad an was arbeite, möchte ich auch mal sechzehn Stunden bleiben können, das erledigen und dann Heim kommen und sagen: ,Nice!‘ Und das ist für mich eben, wenn ich im Labor stehe oder was programmier‘ – also seh‘ ich mich letztendlich eher in der Forschung.“ Für Konstantin kommt ein Studium in Mathe oder Physik aber auch im Maschinenbau in Frage. „Ich kann’s mir gut vorstellen, in Zukunft als Ingenieur zu arbeiten. Generell gibt‘s im Maschinenbau viele verschiedene Möglichkeiten und das ist für mich entscheidend, auch die Auswahl an unterschiedlichen Unter­nehmen.“

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Talisa Dean, M.A.

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Offenbach und Osthessen