HESSENMETALL Mittelhessen präsentiert Ergebnisse der jährlichen Herbstumfrage

Wirtschaftspolitische Herausforderungen und digitaler Strukturwandel belasten die Unter­nehmen

Stimmung in der heimischen M+E-Industrie ist deutlich gedämpft

„Mittelhessens größte Industriebranche hat in 2019 noch eine verhältnismäßig robuste Konjunktur erlebt, aber die aktuellen Umfrageergebnisse aus unseren heimischen M+E-Betrieben mahnen zur Vorsicht. Die Unter­nehmen prognostizieren für die nächsten sechs Monate eine spürbare Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage“, fasste Oliver Barta, der Vorsitzende von HESSENMETALL Mittelhessen, die aktuelle Situation zusammen. Wie in den vergangenen Jahren wurden traditionell die 135 Mitgliedsunternehmen im Rahmen der Herbstumfrage 2019 zu den Themen Konjunktur und Wirtschaft befragt.

Oliver Barta, Leiter Personal der Bosch Thermotechnik GmbH, Wetzlar: „Aktuelle Geschäfts- und Auftragslage rückläufig – Prognosen für die kommenden Monate fallen deutlich pessimistischer aus – Politik muss förderliche Rahmenbedingungen schaffen“

„Bosch Thermotechnik steht derzeit vor einem großen Umbruch und muss sich für die Zukunft wappnen. Das vor kurzem verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung verunsichert sowohl die Verbraucher als auch die Heizungshersteller. Die aktuelle Geschäfts- und Auftragslage betrachten wir daher zunehmend mit Sorge, was durch die Zahlen unserer Herbstumfrage untermauert wird.

Diese zeigen, dass sich die Stimmung der mittelhessischen Wirtschaft deutlich eingetrübt hat: Nur noch 29,8 % der befragten Unter­nehmen bewerten die momentane Geschäftslage als gut. Ein deutliches Warnzeichen ist allerdings die Tatsache, dass fast die Hälfte der Unter­nehmen in den kommenden sechs Monaten eine weitere Verschlechterung befürchtet. Beim Blick auf die Auftragslage zeigt sich, dass bereits jetzt schon rund ein Drittel diese als zu gering bewerten. Alarmierend sind die Einschätzungen für die kommenden sechs Monate, denn die Unter­nehmen zeigen sich noch einmal deutlich zurückhaltender und pessimistischer. Die Mehrheit der Betriebe (53,2 %) geht für diesen Zeitraum von weiter sinkenden Auftragszahlen aus.

Im Moment beobachten wir, dass der Druck auf unsere Unter­nehmen stetig wächst. Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Betrieben ermöglichen, sich zukunftsfähig aufzustellen. Denn in der Vergangenheit waren es immer die Qualität und Innovationskraft unserer Produkte „Made in Germany“, die auf dem Weltmarkt überzeugen konnten.“  



Fritz Georg Rincker, geschäftsführender Gesellschafter der Rincker Glocken- und Kunstgießerei GmbH & Co., Sinn: „Umsatzzahlen gehen zurück – Ertragsentwicklung wird sinken – Teure Energiewende nicht auf Kosten der Industrie“

„Das Thema Energie spielt auch in unserer Branche eine große Rolle. Steigende Energiepreise werden zunehmend zu einem Wettbewerbsnachteil für die Unter­nehmen der M+E-Industrie. Hier leiden insbesondere die Gießereien unter dem Kostendruck, der auf den internationalen Märkten nur selten weitergegeben werden kann. Dies spielt dann auch bei den zu erzielenden Umsätzen und Erträgen eine Rolle.

Im Rahmen unserer Umfrage zeigt sich, dass im Vergleich zum Vorjahr die Umsätze erkennbar zurückgegangen sind. Aktuell bezeichnen nur noch 23,4 % die eigenen Umsätze als gut – mit weiter sinkender Tendenz in den nächsten Monaten: rund 45 % fürchten hier einen Rückgang bis ins Frühjahr. Das bereitet uns definitiv Sorgen, zumal sich die rückgängigen Umsatzzahlen auch erkennbar auf die Ertragsentwicklungen der Unter­nehmen auswirken. Die aktuellen Ertragszahlen, bei denen bereits 25,5 % über schlechte Ergebnisse klagen, werden wie bei den Umsätzen im nächsten Halbjahr bei mehr als 40 % der Befragten noch weiter sinken.
 
Grundsätzlich gilt: die Energiewende darf angesichts dieser Situation nicht weiter zu Lasten der Wirtschaft gehen und die Produktionskosten nach oben treiben. Die Politik muss die Wettbewerbsfähigkeit von energieintensiven Unter­nehmen sicherstellen, indem diese beispielsweise bei der EEG-Umlage steuerlich entlastet werden.“

Wolfram Kuhn, Geschäftsführer und Gesellschafter der Herborner Pumpentechnik GmbH & Co: „Investitionsbereitschaft leicht rückläufig – Anreize für den Wirtschaftsstandort Mittelhessen sind dringend nötig“

„Die Digitalisierung und der Fachkräftemangel stellen unsere Branche vor enorme Herausforderungen. Investitionen sind wichtiger denn je. Herborner Pumpentechnik investiert deshalb ständig in neue Maschinen, die stetige Weiterentwicklung unserer Pumpen und die regelmäßige Qualifizierung der Arbeitnehmer.

Bedauerlich ist, dass die Höhe der Investitionen in der mittelhessischen M+E-Branche insgesamt gegenüber dem starken Vorjahr leicht zurückgegangen ist. Eine Verbesserung ist hier nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Bis zum Frühjahr erwarten mehr als ein Drittel der Befragten einen weiteren Rückgang in diesem Bereich. Auch die Auslandsinvestitionen sind nach dem Höchstwert vom letzten Jahr (21,7 %) merklich auf aktuell 15,5 % gesunken. Hier spielt wohl auch die momentane Unsicherheit auf den asiatischen Märkten eine wichtige Rolle, besonders der schwelende Handelskrieg zwischen den USA und China.

Es sind gerade jetzt dringend Anreize nötig, um unseren Wirtschaftsstandort Mittelhessen weiter attraktiver zu gestalten. Daher muss auch die Politik investieren, vor allem in den Ausbau der digitalen Infrastruktur im Bereich Breitband und 5G auf der einen und in eine praxisnahe und moderne berufliche Bildung auf der anderen Seite.“

Oliver Rüspeler, Geschäftsführer der Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen GmbH, Giessen: „Exportgeschäft schwächelt wegen der weltpolitischen Herausforderungen –  Unberechenbarer Brexit verunsichert M+E-Branche – Keine neuen Zölle oder Grenzkontrollen einführen“

„Die heimischen Metall- und Elektrounternehmen leiden zunehmend unter den globalen Exporterschwernissen. Die internationalen Handelskonflikte, besonders die Turbulenzen rund um den Brexit sowie die konfrontative Zollpolitik der USA, beeinträchtigen die Wirtschaft. Hübner ist als Weltmarktführer im Bereich der Messtechnik für die Schwerindustrie und mit einem Exportanteil von 75 Prozent besonders von diesen Entwicklungen betroffen.

Hier spricht auch unsere Herbstumfrage eine deutliche Sprache: Der Exportanteil in unseren Unter­nehmen in Mittelhessen ist von 49,4 % in 2018 auf aktuell 44,1 % gesunken. Die Tatsache, dass im Moment zwei Drittel der Betriebe ihr Exportgeschäft momentan noch als ausreichend bewerten, mag im Moment noch tragen. Die Aussichten für das Frühjahr sind aber auch hier deutlich trüber, denn über 40 % der Befragten rechnen mit einem Rückgang der Exporte.

Der freie Handel mit unseren Produkten darf nicht weiter eingeschränkt werden, sondern muss wieder gestärkt werden. Nur so können wir auch weiterhin unsere Stärken auf den Weltmärkten ausspielen. Neue Zölle oder Grenzkontrollen, beispielsweise zwischen der EU und Großbritannien bei einem ungeregelten Brexit, wären eine Wachstumsbremse.“

Sascha Drechsel, Geschäftsführer von HESSENMETALL Mittelhessen: „Beschäftigungszahlen sinken leicht - Unter­nehmen halten trotz Druck die Stammbelegschaft – Politik kann mit vereinfachten Regeln für Kurzarbeit helfen“

„Die heimische M+E-Industrie befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Themen wie die Umsetzung der digitalen Transformation und die E-Mobilität fordern die Unter­nehmen spürbar. Aktuelle Negativschlagzeilen über Insolvenzen und Beschäftigungsabbau machen deutlich, dass nicht alle Betriebe diesem Druck gewachsen sind.

In den an der Umfrage beteiligten Unter­nehmen arbeiten aktuell 19.563 Beschäftigte. Diese Zahl wird sich nach aktueller Einschätzung in den nächsten sechs Monaten um 2,3 % auf 19.112 verringern. Erstmals seit vielen Jahren wird wieder eine Reduzierung des Personals prognostiziert. Dennoch ist zu erkennen, dass die Betriebe versuchen die Stammbelegschaft an Bord zu halten und stattdessen Instrumente wie Überstundenabbau nutzen oder vermehrt Zeitarbeitnehmer freisetzen.

Die Politik ist nun gefragt, den Unter­nehmen beispielsweise durch vereinfachte Regelungen zur Kurzarbeit zu helfen und langfristig sicherzustellen, dass die Sozialversicherungskosten dauerhaft unter 40 Prozent gehalten werden können. Daher sind Ideen, wie eine Grundrente ohne Bedarfsprüfung völlig fehl am Platz, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe geht."

Zurück zur Übersicht