HESSEN­METALL Darmstadt und Südhessen präsentiert Ergebnisse der Herbstumfrage zur Konjunktur 2021 in der südhessischen M+E-Industrie

Erholung wird von Unsicherheit durch Lieferengpässe und Pandemie überschattet // Lau: „Flächendeckende Entlastung zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit erforderlich!“

Dirk Widuch, Gottlieb Hupfer und Claus Lau (v.l.n.r.) präsentierten die Ergebnisse der Herbstwirtschaftsumfrage in der südhessischen M+E-Industrie am 25. November 2021 in Darmstadt.

Darmstadt. „Nach einem sehr schwachen Vorjahr stellt sich in der südhessischen Metall- und Elektroindustrie Erholung ein“, stellte Claus Lau, Vorstandsvorsitzender der HESSEN­METALL Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen bei der Vorstellung der Ergebnisse der diesjährigen Herbstumfrage fest. 60% der Unter­nehmen bewerten ihre aktuelle allgemeine Geschäftslage mit „gut“. „Nach dem Jahr 2020, das die M+E-Industrie hart getroffen hat, verspüren wir zwar Erleichterung, doch 20% der Unter­nehmen bewerten ihre allgemeine Geschäftslage nach wie vor als „schlecht“. Unverändert sind der Strukturwandel und die digitale Transformation die großen Herausforderungen unserer Industrie. Zudem beobachten wir mit Sorge die Pandemieentwicklung“, so Lau weiter.

„Bei den Auftragsbeständen zeigt sich ein ähnliches Bild“, ergänzte Gottlieb Hupfer, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe. „Zwar bewerten 39% der Unter­nehmen diese als „verhältnismäßig groß“, aber auch gut ein Viertel (26%) als „zu gering“. Gefragt nach den Auftragsbeständen in den kommenden sechs Monaten heißt das Urteil bei über der Hälfte der Befragten „unverändert“.
Ein Thema löst besondere Besorgnis bei Hupfer aus. „Lieferengpässe belasten unsere Industrie zurzeit schwer und stellen ein großes Risiko für die weitere Erholung dar. Egal ob Vorprodukte, Rohstoffe oder sonstige Materialien. Die Lieferung ist entweder gar nicht möglich, nicht in ausreichender Menge oder nur zu deutlich gestiegenen Preisen. Eine Verbesserung der Situation ist aktuell nicht absehbar. Dies muss uns eine Warnung für die Zukunft sein. Seitens der Politik müssen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass kritische Teile vermehrt in Deutschland und Europa produziert werden.“

„Zeichen der Erholung sehen wir auch, wenn wir auf die Investitionen schauen“, sagte Claus Lau. „Auch hier sagen 23% der Unter­nehmen, die Höhe der Investitionen in ihrem Unter­nehmen ist aktuell zu gering, aber ebenso groß ist der Anteil derer, die die Investitionshöhe als „verhältnismäßig hoch“ bezeichnen. Ein wichtiges Signal für uns ist, dass mit Blick auf das kommende halbe Jahr die Zahl der Unter­nehmen, die Rationalisierungsinvestitionen als Investitionsschwerpunkt benennen auf 8% zurückgeht und zum Beispiel Produktinvestitionen und Umweltschutzinvestitionen zunehmen werden. Wenn wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten wollen, gilt es diese Tendenz durch flächendeckende Entlastungen für Unter­nehmen zu unterstützen.“

„Ohne gut qualifizierte Fachkräfte werden Strukturwandel und digitale Transformation nicht zu bewältigen sein“, ergänzte Dirk Widuch, Geschäftsführer der HESSEN­METALL Bezirksgruppe Darmstadt und Südhessen mit Blick auf die Beschäftigungslage in der südhessischen M+E-Industrie aus. „Der Beschäftigungsabbau aus dem vergangenen Jahr ist fast gestoppt. Aktuell stellen gut 74% der Unter­nehmen Personal ein. Gesucht wird in allen Unter­nehmensbereichen, von der Produktion (20,6%), über Engineering (14,3%), Vertrieb und Marketing (14,3%), IT (12,7%), bis hin zum Projektmanagement (9,5%). Und wir gehören nach wie vor zu den Industrien mit den attraktivsten Arbeitsbedingungen, sowohl für Auszubildende und dual Studierende als auch für Fachkräfte“.

„Die Lage der südhessischen M+E-Industrie lässt sich mit ‚Licht und Schatten‘ zusammenfassen“, resümiert Widuch. „In welche Richtung das Pendel schließlich ausschlägt, wird zum einen davon abhängen wie wir durch den Pandemiewinter kommen. Die Wirtschaft hat bereits im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie ohne zu zögern ihren Teil zur Pandemiebekämpfung beiträgt. Es liegt an der Politik den Verwaltungsaufwand innerhalb der Unter­nehmen bei der Kontrolle von 3G in vertretbarem Rahmen zu halten. Zum anderen werden die Koalitionsvereinbarungen der Ampel-Parteien richtungsweisend für die Wirtschaft sein. Weder weitere Reglementierung noch Umverteilung werden sich positiv auf die wirtschaftliche Lage auswirken. Zudem lehnen wir jegliche Eingriffe in die Tarifautonomie, wie wir es zum Thema Mindestlohn beobachten, ab.“

Die seit 1989 jährlich durchgeführte Umfrage unter Geschäftsführern südhessischer Metall- und Elektrounternehmen fragt nach der aktuellen Geschäfts-, Auftrags-, Ertrags- und Beschäftigungslage in den Mitgliedsunternehmen sowie nach deren Erwartungen für das nächste Halbjahr.

Von den 159 Mitgliedsunternehmen beteiligten sich mehr als 19,5% mit rund 12.000 Beschäftigten an der aktuellen Umfrage.


Weitere Umfrageergebnisse und Erwartungen:

Die wertmäßigen Umsätze bezeichnen 45% der an der Umfrage Beteiligten als „gut“ und 32% als „ausreichend“. In den kommenden sechs Monaten rechnen 52% nicht mit einer Veränderung, 39% mit einer Steigerung.

Der Exportanteil der Unter­nehmen beträgt im Schnitt 38%. Die Exportschwerpunkte liegen im Euroraum (41%), gefolgt von Nordamerika (24%), Asien (22%) und dem übrigen Europa (13%).

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