Corona und Diebstahl von Desinfektionsmittel

Aktueller Fall

Es ist der Beginn der Corona-Pandemie. In ganz Deutschland ist Desinfektionsmittel knapp. Gleichzeitig wird das Desinfizieren der Hände als eine der wichtigsten Maßnahmen bekannt gemacht...

Es ist der Beginn der Corona-Pandemie. In ganz Deutschland ist Desinfektionsmittel knapp. Gleichzeitig wird das Desinfizieren der Hände als eine der wichtigsten Maßnahmen bekannt gemacht, um das Ansteckungsrisiko auszuschließen. Dem Werkschutz eines Postzustellunternehmens fällt bei einer stichprobenartigen Kontrolle eine ungeöffnete 1-Liter-Flasche Desinfektionsmittel und eine Handtuchrolle im Privat-PKW eines Beschäftigten auf.

Die Fragen des Werkschutzes, weshalb sich Desinfektionsmittel plus Handtuchrolle in seinem Fahrzeug befanden, beantwortet er damit, dass er das Desinfektionsmittel habe "mitnehmen dürfen, um sich unterwegs die Hände zu desinfizieren". Die Arbeitgeberin – zum damaligen Zeitpunkt immer wieder Geschädigte von entwendetem Desinfektionsmittel – zeigte sich über diese Aussage verwundert und verwies auf ihre Aushänge im Sanitärbereich, mit denen ausdrücklich über die Folgen von entwendetem Desinfektionsmittel informiert wurde: Kündigung plus Strafanzeige. Darauf behauptet er weiter, er habe das Desinfektionsmittel für sich und die Kollegen verwenden wollen, da in den Waschräumen gar nicht immer Desinfektion zur Verfügung stand.

Fristlose Kündigung

Der Arbeitgeber kündigt fristlos. Die hiergegen erhobene Kündigungsschutzklage bleibt ohne Erfolg; die Kündigung war zurecht erfolgt, entschied das LAG Düsseldorf am 14. Januar 2021 (5 Sa 483/20).

Dass der Arbeitnehmer das Desinfektionsmittel auch für seine Kollegen habe verwenden wollen, sei unglaubwürdig, denn dann hätte das Mittel nicht in seinem verschlossenen Privatwagen gestanden, sondern auf dem "Materialwagen am Arbeitsplatz".

Der Beschäftigte habe das Desinfektionsmittel entwendet und für sich selbst verwenden wollen, obwohl ihm damit verbundene Versorgungsengpässe bekannt waren, mit denen auch seine Arbeitgeberin zu kämpfen hatte. Damit habe er in Kauf genommen, dass für seine Kollegen nicht ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung stand. Eine Abmahnung vor der fristlosen Kündigung hielt das Gericht nicht für erforderlich. Es habe dem Mann klar sein müssen, dass die unerlaubte Mitnahme des Desinfektionsmittels sein Arbeitsverhältnis gefährdet.

Es gilt danach noch immer die Regel: Wer am Arbeitsplatz klaut, riskiert seinen Job.

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Jörg Hermann

Jörg Hermann
Leiter der Rechtsabteilung
Offenbach und Osthessen