CEO im Interview: Michael Bauerhaus, Geschäftsführer der ATS Gesellschaft für angewandte technische Systeme mbH, Kassel

„Allianzen und Partnerschaften eröffnen Möglichkeiten“

Unser Format „CEO im Interview" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unter­nehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen.

Herr Bauerhaus, seit wann besteht Ihr Unter­nehmen, wie viele Beschäftigte haben Sie, und was bietet das Unter­nehmen?

 

ATS wurde 1986 in den Niederlanden gegründet. Heute repräsentieren weltweit rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unsere Beratungs- und Umsetzungskompetenz im Bereich der Industrieautomatisierung und Fertigungsdigitalisierung. Wenn Sie so wollen, stehen wir für die 3. und die 4. industrielle Revolution. Und gerade die Tatsache, dass wir beide Felder beherrschen, macht uns für unsere Kunden zu einem wertvollen Partner, um durch neue, aber auch durch etablierte Technologien Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Um etwas konkreter zu werden. Nur wenn man die Fertigungsprozesse und das Geschäft seiner Kunden in der notwendigen Tiefe versteht, ist es möglich, optimal hinsichtlich des Einsatzes von moderner Informations- und Automatisierungstechnologie zu beraten. Und genau diese beiden Kompetenzen bringen wir zusammen. Wir unterstützen so beispielsweise einige globale, sehr namenhafte Produktionsunternehmen, aber auch Mittelständler aus der Region u.a. zu Fragestellungen wie man die Produktionseffizienz weiter erhöht, Supply Chain Prozesse optimiert oder seinen Endkunden eigene digitale Services anbietet.

Das sind spannende Felder und die Realisierung solcher Projekte haben oft einen ganz maßgeblichen Einfluss auf den Geschäftserfolg dieser Unter­nehmen.

Jeder redet über die digitale Transformation und die Erfahrung zeigt tatsächlich, dass mit modernen Softwarelösungen, dem Einsatz von Algorithmen der Künstlichen Intelligenz oder Technologie wie Augmented Reality sehr viel erreicht werden kann. Aber längst nicht alles hat einen Reifegrad erreicht, dass ein Einsatz in der Breite empfehlenswert ist. Und genau dies ist ein wesentlicher Aspekt unserer Kundenbeziehungen. Wir wissen, was möglich ist und setzen diese Lösungen auch selbst für unsere Kunden um.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden?

Nach einem Studium der Informatik in Dortmund war ich für verschiedene Consulting- und Softwareunternehmen zunächst in der Beratung und später in verschiedenen Vertriebspositionen tätig. Allen Unter­nehmen war gemein, dass sie Lösungen und Produkte für die Fertigungsoptimierung angeboten haben.

ATS Global kenne ich nun schon seit über 15 Jahren. Als einer der wenigen System Integratoren im Markt, die global aufgestellt sind, war das Unter­nehmen immer schon ein geschätzter Partner für die großen, internationalen Softwarehersteller. Unter anderem natürlich auch für die Unter­nehmen, für die ich tätig war. Als ATS dann einen neuen Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum suchte und ich das Angebot bekam, die Aufgabe zu übernehmen, brauchte ich nicht lange zu überlegen.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Ich habe immer schon sehr gerne Verantwortung übernommen, mich eingebracht, mitgestaltet und vorangetrieben. Das und eine gewisse Leidenschaft für die Dinge, die ich angehe, haben mir sicherlich in meiner Karriere geholfen, erfolgreich zu sein. Als Geschäftsführer hat man natürlich, nicht nur rechtlich gesehen, eine besondere Verantwortung seinen Beschäftigten, Kunden und Gesellschaftern gegenüber.
Ganz wesentlich für den Erfolg ist aber das gesamte Team und schlussendlich bin ich auch in dieser Rolle nur ein Teil vom Team.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Es ist sicherlich nicht ganz falsch zu sagen, dass mit Zunahme der Verantwortung die Freizeit abnimmt. Gutes Management ist aber auch eine Organisation, die gut funktioniert, ohne dass man ständig eingreifen muss. Es gibt also noch Hoffnung auf ein einstelliges Golf-Handicap.
Im Moment versuche ich allerdings, die mir verbleibende Freizeit mit meiner Familie zu verbringen. Außerdem habe ich in Nicht-Pandemie Zeiten auch noch eine Dauerkarte bei Borussia Dortmund.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Aus meiner Sicht haben wir großartige und innovative Unter­nehmen in der Region. Aber es ist sicherlich auch klar, dass wir in einer Zeit leben, die von schnellen und oft schwierig vorhersehbaren Veränderungen geprägt ist. Damit meine ich u.a. sich schnell verändernde Märkte, komplexe und intransparente Supply Chains, neue auf Digitalisierung basierende Geschäftsmodelle und Services.

Die Pandemie hat einige Prozesse beschleunigt, Schwachstellen schneller und deutlicher zutage treten lassen. Die Welt ist kleiner, aber auch komplexer geworden. Ich bin der festen Überzeugung, dass strategische Allianzen und Partnerschaften ein gutes Mittel sein können, sich in vielen Bereichen resistenter und erfolgreicher bei gleichzeitig reduziertem Risiko aufzustellen.

Aus diesem Grund arbeiten wir bei ATS Global sehr eng und strategisch mit den großen Herstellern von Standardsoftware und Automatisierungshardware sowie einigen sehr innovativen Hidden Champions zusammen. Ein sehr gutes Beispiel für einen solchen Hidden Champion ist Inductive Automation, die mit ihrer Ignition Plattform innovative und schnell zu realisierende Digitalisierungskonzepte ermöglichen. Im Bereich der Fertigungsdigitalisierung, aber auch Logistik haben wir hier für einige namenhafte Kunden, auch monetär, sehr erfolgreiche Projekte umgesetzt. Dieses Eco-System wird komplettiert durch einige tolle Unter­nehmen aus der Region. Und tatsächlich sind auch viele unserer Kundenbeziehungen einer Partnerschaft viel näher als einer klassischen Kunden-Lieferantenbeziehung.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?

Die Antwort geht schon ein wenig in die Richtung dessen, was ich zuletzt ausgeführt habe. „Gemeinsam sind wir stärker.“ Es ist wichtig, dass wir, die Unter­nehmen der Region, unsere Interessen bündeln. Nur so haben wir eine Chance Gehör zu finden und mitgestalten zu können. Darüber hinaus sehe ich den AGV aber auch als interessante Plattform zum Informationsaustausch und Wissenstransfer. Die vielen Services und Angebote des AGV sind dann zusätzliche Aspekte, die überzeugend für eine Mitglied­schaft im AGV sprechen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Jede Generation bringt junge Menschen hervor, die mit den richtigen Charaktereigenschaften, dem richtigen Mindset und den richtigen Ideen Innovationen und Unter­nehmen voranbringen. Neben einer fundierten betriebswirtschaftlichen Ausbildung ist es wichtig, dass wir diese Talente fördern, ihnen die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren und sich einzubringen. Wenn ich mir die heutige Gründerszene ansehe, habe ich eigentlich nicht den Eindruck, dass es uns an Ideen oder der grundsätzlichen Motivation mangelt. Schwieriger ist hier sicherlich eine gute Idee zu einem nachhaltigen betriebswirtschaftlichen Erfolg zu führen.

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Kontakt
Frauke Syring, M.A.

Frauke Syring, M.A.
Referentin PR/Kommunikation
Kassel