CEO im Interview: Karsten Stückrath

7 Fragen & 7 Antworten - persönlich, authentisch, unterhaltsam

Im Interview-Format „Fragen an den Geschäftsführer" stellen wir Geschäftsführer und ihre Unternehmen vor. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. Das Interview führte Frau Syring, Pressereferentin des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL Nordhessen.

Herr Stückrath, seit wann besteht das Unternehmen, wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie und was bietet das Unternehmen?

Wir sind ein Traditionsunternehmen, die Schmidt’sche Heißdampf-Gesellschaft wurde im Jahr 1910 von Wilhelm Schmidt in Kassel, Wilhelmshöhe gegründet. Erfolgreich war das Unternehmen von Anfang an: Zuerst mit Dampfüberhitzern, vor allem für Lokomotiven, deren Leistung sich dadurch um etwa 30% steigern ließ und gleichzeitig der Kohleverbrauch gesenkt wurde. Seit den 60er Jahren definierte das Unternehmen seinen Schwerpunkt neu, die Petrochemie rückte in den Fokus. Wir entwickeln und fertigen hoch innovative Apparate zur Herstellung von Basischemikalien, z. B. Ethylen, Wasserstoff, Ammoniak und Methanol, aus denen zum Beispiel Kunststoffe oder Kraftstoffzusätze hergestellt werden. Für diese Herstellungsprozesse sind SCHMIDTSCHE SCHACK Wärmetauschersysteme unverzichtbar. Zusätzlich ermöglichen unsere Anlagen eine größtmögliche Wärmerückgewinnung, die dem Umweltschutz und der Wirtschaftlichkeit der Anlagen Rechnung trägt.

Als Technologieführer sind wir weltweit äußerst erfolgreich. Mit 400 Mitarbeitern, wovon mehr als die Hälfte in Kassel, Nordhessen beschäftigt sind, und Standorten in Düsseldorf, Pittsburgh und Houston in den USA, Kobe in Japan und Shanghai in China, sind wir in der Lage, Kundenbedürfnisse sehr individuell zu erfüllen.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden?

Bereits während meiner Studienzeit an der Universität Kassel im Fachbereich Maschinenbau fand ich besonderes Interesse an chemischen Verfahrenstechniken; damals lag mein Schwerpunkt auf der Kohlepyrolyse und katalytischen Prozessen. Nach drei erlebnisreichen Jahren beim Institut für Solare Energieversorgungstechnik (heute Fraunhofer) ergab sich 1995 die Möglichkeit, bei der ALSTOM Power Energy Recovery GmbH Fuß zu fassen. Nach verschiedenen Etappen als Projektverantwortlicher und im Vertrieb wurde ich letztlich im Februar 2012 Geschäftsführer der ARVOS GmbH l SCHMIDTSCHE SCHACK, ehemals Schmidt’sche Heißdampf-Gesellschaft.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Es liegt in meinem Naturell, Potenziale und Freiräume bestmöglich nutzen und gestalten zu wollen. Hier liegt eindeutig der Fokus auf der richtigen Besetzung von Funktionen und der Personalentwicklung. Teamarbeit zu fordern und zu fördern sowie das gemeinsame Erreichen von Zielen treiben mich an. Die Faktoren für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung sind sehr vielseitig und bringen täglich neue Herausforderungen hervor, denen man sich stellen muss.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Ich bin ein Familienmensch. Freizeit mit meiner Familie zu verbringen ist für mich unverzichtbar und hilft mir, neue Kraft zu tanken. Ob im Winter in den Bergen beim Ski fahren oder im Sommer auf See – mit lieben Menschen um mich herum gelingt es mir am besten, abzuschalten. Nichtsdestotrotz erfordert eine solche Position ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatzbereitschaft – das macht sich dann auch schon Mal in zeitweiligen Unterbrechungen von Urlaubsreisen bemerkbar. Um die beruflichen und privaten Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen, sind eine gute Organisation und strukturiertes Zeitmanagement sowie eine verständnisvolle Familie unverzichtbar.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Schauen wir 15 Jahre zurück und vergleichen mit heute: Wir stellen fest, dass vorhandene Firmen gewachsen und neue dazu gekommen sind. Die Bildungsgrundlagen sind, unter anderem dank der Universität Kassel, größer und besser geworden.

In Hinblick auf die Infrastruktur ist es zwingend erforderlich, die Straßentransportwege zu verbessern, alte Brücken gegen neue mit höherer Tragfähigkeit zu ersetzen, die Ost-West-Trasse auszubauen und vor allem für uns als Unternehmen wichtig, die Weser ab Hann. Münden schiffbar zu halten.

Nordhessen liegt mitten im Herzen Deutschlands und ist nicht nur für die Menschen, die hier leben, sondern auch für Touristen und zukünftige Mitarbeiter, die wir für die Region gewinnen wollen, attraktiv. Wir haben neben der documenta und dem Bergpark mit dem Herkules noch einiges mehr zu bieten - es wäre zu wünschen, dass diese Werte aktiver beworben werden.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden und was schätzen Sie besonders am AGV?

Der AGV bildet das Dach, unter dem sich Unternehmen und Unternehmer begegnen können. Die Angebote zum regelmäßigen Austausch mit Anregungen zu aktuellen und zukunftsweisenden Themen sind vielfältig. Man verfolgt das gemeinsame Interesse, regionale Standorte zu sichern, diese stetig weiterzuentwickeln und anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Die fundierten Erfahrungswerte des AGV in rechtlichen Angelegenheiten, beispielsweise im Arbeitsrecht, stellen zudem bei Bedarf einen sicheren Rückhalt dar.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Zunächst gilt es, jungen Menschen das Wirtschaftsleben zu erklären und es ihnen nahe zu bringen. So kann man in ihnen idealerweise den Wunsch zum Unternehmer wecken. Bei uns wird dies im ersten Schritt durch die Teilnahme am Girls‘ Day angestrebt. Dieser wurde mittlerweile um die vom AGV initiierte Girls‘ Day Akademie erweitert. Auch dieses Pilotprojekt unterstützen wir in Form einer Unternehmensbegehung kombiniert mit einem theoretischen und praktischen Teil sehr gerne.

Um die Integration von Asylbewerbern voranzutreiben, haben im September letzten Jahres fünf junge Männer aus unterschiedlichen Ländern ein Praktikum bei uns begonnen. Was als solches begann, wurde nach drei Monaten zum Arbeitsverhältnis. An dieser Stelle sind zudem auch die regelmäßigen FOS-Praktika, beispielweise in Zusammenarbeit mit der Paul-Julius-von Reuter-Schule, nennenswert.

Außerdem besteht seit langer Zeit eine Kooperation mit der Universität Kassel. Hier vergeben wir Stipendien für Masterstudenten im Fachbereich Maschinenbau.

Wir sollten Möglichkeiten finden, den Jugendlichen umfangreiche Einblicke in wirtschaftliche Abläufe zu ermöglichen. Hier würde ich mir Anregungen von Schulen wünschen, die Schülerinnen und Schüler noch gezielter bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Auch als Elternteil kann man zusätzliche Perspektiven schaffen und Vorbild sein.

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