Arbeitsrechtlicher Irrtum

Unwirksame Kündigung bei Ausspruch während einer Erkrankung

Oft herrscht Unsicherheit darüber, ob eine Kündigung dann wirksam ist, wenn Arbeitnehmer zum Zeitpunkt des Ausspruchs oder Erhalts krank sind.

Im Arbeitsrecht gibt es viele Rechtsirrtümer, die sich hartnäckig halten. So wird auch immer wieder die Frage gestellt, ob eine Kündigung unwirksam ist, wenn sie während einer Erkrankung ausgesprochen wurde bzw. zugegangen ist. Es ist nicht recht erkennbar, woher dieser Irrtum kommt und weshalb er sich hält.

Vielleicht entstammt er dem schweizerischen Arbeitsrecht. Dort gibt es abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit einen Kündigungsschutz beim Zugang von Kündigungen während einer Erkrankung. Ist ein Beschäftigter krank, kann diesem für einen bestimmten Zeitraum nicht gekündigt werden. Dies führt freilich häufig zur "Flucht in die Krankheit", wenn ein Beschäftigter weiß oder ahnt, dass eine Kündigung unterwegs ist.

Eine entsprechende Regelung findet sich im deutschen Arbeitsrecht jedoch nicht.  
Nach deutschem Arbeitsrecht ist eine Kündigung nicht deshalb unwirksam, wenn sie während einer Arbeitsunfähigkeit zugegangen ist. Eine Kündigung kann daher immer auch während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit ausgesprochen werden. Die Kündigungsfrist verlängert sich dabei nicht. Auch durch eine Kündigung während einer Krankheit wird grundsätzlich die Drei-Wochen-Frist zur Erhebung einer Kündigungsschutzklage ausgelöst und verlängert sich normalerweise nicht. Eine Ausnahme kann nur dann gelten, wenn der Beschäftigte aufgrund der Arbeitsunfähigkeit an der Erhebung einer Klage gehindert war, etwa, wenn er schwer krank im Krankenhaus liegt und nicht handeln kann.

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Ansprechpartner
Jörg Hermann

Jörg Hermann
Leiter der Rechtsabteilung
Offenbach und Osthessen