Arbeitgeberverband HESSENMETALL Nordhessen zieht Herbstbilanz

Die Metall- und Elektro-Industrie in Nordhessen zeigt sich weiterhin robust. Auslandsinvestitionen massiv gestiegen.

Kassel. „77% der Mitgliedsunternehmen des Metall- und Elektro-Verbandes in Nordhessen beurteilen ihre allgemeine Geschäftslage als gut bis befriedigend; 8% sogar als sehr gut. 63% gehen davon aus, dass sich dieser Zustand in den nächsten sechs Monaten auf gleichem Niveau halten wird, 21% der Befragten rechnen gar mit einer besseren Geschäftslage. Hingegen befürchten 16% eine schlechtere Entwicklung.
Die positive Entwicklung schlägt sich auch auf Umsätze und Erträge nieder:
24% rechnen mit einer Steigerung in den nächsten sechs Monaten. 61% werden das Ertragsniveau halten. Die Metall- und Elektro-Industrie in Nordhessen zeigt sich trotz geopolitischer Unwägbarkeiten damit weiterhin robust“, kommentiert Carsten Rahier, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL Nordhessen und Geschäftsführer der sera group, die Ergebnisse der diesjährigen Herbstbilanz.

An der Umfrage, die jedes Jahr im Oktober durchgeführt wird, hatte sich mehr als die Hälfte der 141 nordhessischen Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektro-Industrie beteiligt. In diesen Betrieben sind 78% der ca. 24.500 Beschäftigten in den Mitgliedsunternehmen des Verbandes angestellt.

Foto Pressekonferenz Herbstbilanz 2016

stellten den Pressevertretern die Herbstbilanz 2016 vor. Von links: Verbandsgeschäftsführer Jürgen Kümpel, Vorsitzender Dipl.-Wi.-Ing. Carsten Rahier sowie Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Karsten Stückrath.

Ein Vergleich mit der Vorjahresumfrage ergibt, dass sich die im letzten Jahr positive Geschäftslage weiterhin stabilisiert hat und in den nächsten sechs Monaten fortsetzten wird. „Dabei dürfen aber nicht jene Unternehmen unerwähnt bleiben, die eine negative Prognose abgeben. Dies sind immerhin 16% der befragten Unternehmen. In das Jahr 2017 werden einerseits positive Erwartungen gesetzt, andererseits sehen sich die Unternehmen mit zunehmenden Herausforderungen und Unsicherheiten konfrontiert, wie die aktuellen geopolitischen Krisen in der Welt, die Wettbewerbsfähigkeit, der demografische Wandel und die Fachkräftegewinnung am Standort Deutschland. Durch die vorrangig klein- und mittelständische Unternehmensprägung gilt dies insbesondere auch für Nordhessen“, so Rahier weiter.

Umfrageergebnisse im Detail

Die aktuelle Geschäftslage wird von der Hälfte der Befragten mit „gut“ und „sehr gut“ eingeschätzt und liegt damit auf den Werten des Vorjahres. Die Erwartungshaltung für das kommende Halbjahr hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt: Gingen im Herbst 2015 noch 11% von einer besseren bis erheblich besseren Geschäftslage aus, sind es für die nächsten sechs Monate 21%.
Die wertmäßigen Umsätze zeigen für das kommende Halbjahr ebenfalls einen positiven Trend: 24% rechnen mit steigenden Umsätzen. Im letzten Jahr sagten dies nur 19%. Fallende Umsätze erwarten hingegen 19% der Befragten (Vorjahr 25%). Bei der Frage zum Ertragsniveau sind die Antworten nahezu identisch.
Der positive Trend hat Auswirkungen auf die Investitionsfreudigkeit: Sind die Investitionen im Vergleich zum Frühjahr bei 28% der Befragten gestiegen, so werden diese in den nächsten sechs Monaten sogar weiter zunehmen. Das sagen 35% der Unternehmen. Im Vorjahr waren dies noch 28%.
Nach wie vor liegen die Schwerpunkte auf Ersatzinvestitionen und Rationalisierungen. Auffällig ist die Steigerung der Investitionen in Beschäftigung. Machen sie derzeit noch bei 16% des Gesamtvolumens der Investitionen aus, werden sie nach Aussagen der Unternehmen im nächsten Halbjahr auf 21% steigen. Im Vorjahr wurden nur 13% in den Bereich Beschäftigung investiert.
Alarmierend sind die Aussagen zur Frage nach dem Anteil der Auslandsinvestitionen: Knapp 25% des Investitionsvolumens gehen ins Ausland. Der Anteil liegt damit um mehr als das Dreifache höher als im Vorjahr (7%).“ Mit diesen Worten kommentiert das AGV-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der ARVOS GmbH SCHMIDTSCHE SCHACK, Karsten Stückrath, das Verhalten der nordhessischen Unternehmen bei den Auslandsinvestitionen.
„Das kann nur eins bedeuten: Immer mehr Betriebe kommen in Deutschland an ihre finanzielle Belastungsgrenze. Insbesondere durch die Lohnpolitik der vergangenen Jahre und nicht ausreichender Produktivitätssteigerungen mussten die Betriebe kräftig steigende Lohnstückkosten schultern. Die Kostenbelastung untergräbt die internationale Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet Arbeitsplätze im Inland“, so Stückrath weiter.
Schwerpunkte der Auslandsinvestitionen liegen wie auch in den vergangenen Jahren in der Eurozone (51%), gefolgt von Asien (12%), dem übrigen Europa und Nordamerika, je (10%).
Der Exportanteil der Unternehmen ist von 41 auf 44% gestiegen und verteilt sich ähnlich wie in den Vorjahren primär auf den Euroraum und das übrige Europa.
Die Beschäftigungslage ist weiterhin zufriedenstellend, wenngleich sich eine Trendumkehr abzeichnet und das Beschäftigungsniveau leicht sinkt. Das betrifft sowohl die Stammbelegschaften als auch den Anteil an Zeitarbeitnehmern.

AKTUELLE ZUSATZFRAGE
Der zweite Teil der Herbstumfrage beschäftigt sich mit den Investitionsaktivitäten der nordhessischen Metall- und Elektro-Industrie.
Investiert wird aktuell und zukünftig vorrangig in Ausrüstungen wie Maschinen und Geräte. Fahrzeuge spielen eine eher untergeordnete Rolle. Für ein Drittel der Befragten sind die Investitionen in F&E (Forschung & Entwicklung) von besonders hoher Bedeutung.
Jürgen Kümpel, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes: „Jeweils über 50% der befragten Unternehmen kritisieren Überregulierung, hohe Unternehmensabgaben und Energiekosten als politisch verursachte Investitionshemmnisse. Noch höher fallen die Werte bei der Frage nach unternehmensspezifischen Ursachen aus: 75% beklagen den Fachkräftemangel als großes Hemmnis, für 88% bremsen die hohen Arbeitskosten die Investitionen. Auch globale Unsicherheiten sind für über 50% der Befragten ein Hemmnis.“
80% der Befragten reagieren auf die Investitionshemmnisse mit internen strukturellen Anpassungen, 46% beabsichtigen zur Kostensenkung, Investitionen im Ausland zu tätigen.
„Um eine erhöhte Investitionsbereitschaft im Inland zu fördern“, so Kümpel, “müssen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Infrastruktur für die Unternehmen verbessern. Diese belegt auch die Umfrage. 75% der befragten Unternehmen würden mehr investieren, wenn sich die Rahmenbedingungen in diesem Sinnen verbessern würden.“
Eine hohe Bedeutung zur Erhöhung der Investitionsbereitschaft wird vor dem Hintergrund zunehmender Digitalisierung dem Breitbandausbau und der Sicherheit im Datenaustausch beigemessen.

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Kassel