VhU zu den Arbeitsmarktzahlen im Dezember 2016

Pollert: „Unternehmen beschäftigen immer mehr ältere Arbeitnehmer. Politik darf Rente mit 67 nicht mit abschlagsfreien Frührenten torpedieren.“

Frankfurt am Main. Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im Dezember 2016 saisonüblich um 2.328 auf 166.119 gestiegen. Der Arbeitsmarkt befindet sich damit unverändert in bester Verfassung. „Zu den Gewinnern am Arbeitsmarkt gehören erfreulicherweise auch immer mehr Ältere. Inzwischen ist fast jeder Zweite im Alter von 55 Jahren bis zum regulären Rentenalter sozialversichert beschäftigt.

Die hessischen Unternehmen zeigen damit, dass sie die Fachkenntnisse und Erfahrungen älterer Arbeitnehmer schätzen und gerne nutzen. Allerdings muss die Rentenpolitik zum Stufenplan der Rente mit 67 auch konsequent stehen, statt dem Arbeitsmarkt durch abschlagsfreie Rentenzugänge mit 63 oder 65 dringend benötigte Fachkräfte zu entziehen“, kommentierte Dirk Pollert, der neue Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU), die aktuellen Arbeitsmarktzahlen.
Allein in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der sozialversichert Beschäftigten von 55 Jahren bis zum regulären Rentenalter in Hessen um mehr als ein Drittel von rund 300.000 auf knapp 410.000 gestiegen. Es wären sogar noch höhere Beschäftigungszahlen möglich. Jedoch hat die abschlagsfreie Rente mit 63 zahlreiche Ältere vorzeitig aus dem Erwerbsleben geführt (deutschlandweit allein in den Jahren 2014 und 2015 schon über 420.000 Arbeitnehmer). „Die abschlagsfreie Rente mit 63 ist ein unverantwortliches Rentengeschenk zulasten der Fachkräftebasis und auf Kosten der Aktiven. Sie muss – ebenso wie die abschlagsfreie Rente mit 65 – umgehend beendet werden. Die für eine stabile Rentenversicherung unverzichtbare stufenweise Anhebung des Rentenalters auf 67 darf nicht länger durch abschlagsfreie Frührenten torpediert werden“, erklärte Pollert.

Umfragen haben ergeben, dass niemand so zufrieden und motiviert bei der Arbeit ist wie die älteren Arbeitnehmer. Die Menschen in Deutschland bleiben auch immer länger gesund. Nach einer Umfrage des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2014 beurteilt nur rund jeder achte über 65 seinen Gesundheitszustand als schlecht oder sehr schlecht. 2005 war dies noch fast jeder fünfte. Die allermeisten sind sowohl körperlich als auch mental fit für die Arbeit bis 67. „Selbst wer aus gesundheitlichen Gründen in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, muss nicht pauschal abschlagsfrei in Rente geschickt werden. Schon aus Gründen der Generationengerechtigkeit sollte er flexible Übergänge in einen anderen Beruf, eine Rententeilzeit oder notfalls die Erwerbsminderungsrente prüfen. Weiter vorankommen müssen wir bei den Rehabilitationsmaßnahmen. Die Unterstützung durch Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsagentur muss noch besser werden“, sagte Pollert. 

Weiter zu den VhU - Inhalten ...

Zurück zur Übersicht