Rückblick: Hessischer Unternehmertag 2017 mit dem Wettbewerb Hessen-Champions

Rund 1.000 Gäste hörten im Kurhaus Wiesbaden die Impulsvorträge des Opel-Chefs Michael Lohscheller und des Stv. Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir, der den in den Sondierungsgesprächen gebundenen Ministerpräsidenten Volker Bouffier vertrat. Lohscheller skizzierte, wie „die Automobilindustrie jetzt die Zukunft gestalten muss“. Al-Wazir beschrieb, was Hessen als Standort auch in Zukunft attraktiv macht.

„Da wir die Krisen in der Welt nicht beeinflussen können, müssen wir unsere Hausaufgaben am Standort machen. Wenn wir als Gesellschaft eine ausgeglichenere Balance zwischen jüngeren und älteren Menschen und einen stabilen Generationenvertrag wollen, dann stehen wir alle gemeinsam vor der Herausforderung, die demografische Talfahrt umzukehren,“ mit diesen Worten eröffnete VhU-Präsident Wolf Matthias Mang den 26. HUT. Andernfalls werde die Schrumpfung der Bevölkerung auch das Wirtschaftswachstum schrumpfen: bis 2035 von durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr auf dann nur noch 0,75 Prozent Jahr. „Wir sind eine schrumpfende Gesellschaft.

Aber das ist kein Naturgesetz. Wir können diesen Trend umkehren: mit einer Willkommenskultur für Kinder. Sie soll zu einer höheren Geburtenrate beitragen. Diese ist in Deutschland nach Jahrzehnten des Rückgangs 2015 von 1,4 auf 1,5 Kinder pro Frau gestiegen. Bis wir allerdings bei deutlich über 2 Kinder angelangt sein könnten dauert mindestens eine Generation. Aber lieber spät als nie.“ Zu dieser Willkommenskultur für Kinder und Eltern gehöre, die Ehe und die Familie als Fundamente unserer Gesellschaft zu stärken. Beide brauchten als fundamentale Solidar-Gemeinschaften viel mehr Wertschätzung.

Hessen attraktiv für globale Unternehmen

„Hessen ist ein attraktiver Standort für internationale Unternehmen und wie keine andere Region in Mitteleuropa mit der weltwirtschaftlichen Entwicklung verflochten“, sagte der Stellvertretende Hessische Ministerpräsident Tarek Al-Wazir. „Wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung und leben in nie gekanntem Wohlstand. Um dies im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung zu bewahren, müssen wir manches verändern.

Gleichzeitig haben viele Menschen das Gefühl, dass sie von der Teilhabe an diesem Wohlstand ausgeschlossen sind. Wir alle müssen aber ein Interesse daran haben, dass die ganze Gesellschaft wieder überzeugt werden kann, dass Leistung sich lohnt und gesellschaftlicher Aufstieg möglich ist. Bei dieser Aufgabe sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert. Es ist vor allem die Verantwortung der Wirtschaft, auch in einer digitalisierten Welt gute und sichere Arbeitsplätze zu bieten.“

Gesamtpaket Generationengerechtigkeit

„Zum Gesamtpaket Generationengerechtigkeit gehört auch, dass die neue Bundesregierung unter gar keinen Umständen die 40%-Quote der Sozialabgaben überschreitet, also vor allem keine teuren Wahlgeschenke auf Kosten der jüngeren Generationen macht“, so Mang weiter. Deutschland brauche auch ein bedarfsorientiertes Zuwanderungsgesetz für qualifizierte Zuwanderer und müsse bei den bereits Eingewanderten mehr Integrationsbereitschaft einfordern. „Und schließlich führt leider auch kein Weg daran vorbei, dass insgesamt weniger Menschen zur Erwirtschaftung eines Sozialprodukts einer alternden Gesellschaft mehr erwirtschaften müssen.“ Auch die digitale Transformation könne helfen. Mehr digitale Vernetzung und Geschäftsmodelle böten die Chance, den Rückgang des Arbeitskräfteangebots teilweise auszugleichen  (die gesamte Rede).

Hessen-Champions 2017

Daneben wurden während des Unternehmertages die „Hessen-Champions 2017“ ausgezeichnet. Zehn Bewerber hatten es 2017 ins Finale von Hessens angesehenstem Unternehmenswettbewerb geschafft, drei von ihnen erhielten Auszeichnungen in den Kategorien Weltmarktführer, Jobmotor und Innnovation. „Hessen ist ein Land der unternehmerischen Champions und Gründerland Nummer 1 in Deutschland. Mit den Hessen Champions möchten wir besonders kleinen und mittleren Unternehmen eine Plattform bieten, ihre wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu präsentieren“, sagte der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Die Jury hatte die Finalisten aus 65 Kandidaten ausgewählt. „Die Leistungen innovativer Unternehmen prägen die Entwicklung unseres Landes und machen Hessen zu einer Top-Adresse zum Leben und Arbeiten“, sagte der Minister.

VhU-Präsident Wolf Matthias Mang erklärte: „Unsere Vorzeigeunternehmer 2017 sind agile Unternehmer. Agile Unternehmer trainieren ihre Veränderungsbereitschaft ständig. Sie kombinieren das gewohnte auf Effizienz gerichtete hierarchische Erfolgsmodell mit einem zweiten, das Innovation beschleunigt. Mit dieser Zweigleisigkeit schöpfen sie die Weisheit von unten ab. Weil das Unten oft ein Vorne ist: näher am Kunden, näher an den Problemen, deshalb auch näher an den Lösungen.

So werden aus Innovatoren erst Jobmotoren und dann Weltmarktführer.“ Jürgen Zabel, Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Hessen (MBG H) sieht „mittelständische Unternehmen als die treibende Kraft der deutschen Wirtschaft. Insbesondere durch ihre Entwicklungen und Innovationen prägen sie die wesentliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Der Wettbewerb Hessen Champions zeigt einmal mehr, wie hessische Unternehmen durch ihre herausragende Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit die Beschäftigung sichern sowie immer wieder neue Arbeitsplätze in Hessen schaffen.“

Luftfahrtunternehmen als Weltmarktführer

Die Nord-Micro GmbH und Co. OHG aus Frankfurt am Main erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Weltmarktführer. Die Nord-Micro ist ein eigenständiges Luftfahrtunternehmen der UTC Aerospace Systems Gruppe. 481 Mitarbeiter entwickeln, produzieren und warten am Standort Bergen-Enkheim sogenannte Kabinenbedruckungssysteme. Mit Hilfe dieser Regelsysteme können Passagiere in der Flugzeugkabine sicher atmen. Mehr als 80 Prozent aller Großraumflugzeuge werden heute mit Systemen und Komponenten aus Hessen ausgerüstet. „Innerhalb von 20 Jahren hat sich Nord-Micro zum Weltmarktführer entwickelt. Mit seinen Produkten trägt das Unternehmen wesentlich zur Sicherheit und zum Komfort im Flugverkehr bei“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der die Auszeichnung überreichte.

Familienbetrieb auf Erfolgskurs

Gewinner in der Kategorie Jobmotor ist die Lampenwelt GmbH aus dem osthessischen Schlitz. Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 zu Europas erfolgreichstem Online-Fachmarkt für Lampen und Leuchten entwickelt. Die Gründer und Brüder Thomas und Andreas Rebmann führen heute ein international aufgestelltes Unternehmen. „Ich freue mich besonders, dass wir in der Kategorie Jobmotor einen Familienbetrieb auszeichnen konnten“, erklärte VhU-Präsident Mang. „300 Mitarbeiter und 75 neu geschaffene Arbeitsplätze machen Lampenwelt zu einem attraktiven Arbeitgeber in einer strukturschwachen Region.“

Innovative Lösungen und kontinuierliche Weiterentwicklung

Die Wettenberger OptoTech Optikmaschinen GmbH erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Innovation. Das Unternehmen bietet seinen Kunden das international umfassendste Produktprogramm an Maschinen und Anlagen im Bereich der Präzisions- und Brillenoptik. „OptoTech verfügt über eine einzigartige Kompetenz im Bereich Optikbearbeitungsmaschinen und stellt diese mit modernen Verfahrenstechniken unter Beweis“, sagte Jürgen Zabel (MBG H).

Erstklassige Finalisten

Aus 65 beeindruckenden Bewerbungen einzelne Gewinner zu wählen war eine schwierige Aufgabe, so die Mitglieder der Jury einstimmig. „Alle Teilnehmer und insbesondere die zehn Finalisten sind Gewinner. Schließlich konnten sie sich in einem Feld von hervorragenden Kandidaten behaupten“, äußerte sich Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH, für die Jury.

Die Finalisten in der Kategorie Weltmarktführer

EppsteinFoils GmbH & Co KG, Eppstein
Seit 165 Jahren steht das Eppsteiner Unternehmen für technische Folien, hergestellt aus den Metallen Blei und Zinn sowie deren Legierungen. Neben der geringen Dicke zeichnen sich die Folien durch vielfältige Produkteigenschaften wie Sauerstoffundurchlässigkeit, elektrische Leitfähigkeit, Korrosionsbeständigkeit und einen niedrigen Schmelzbereich aus. Anwendung finden die Präzisionsfolien aktuell in der Werkstoffprüfung, Medizintechnik, Elektronik, Verpackungsindustrie und Photovoltaik. Mit dem bestehenden Produktspektrum in den genannten Anwendungsbereichen ist EppsteinFOILS heute weltweit marktführend tätig. Am Standort Eppstein sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Ca. 80 Prozent der Folien werden ins Ausland exportiert.

Präwema Antriebstechnik GmbH, Eschwege
Die PRÄWEMA Antriebstechnik GmbH mit Sitz im nordhessischen Eschwege ist ein Hersteller von Präzisions-Werkzeugmaschinen mit aktuell 280 Mitarbeitern und einem Umsatz von 85 Mio. EURO in 2017. Kernkompetenz von PRÄWEMA ist die Verzahnung, d.h. PRÄWEMA bietet ein breites Spektrum an Sondermaschinen an, auf denen Zahnräder, Wellen oder Synchronteile des Antriebsstrangs bearbeitet werden. Die Hauptkunden von PRÄWEMA sind die weltweite Fahrzeugindustrie (OEMs und Zulieferer).

Die Finalisten in der Kategorie Jobmotor

Eurozyto GmbH, Königstein im Taunus
Im Personalwesen verbindet die Eurozyto die Flexibilität eines Mittelständlers mit den systematischen Prozessen von Großunternehmen und gestaltet so ein attraktives Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter. Entwicklung bestehender Mitarbeiter ist ein wichtiger Schlüssel in der Personalpolitik. Dabei werden gemeinsam mit dem Mitarbeiter in regelmäßigen Feedbackgesprächen Entwicklungsmöglichkeiten diskutiert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

fino digital GmbH, Kassel
fino digital startete im April 2015 und brachte den ersten intelligenten Kontowechsel der Branche online. Waren es 2015 fünf Mitarbeiter und ein Produkt, entwickeln heute fast 50 Mitarbeiter digitale FinTech-Lösungen. Mittlerweile sind fino Services bei über 200 Banken und Verbänden im Einsatz. Bei fino setzt man auf ein junges, kreatives Team und einen konstruktiven Dialog mit seinen Kunden, um Produkte zu schaffen, die die Menschen in einer digitalen Welt erwarten.

Die Finalisten in der Kategorie Innovation

Adaptive Balancing Power GmbH, Darmstadt
Die Adaptive Balancing Power GmbH hat einen innovativen Schwungmassenspeicher und ein neues Geschäftsmodell zur Stabilisierung von Stromnetzen entwickelt. Nach acht Jahren Forschung wurde das Unternehmen im August 2016 aus der TU Darmstadt ausgegründet. Aktuell werden die ersten Pilotprojekte umgesetzt, im zweiten Quartal 2018 wird Europas größtes Schwungmassenspeichersystem mit 1 MW Leistung in England in Betrieb genommen.

Eurozyto GmbH, Königstein im Taunus
Die Eurozyto GmbH ist ein pharmazeutischer Betrieb mit dem Fokus auf innovative Versorgungsformen und stellt Infusionslösungen zum Beispiel für die parenterale Ernährung oder Chemotherapie her. Im Firmenverbund gibt es neben dem pharmazeutischen Spezialgroßhandel Pharventia, mit der Ligetis ein Unternehmen, dass die Versorgung von Patienten managet und über Kooperationspartner sicherstellt. Mit dem innovativen Eurotube verfügt die Eurozyto über ein Produkt, dass das Potential hat einen neuen Standard im Markt zu etablieren.

Schreinerei Torsten Kiefer einzigArt Möbelmanufaktur, Hünfeld

Die Schreinerei Kiefer wurde im Jahre 2000 gegründet. Der Schwerpunkt liegt im Innenausbau auf Bodenverlegung und Parkettaufarbeitung, Zimmertürmontage, Trockenbau und Herstellung von Einbaumöbeln. Bei der Montage von Zimmertüren wurde die Basis gelegt für die Entwicklung des TK-Rahmens. Der Rahmen wurde entwickelt, um die Arbeiten von verschiedenen Handwerkern aufeinander abzustimmen und so die Qualität beim Hausbau zu steigern. Hierfür entstand der Rahmen mit festen Bezugspunkten, der bereits in der Rohbauphase zum Einsatz kommt und somit für präzise Anschlüsse aller angrenzenden Gewerke (von Fliesenleger über Trockenbauer, Estrichleger und Putzer) sorgt.

Auftakt zu Hessen-Champions 2018

Mit der Preisverleihung startete gleichzeitig der Wettbewerb „Hessen-Champions 2018“. Gemeinsam mit der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft mbH (MBG H) werden wieder hessische Firmen gesucht, die in ihrer Branche weltweit führend sind, gemessen an ihrer Größe überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze in Hessen schaffen oder mit innovativen Produkten und Ideen aufwarten. Mit der Organisation des Wettbewerbs ist die Hessen Trade & Invest GmbH beauftragt.

KONTAKT
Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung (HMWEVL)
Wolfgang Harms, 0611 815 2021,
wolfgang.harms@wirtschaft.hessen.de
www.wirtschaft.hessen.de

Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU)
Dr. Ulrich Kirsch, 069 95808 150,
ukirsch@vhu.de
www.vhu.de

Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG H)
Hans Boley, 069 133 850 7840,
hans.boley@mbg-hessen.de
www.mbg-hessen.de

Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI)
Thorsten Schulte, 0611 950 17 8114,
presse@htai.de
www.htai.de

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