Qualifizierungschancengesetz mit Ergänzungen des Arbeit-von-morgen-Gesetzes

Das Qualifizierungschancengesetz (QCG) ist am 01.01.19 in Kraft getreten mit der Zielsetzung, Beschäftigte im Zuge des Arbeitsmarktwandels unabhängig von Qualifikation, Alter und Betriebsgröße weiterzubilden und staatlich zu fördern. Seit dem 01.10.20 wurden diese Förderleistungen durch das Arbeit-von-morgen-Gesetz weiter verbessert für besonders vom Strukturwandel betroffene Beschäftigte und Betriebe. Es besteht durch das Gesetz keine Verpflichtung für Unter­nehmen, einer Weiterbildung zuzustimmen oder eine entsprechende Weiterbildung anzubieten.

Die Qualifizierungsförderung zielt insbesondere auf Beschäftigte in Unter­nehmen, die eine berufliche Tätigkeit ausüben, die

  • durch Technologien ersetzt werden können,
  • in sonstiger Weise von Strukturwandel betroffen sind oder
  • die eine berufliche Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben, also in einem Beruf, in dem Fachkräftemangel besteht.

Unter­nehmen können seit dem 01.10.20 von höheren finanziellen Zuschüssen profitieren, die abhängig von der Betriebsgröße sind. Dies betrifft zum einen die Weiterbildungskosten selbst und zum anderen das Arbeitsentgelt während der Weiterbildung.

  • Höhe der Zuschüsse für Unter­nehmen < 10 Beschäftigte:
    bis zu 100% der Weiterbildungskosten,
    bis zu 90% des Arbeitsentgelts während der Weiterbildungsphase
     
  • Höhe der Zuschüsse für Unter­nehmen < 250 Beschäftigte:
    bis zu 65% der Weiterbildungskosten und des Arbeitsentgelts während der Weiterbildungsphase,
    bis zu 100% für Beschäftigte ab 45 Jahren und für schwerbehinderte Menschen
     
  • Höhe der Zuschüsse für Unter­nehmen > 250 Beschäftigte:
    bis zu 40% der Weiterbildungskosten und des Arbeitsentgelts während der Weiterbildungsphase
     
  • Höhe der Zuschüsse für Unter­nehmen > 2.500 Beschäftigte:
    bis zu 30% der Weiterbildungskosten,
    bis zu 40% des Arbeitsentgelts während der Weiterbildungsphase

Unabhängig von der Unter­nehmensgröße erhalten Unter­nehmen bis zu 100% des Arbeitsentgelts erstattet für Beschäftigte, die bislang keinen Berufsabschluss haben und eine berufsabschlussbezogene Weiterbildung absolvieren.

Des Weiteren gelten seit 01.10.20 folgende weitere Förderungsmöglichkeiten:

  • Wenn mind. 20% der Beschäftigten eines Betriebs einer Weiterbildung bedarf, werden die Zuschüsse zu Weiterbildungskosten und Arbeitsentgelt unabhängig von der Betriebsgröße um jeweils 10 Prozentpunkte erhöht.
    Bei KMU (10 bis 250 Beschäftigte) kann der Zuschuss bereits erhöht werden, wenn mindestens 10% der Beschäftigten eine Weiterbildung benötigen.
  • Bei Vorliegen einer Betriebsvereinbarung zur beruflichen Weiterbildung oder eines Tarifvertrages, der betriebsbezogen berufliche Weiterbildung vorsieht, wird zudem eine um 5 Prozentpunkte höhere Förderung für Weiterbildungskosten und Arbeitsentgelt geleistet, unabhängig von der Betriebsgröße.
  • Bei einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme, deren zeitlicher Umfang mindestens 50% der Arbeitsausfallzeit beträgt, können die vom Arbeitgeber allein zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge auf Antrag zur Hälfte von der Bundesagentur für Arbeit für Beschäftigte erstattet werden, wenn diese vor dem 31. Juli 2023 Kurzarbeitergeld beziehen.

Um die Zuschüsse zu erhalten, müssen von Unter­nehmen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ko-Finanzierung durch den Arbeitgeber (Ausnahmen für bestimmte Gruppen wie ältere oder schwerbehinderte Beschäftigte)
  • Mindestdauer der Weiterbildungsmaßnahme: 120 Stunden
  • Förderfähige Weiterbildungen:
    • durchgeführt außerhalb des Betriebes bzw. von einem zugelassenen Träger im Betrieb
    • zu deren Durchführung der Arbeitgeber aufgrund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen nicht verpflichtet ist
    • die nicht bereits nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz grundsätzlich förderfähig sind

Weitere Informationen erhalten Sie beim Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit, der mit dem Qualifizierungschancengesetz seine Beratungsleistungen für Unter­nehmen ausweitet. Den Arbeitgeberservice erreichen Sie unter der gebührenfreien Nummer 0800/4555520.
Seit 01.01.2021 kann ein Sammelantrag bei der Agentur für Arbeit vom Arbeitgeber gestellt werden unter der Voraussetzung, dass hinsichtlich Qualifikation, Bildungsziel oder Weiterbildungsbedarf eine Vergleichbarkeit besteht und das Einverständnis der Beschäftigten oder der Betriebsvertretung vorliegt. Der Arbeitgeber kann somit eine Bewilligung über die Gesamtleistung erhalten, mit der die entstehenden Qualifizierungskosten der Beschäftigten gefördert werden. Weitere Informationen zum Sammelantrag für eine Weiterbildungsförderung Ihrer Beschäftigten und das Formular des Sammelantrags finden Sie >> hier im Serviceportal

Die Rechtsnorm für die Förderung ist

  • das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung (Qualifizierungschancengesetz) und in Ergänzung
  • das Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz).