Interview zur Fortbildung „Digitalisierungsfachkraft in der Produktion“

HESSEN­METALL-Interview mit dem Vorsitzenden der BWHW-Geschäftsführung Joachim Disser zum Erfolgsfaktor Digitalisierungs-Know-how und zum neuen  Lehrgang Digitalisierungsfachkraft.

Herr Disser, das Know-how in der Digitalisierung der Produktion wird zum Erfolgsfaktor. Wo sehen Sie die großen Potenziale für die Unter­nehmen?

Die digitale Transformation mit all dem, was unter Industrie 4.0 verstanden wird, bietet eine ganze Reihe an Potenzialen, die nicht „nice to have“ sind, sondern zu Schlüsselfaktoren werden, um weiterhin erfolgreich und zukunftsfähig zu sein.
Wenn ich es in aller Kürze zusammenfassen soll, würde ich es so beschreiben: Den Unter­nehmen stehen effizientere und flexiblere Produktionsmodelle zur Verfügung. Sie können sich neue Vertriebswege, Geschäftsbeziehungen und Geschäftsmodelle erschließen und damit auch ihr Leistungs- und Serviceportfolio ausweiten. Das Digitalisierungs-Know-how in der Produktion erleichtert schließlich auch die Individualisierung von Produkten. All dies sind zentrale Teile des Potenzials im Zuge der Digitalisierung.

Das Vorantreiben der Digitalisierung spielt also eine zentrale Rolle für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit vieler Unter­nehmen. Sind die digitalen Transformationsprozesse für Unter­nehmen und ihre Beschäftigten nicht auch eine besondere Herausforderung?

Das sind sie in der Tat – und zwar für Unter­nehmen wie auch für ihre Beschäftigten. Hier wirken mehrere Faktoren zusammen: Die digitale Transformation wurde eine ganze Weile nicht von allen Unter­nehmen als so bedeutend wahrgenommen, wie sie in deren Branche sein wird. Kurioserweise spielt dabei möglicherweise auch der Erfolg der vergangenen Dekade eine Rolle. Manche Unter­nehmen waren mit dem Bearbeiten ihrer Aufträge so beschäftigt, dass für den anstehenden Transformationsprozess kaum Zeit blieb. Da könnte – ein nur scheinbares Paradox – die gegenwärtige Krise der Pandemie hilfreich sein, um sich nun für die Zukunft aufzustellen. Denn dies geht nicht ohne die Beschäftigten. Sie zu qualifizieren, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, dürfte auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels das dringendste Gebot sein. Wir beobachten bereits einen zunehmenden Wettbewerb um Digitalisierungsexperten.

Wie steht es mit dem nötigen Fachwissen der Beschäftigten?

Das sieht bei aller Unterschiedlichkeit in weiten Teilen verbesserungswürdig aus. Insgesamt fühlen sich noch nicht genug Unter­nehmen hinreichend qualifiziert. Sie brauchen Mitarbeitende auf Experten-Niveau und eine größere Menge jener, die den Transformationsprozess verstehen und ihn ins Unter­nehmen zu implementieren helfen. Neben allem Fachwissen ist es wichtig auch die weitere Belegschaft mitzunehmen. Wir haben genau hierfür gemeinsam mit Bosch Rexroth eine passende Fortbildung entwickelt. Sie heißt  „Digitalisierungsfachkraft in der Produktion“ und ist so angelegt, dass sie mit Online- und Präsenzmodulen ideal auch in Zeiten geringerer Produktivität, während Home-Office und Kurzarbeit, wahrgenommen werden kann.

Welche Inhalte werden in dem Lehrgang zur zertifizierten Digitalisierungsfachkraft vermittelt?

Inhaltlich orientierten wir uns an dem, was uns Unter­nehmen als Bedarfe mitteilten. Neben den Grundlagen zu Industrie 4.0 spielen Software Tools und entsprechende Skills eine Rolle. Es geht um vernetzte Produktionsprozesse, ebenso aber auch um das wichtige Thema IT-Sicherheit. In einem weiteren Modul gehen wir auch auf neue Arbeitsformen örtlich verteilter Teams ein. Hier schöpfen wir aus Erfahrungen der Pandemiebekämpfung und sehen, was davon künftig bleibt. Denn aus der Not entstand auch manche Tugend, wie Prozesse aus der Ferne zu steuern und auf Mitarbeitende einzugehen, die von Zuhause arbeiten. Letztendlich werfen wir aber auch einen Blick auf das Thema künstliche Intelligenz und runden damit den modular aufgebauten Kurs ab. Er dauert 121 Stunden und ist inhaltlich, wie auch durch die wechselnden Online- und Präsenzphasen, sowohl informativ als auch abwechslungsreich.

Wird der Lehrgang staatlich gefördert?

Danke für diese wichtige Frage. Das will ich nicht vergessen zu erwähnen. Der Gesetzgeber hat den dringenden Qualifizierungsbedarf zur künftigen Konkurrenzfähigkeit unserer Unter­nehmen erkannt und fördert diesen Lehrgang umfangreich. Wir sind als Bildungswerk ein anerkannter Träger und diese Fortbildung selbst wurde AZAV-zertifiziert. Das sind die wichtigsten Voraussetzungen zur staatlichen Förderfähigkeit. Die Unter­nehmen können, in Abhängigkeit etwa der Betriebsgröße, eine umfangreiche Förderung der Lehrgangskosten, wie auch des Arbeitsentgelts, bei der Agentur für Arbeit beantragen. Hierfür empfehle ich, sich vom dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur beraten zu lassen, um die größtmögliche Förderung des Staates in Anspruch nehmen zu können. Unsere Berater können mit den Unter­nehmen schauen, was sich vielleicht sonst noch an Weiterbildungen für deren Mitarbeitende empfehlen könnte.

Es gibt also noch weiterführende Lehrgänge?

Ja, durchaus. In Kooperation mit Bosch Rexroth und der Technischen Universität Darmstadt bieten wir für die ebenfalls notwendigen Spezialisten den  Zertifikatslehrgang „Industrie 4.0 – von Mitarbeitenden zu Digitalisierungsexperten“ an und ergänzen damit unser Digitalisierungs-Portfolio.

Was beinhaltet denn das Portfolio des Bildungswerks noch?

Neben unserem umfangreichen Seminarangebot der Bildungswerk-Gruppe, etwa im Bildungshaus Bad Nauheim, haben wir – der aktuellen Situation Rechnung tragend – aktuell über 500 Online-Fortbildungen in unserem Angebot. Das geht über technische und gewerbliche Themen, IT- und kaufmännischen Schulungen bis zu Angeboten für Vertrieb, Marketing und Kommunikation. Aber auch zu Gesundheit, Qualitätsmanagement und Persönlichkeitsentwicklung finden Sie zahlreiche Weiterbildungen. Das Beste ist: Die Fortbildungen sind alle AZAV-zertifiziert und damit gesetzlich förderfähig!

Jetzt informieren und Fachkräfte qualifizieren.

Kontakt:

  

     Bildungswerk der Hessischen
     Wirtschaft                      
     Matthias Rust
     069 95808-255
     rust.matthias@bwhw.de