Editorial

Liebe Mitglieder!

Die Tarifrunde hat begonnen. Sie wird schwierig. Wir können sie nur gemeinsam meistern.

  • Am 14. September startete die IG Metall Mitte die Diskussion über die Forderungen, am 10. Oktober gab der IG Metall-Vorstand seine Forderungsempfehlungen an die Regionen ab. Wir haben diese unter Hinweis auf die zu stemmenden gewaltigen Herausforderungen wie die digitale Transformation und die unsere Industrie über Jahre beschäftigende Umstellung auf neue Antriebe wie Elektromobilität zurückgewiesen. Denn zur Zukunftssicherung brauchen unsere Unternehmen erhebliche Investitionen. Wenn wir wollen, dass diese nicht ins Ausland fließen, sondern in unseren Standort, dann dürfen wir seine große Schwachstelle nicht weiter vertiefen: Wir haben ein handfestes Kostenproblem. Und die Kombination aus hoher Lohnforderung und einer Arbeitszeitverkürzung mit horrenden Kosten verschärft dieses Problem weiter. Dieser falsche Weg gefährdet den Standort und den Flächentarifvertrag und fördert den Fachkräftemangel.

  • Am 24. Oktober werden die Regionen der IG Metall zurückmelden, damit am 26. Oktober der IG Metall-Vorstand den Forderungsbeschluss uns Arbeitgebern übermitteln kann. Große Änderungen gegenüber der Forderungsempfehlung sind wohl leider nicht mehr zu erwarten. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, dass wir gemeinsam Ihre Mitarbeiter und die Öffentlichkeit über die Wirkzusammenhänge und Konsequenzen solcher Kostensteigerungen und Ansprüche informieren.

  • Am 16. November startet dann unsere 1. Tarifverhandlung im Bezirk Mitte zusammen mit unseren Schwesterverbänden von M+E MITTE aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland für 400.000 Beschäftigte. Wir bitten Sie um aktives Mitmachen bei unserer Tarifkommunikation landauf und landab zum Wohl unserer gemeinsamen Sache. Insbesondere Ihre eigene Kommunikation in Ihrem Unternehmen ist Chefsache. Hierzu bieten wir Ihnen Argumente, Musterreden, eine Tarifrunden-Website, ein Newsletter-Special mit vielen laufend aktualisierten und erweiterten Informationen und Kampagnenmodulen. Wir brauchen Sie in allen kommenden Phasen als überzeugende Streiter insbesondere in Richtung Ihrer Belegschaften. Und im Idealfall auch für glaubwürdige Geschichten in den Medien.

Tarifrunde 2017/18

In einem neu eingerichteten Websitebereich finden Sie unsere Positionen, Publikationen, den Zeitplan und ab dem 26. Oktober auch die Kampagnenbausteine, Musterreden, kurz alles, was Sie für Ihre Belegschaftsinformation brauchen können.

In diesem Jahr holen wir die Motivation für den dringend erforderlichen Appell zum Maßhalten nicht aus der Gegenwart, sondern aus der Zukunft: „Lieber Zukunft gestalten statt Kostensteigerungen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährden.“ Unser Narrativ zur Tarifrunde lautet: Die M+E-Industrie hat allen Unsicherheiten getrotzt und steht heute gut da. Wenn wir wollen, dass es gut bleibt, müssen wir uns entscheidend verändern. All das erfordert erhebliche Investitionen. Der notwendige Spielraum für diese Investitionen muss erwirtschaftet werden.

Welche Herausforderungen haben unsere Mitgliedsunternehmen in ihren Branchen zu bewältigen? Dazu zwei Beispiele: der Flugzeugkomponentenbauer Diehl Aerospace und der Autozulieferer Erich Jäger.

„Wir bei Diehl Aerospace müssen bei der Entwicklung in Vorlage gehen …

…und verdienen erst, wenn sich die Flugzeuge gut verkaufen“, erklärt Christoph Ubach, Standortleiter Frankfurt. Auch die forschende Pharmaindustrie kennt dieses unternehme-rische Risiko. Aber in der Luftfahrt-Industrie ist es besonders groß, weil der Zulieferer das komplette Risiko der Flugzeugbauer mittragen muss.

90 Jahre Erich Jaeger:  67 Jahre Mitgliedschaft

„Durch die digitale Vernetzung von Fahrzeugen und die Anforderungen, die mit autonomem Fahren und E-Mobilität entstehen, wird Steckverbindern zur Datenüber¬tragung und Batterie-ladung die Zukunft gehören“, zeigte sich Geschäftsführer Wolfgang Wiese überzeugt. Für HESSENMETALL machte Friedrich Avenarius auf dem Jubiläumspodium zur „Zukunft des Automobils“ mit dem bekannten Autoexperten Prof. Dudenhöfer klar: „Zur Reduktion des Kohlendioxidausstoßes und Erreichung unserer ehrgeizigen Klimaziele ist und bleibt der Diesel im Motoren-Mix unverzichtbar“.


Zur Herausforderung unseres Standorts bietet der aktuell vorgelegte Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland interessante Einsichten.

M+E-Industrie sorgt für 8 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland

Der Strukturbericht zeigt Deutschland im Standortvergleich auf Platz 7 im Niveau-Ranking, im Dynamik-Ranking auf Platz 22: Mit günstigen Platzierungen in den Kategorien Markt, Ressourcen, Wissen, Governance und Infrastruktur, aber mit sehr schlechten Plätzen 35 und 36 bei den Kosten. Zum anderen bietet er auf Basis einer repräsentativen Umfrage erstmals eine Quantifizierung der Investitionen in die Digitalisierung an: Schon heute investieren 11 Prozent der deutschen M+E-Unternehmen mehr als 6 Prozent ihres Umsatzes, in 5 Jahren werden es sogar 40 Prozent der Unternehmen sein.

Aus der juristischen Werkstatt unserer 32 Syndikus-Rechtsanwälte, überwiegend Fachanwälte für Arbeitsrecht, finden Sie aktuell zwei neue Beiträge:

Der Betriebsrat darf Schulungen und Tarifpolitik nicht vermischen

Eine gute Nachricht für unsere Mitglieder hat Martina Stüting aus unserer Bezirksgruppe Mittelhessen: Wenn der Betriebsrat seine Sitzungen und Schulungen nicht klar auseinanderhält, hat er keinen Anspruch auf Kostenerstattung gegenüber dem Arbeitgeber.

BAG: Zur Möglichkeit der Befristung durch Vergleich

Das BAG bestätigt mit Urteil vom 21.03.2017 (AZR 369/15) seine Rechtsprechung zur Möglichkeit der Befristung durch gerichtlichen Vergleich. Der Vergleich muss aber vom Gericht vorgeschlagen werden. Wenn das Gericht einen Anwaltsvorschlag nur billigt, gilt das nicht als Vergleich, informiert Dr. Daniela Görge.

6 Prüfbausteine der VhU zur Regierungserklärung Lorz

Die VhU hat die Bemühungen des Kultusministers um bessere Personalausstattung gelobt. Die hessische Wirtshaft fordert aber, das Qualitätsmanagement systematisch zu verbessern und die Digitalisierung mehr zu forcieren.


Ich wünsche Ihnen einen schönen und erntereichen Herbst!

Bleiben Sie uns gewogen!

Herzliche Grüße

Ihr Dirk Pollert

Ansprechpartner
Dirk Pollert

Dirk Pollert
Hauptgeschäftsführer