Corporate Learning 4.0

 

Industrie 4.0 bezeichnet in erster Linie eine Revolution in der industriellen Produktion. Aber mit den Produktionssystemen werden sich auch die Arbeitsweise und die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens und zwischen Unternehmen und seinen Stakeholdern verändern. Damit entstehen neue Anforderungen an die Kompetenzen der Mitarbeiter. Diese Kompetenzen werden jedoch nicht in den alten Strukturen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung erworben. Auch die Aus- und Weiterbildung wird sich der neuen Instrumente bedienen, die Industrie 4.0 bereitstellt.

Corporate Learning befindet sich im Umbruch zur Lernkultur 4.0. Wissen und Kompetenzen entstehen im Arbeitsprozess selbst. Wir können nicht mehr im Voraus bestimmen, welche Fähigkeiten Mitarbeiter in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt brauchen werden. Mitarbeiter müssen immer mehr in der Lage sein, selbst ihren Lern- und Entwicklungsbedarf zu erkennen und nach Wegen suchen, wie sie sich die notwendigen Fähigkeiten aneignen können. Die Rolle der Personalentwicklung wandelt sich vom „Entwickler“ der Mitarbeiter zum „Ermöglicher von Entwicklungen“.


Diese Thesen vom CorporateLearningCamp 2016  fassen die wesentlichen Herausforderungen zusammen.

Was kommt auf uns zu?

  • Digitalisierung: Zukünftige, selbständig agierende Computer, die ähnlich wie Menschen, Problemstellungen erfassen, analysieren, bewerten und unter Nutzung der Möglichkeiten des Netzes lösen können.
  • Industrie 4.0: In 5 Jahren wird der Anteil der Wertschöpfung, der auf digitalen Geschäftsmodellen beruht, von heute 20 % auf 80 % wachsen. Die Strukturen und Prozesse in den meisten Unternehmen wandeln sich fundamental.
  • Arbeit 4.0: Die Arbeit verändert sich aufgrund der Digitalisierung radikal. In den kommenden zwei Jahrzehnten wird die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze verschwinden. Gleichzeitig werden neue Berufe entstehen, die wir noch nicht kennen.

Wie wird Corporate Learning darauf reagieren?

  • Die Mitarbeiter benötigen Kompetenzen: Die Fähigkeit, heute (meist noch unbekannte) Herausforderungen im Arbeitsprozess selbstorganisiert und kreativ lösen zu können.
  • Die Mitarbeiter benötigen digitale Kompetenzen: Die Fähigkeit, Herausforderungen in der Arbeits- und Lebenswelt mit Hilfe digitaler Systeme selbstorganisiert und kreativ lösen zu können.
  • Wissensorientiertes Lernen auf Vorrat („Bulimielernen“) ist sinnlos.
  • Lernen in Seminaren mit gerade mal 7 % Umsetzungsquote in die Praxis ist sinnlos.
  • Kompetenzentwicklung kann nur selbstorganisiert in realen Herausforderungen erfolgen; Kompetenzen müssen reifen.
  • Selbstorganisiertes Lernen erfordert eine „Ermöglichungsdidaktik“, die der Singularität der Menschen gerecht wird.
  • Kompetenzentwicklung erfordert einen mobil nutzbaren „Ermöglichungsrahmen“, der ein Spiegelbild der (zukünftigen) Arbeitswelt ist.
  • Zunehmend wird das Lernen im Netz (in der Cloud) stattfinden, indem kollaborativ Problemlösungen entwickelt werden, Erfahrungswissen ausgetauscht und weiterentwickelt wird.
  • Dies bedingt eine Arbeits- und Lernkultur, mit eigenverantwortlichem Lernen, Führungskräften als Entwicklungspartner (Mentoren), Lernbegleitung, kollaborativem Arbeiten und Lernen, Austausch von Erfahrungswissen, Co-Coaching.
  • Die heutige (zentralistisch orientierte) Personalentwicklung wandelt sich zu einem Kompetenzmanagement, das personalisierte Kompetenzentwicklung ermöglicht.
  • Learning Professionals benötigen grundlegend veränderte Kompetenzen.


Ansprechpartner
Charlotte Venema

Charlotte Venema
Betriebliche Personalpolitik