Attraktive Arbeitgebermarken

Wie attraktive Arbeitgeber in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie ihre Arbeitgebermarke auf Industrie 4.0 ausrichten

„Bereits ein Viertel unserer hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen können ihre offenen Stellen nicht mehr planmäßig besetzen. In Zeiten des „War for Talents“ und einer radikalen Digitalisierung der Geschäfte und Arbeitsbeziehungen wird es immer wichtiger, sich mit einer profilierten Arbeitgebermarke zu präsentieren. Das gilt umso mehr bei kleinen und mittleren Unternehmen, die es naturgemäß schwerer haben als große Konzerne, von Bewerbern wahrgenommen zu werden“, eröffnete Wolf Matthias Mang, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL die jährliche Spitzenveranstaltung HESSENFORUM mit 200 Gästen.

Wie eine solche Arbeitgebermarke aufgebaut, gelebt und transportiert wird, darüber diskutierten Andreas Fiedler von Fritz Winter, Marc Irmisch von Monster, Winfried Neuschäfer von Neuschäfer Elektronik, Gerd Ohl von Limtronik, Carsten Rahier von sera group sowie Ulrich Schumacher von Opel.

„Eine Arbeitgebermarke lässt sich nicht von oben herab verordnen. Sie muss mit den Mitarbeitern entwickelt und gepflegt werden, authentisch sein und aus dem genetischen Code der Marke selbst kommen“, fasste Mang den Konsens in Hessens größter Industrie zusammen. Mit Blick auf Industrie 4.0 präzisierte er: „Die menschenlose Fabrik wird es nicht geben. Erst in der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter wird eine Fabrik smart: Wir werden also einen Prozess erleben, in dem Arbeit nicht verschwindet, sondern sich ändert“. Deutschland stehe mit seiner Industrie 4.0-Plattform im Wettbewerb zum amerikanischen Industrial Internet-Consortium (IIC). Hier der ingenieurgetriebene Ansatz, der an technischer Optimierung bastelt. Dort der marktgetriebene Ansatz, der den Endkunden im Blick hat. „Nötig ist das Beste aus beiden Welten, mit maßgeschneidertem Zuschnitt für das eigene Unternehmen. Wir Deutsche haben 100 Jahre Erfahrung mit Prozesswissen, Big Data gibt es seit 5 Jahren. Also muss es uns gelingen, Big Data in Prozesswissen zu übersetzen“.

„Die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter passend zu einer Technik zu schaffen, die sich rasant weiter entwickelt, ist die große Herausforderung für ein traditionelles Gießereiunternehmen“, meint Andreas Fiedler, Personalleiter der Fritz Winter Eisengießerei in Stadtallendorf, die Gussteile für fast alle Automobilhersteller der Welt anfertigt. „Wechseln bei uns Mitarbeiter aus traditionellen Abteilungen, wie z.B. den Kernmachereien, in unsere roboterbetriebenen Fertigungsanlagen, haben sie einen Heidenrespekt vor der modernen Technik. Es ist unsere Aufgabe, diesen Kollegen die Ängste zu nehmen und sie so vorzubereiten, dass sie die neuen Aufgaben annehmen und am Ball bleiben. Das in Einklang zu bringen mit einem Betriebsklima, in dem sich die Menschen wohl und anerkannt fühlen, ist entscheidend.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video

„Opel versteht sich als Wegbereiter der digitalen Vernetzung. Die Digitalisierung beeinflusst diegesamte automobile Wertschöpfungskette und macht Prozesse schon heute effizienter und effektiver. Roboter, Maschinen, Systeme und Menschen sind vernetzt – in der Logistik, der Produktion, der Qualifizierung und sogar bei Design und Entwicklung. 3D-Drucker, kollaborierende Roboter, Produktionssteuerung über Smartphone, Augmented Reality – Industrie 4.0 ist bei Opel in vielen Unternehmensbereichen schon heute gelebte Wirklichkeit“, sagt Ulrich Schumacher, Vorstandssprecher und Arbeitsdirektor der Adam Opel AG in Rüsselsheim. „Das begeistert die Menschen und macht uns attraktiv für junge Kolleginnen und Kollegen, stellt aber auch besondere Anforderungen an die Mitarbeiter. Denn die Geschwindigkeit von Veränderungen ist hoch. Wir müssen uns ständig weiterentwickeln.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video

Um Fachkräfte für Industrie 4.0 zu gewinnen, bedarf es einer ausgefeilten Arbeitgebermarke. Was Nachfrager schätzen, weiß Experte Marc Irmisch genau. Er ist Geschäftsführer der Monster Worldwide Deutschland GmbH in Eschborn: „Basismerkmale wie gutes Arbeitsklima und ansprechende Gehälter werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Fehlen sie, wird der Arbeitgeber sofort unattraktiv. Punkten kann man auf der Leistungsebene mit guter Weiterbildung und Karrieremöglichkeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wirkliche Begeisterung löst man bei Bewerbern aus mit Angeboten, die keiner erwartet, z.B. mit Home Office und flachen Hierarchien. Hier geht die Attraktivität steil nach oben und man sticht aus den Mitbewerbern deutlich hervor. Aber Employer Branding heißt auch, Mitarbeiter zu behalten! Wer die wirklich guten Leute bekommen will, muss sich gut verkaufen, aber die Versprechen müssen auch stimmen. Denn oft kommt ein neuer Mitarbeiter wegen der tollen Arbeitgebermarke und geht wegen schlechter Vorgesetzter.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video

„Einen guten Arbeitgeber zeichnet aus, dass die Menschen bei ihm gerne zur Arbeit gehen. Für mich steht der Wohlfühlfaktor an erster Stelle. Lob und Anerkennung sind für viele Menschen sehr viel wichtiger als Geld, das natürlich auch stimmen muss. Wir achten bei uns deshalb auf ein außergewöhnliches Ambiente, setzen auf hochwertige Materialien und viel Licht. Fast alle Türen sind aus Glas. Im Flur läuft Jazz-Musik, wir haben Grünpflanzen und stellen Kunst aus. Unsere Firma hat fast schon ein bisschen Hotelcharakter und wir betrachten unsere Mitarbeiter auch in gewisser Form als unsere Gäste“, beschreibt der Geschäftsführende Gesellschafter Winfried Neuschäfer die Arbeitgebermarke Neuschäfer Elektronik. „Um aber die Basis unseres Erfolgs, unsere wertschätzende Unternehmenskultur, wirklich zu erfassen, muss man uns besuchen, denn es ist ein ganz besonderer Wohlfühl-Geist, der bei Neuschäfer weht.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video

„Innovation, Wertschätzung und Vertrauen. Das sind die Grundpfeiler auf denen die Unternehmenskultur der sera group GmbH beruht“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter Carsten Rahier. „Sie finden Einzug in all unser Tun. Deswegen gibt es neben einem fairen Lohn nicht nur vielfältige Karrieremöglichkeiten, Weiterbildung, individuelle Förderung und Alterssicherung – wir ermöglichen auch Homeoffice, dort wo es geht, und arbeiten in einer schlanken zweistufigen Hierarchie. Wir haben einen Room of Inspiration zur Förderung der Kreativität und einen Room of Body and Soul, in dem wir interne Yoga- oder Pilates-Kurse anbieten. Zusammen mit Vertrauensarbeit und einer Kultur des Du begeistern wir so die Menschen unseres jungen Unternehmens schon in 3. Generation.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video

„Wir sind bereits bei Industrie 3.8 angekommen. Bis zur Industrie 4.0 ist es nur noch ein kleiner Schritt“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Gerd Ohl von Limtronik, einem mittelständischen Elektronik-Alleskönner aus Limburg. „2010 haben wir unsere ‚Smart Electronic Factory‘ errichtet. Sie wird als Forschungs- und Demonstrationsplattform für Industrie 4.0-Lösungen in einer real produzierenden Fabrik genutzt. Die cloudfähigen Systeme steuern Anlagen und Maschinen, die untereinander selbstständig Daten austauschen und sich an Auftragslage und Fertigungsbedingungen orientieren. Alles wird dokumentiert und ausgewertet, um Abläufe zu optimieren und Kosten über die gesamte Lieferkette zu reduzieren. „Dafür brauchen wir bestens ausgebildete, teamfähige Mitarbeiter, die Ideen entwickeln und in die Prozesse einbringen. Der Mensch muss mit der Maschine interagieren. Nur wenn das gut klappt, funktioniert unsere smarte Fabrik.“ Weiter zum kompletten Interview plus Video