Chefumfrage Exklusivbericht - So packen wir es in diesem Jahr

Hessens Metall- und Elektro-Industrie erwartet leichten Aufschwung und will investieren – aber Arbeitskosten und der Fachkräftemangel bereiten ihr Sorgen

Gut investiert: Bei Fritz Winter in Stadtallendorf steht eine der modernsten Gießereien weltweit

Frankfurt. Die Stimmung in der hessischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) ist im Vergleich zum Vorjahr gut. Sie geht optimistisch ins neue Jahr – trotz anhaltender weltweiter Schwächetendenzen und politischer Unsicherheiten. Die Investitionen nehmen erneut zu, aber acht sich wechselseitig verstärkende Investitionsbremsen fördern strukturelle Anpassungen und führen zu mehr Investitionen im Ausland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, in der der Arbeitgeberverband Hessenmetall im November die Chefs seiner Mitgliedsunternehmen nach der wirtschaftlichen Situation und der weiteren Entwicklung befragt hat. 225 Firmen mit knapp 93 000 Beschäftigten haben sich daran beteiligt.

Rund 900 Stellen seit dem Frühjahr 2016 geschaffen
Der Jahresumsatz von Hessens größter Industrie wird voraussichtlich 56,5 Milliarden Euro betragen. Fast 47 Prozent der teilnehmenden Betriebe beurteilen ihre Lage im Herbst 2016 als gut bis sehr gut, 43 Prozent mit befriedigend und nur 10 Prozent als schlecht oder sogar sehr schlecht. Befragt nach dem Ausblick auf das Frühjahr 2017 rechnen 21 Prozent mit einer Verbesserung, nur 10 Prozent mit einer Verschlechterung. Fast 70 Prozent erwarten eine vergleichbare Situation wie im Herbst.

Bei den Auftragsbeständen überwiegt Zuversicht. Nur 18 Prozent halten sie aktuell für zu gering. Auch bei den Umsätzen befürchten nur 12 Prozent bis zum Frühjahr einen Rückgang der Geschäfte, alle anderen gehen von gleichbleibendem (55 Prozent) oder sogar mehr Umsatz aus. Allerdings bleiben die Unternehmen bei den Erträgen vorsichtig. Nur 19 Prozent glauben, dass sie steigen werden.

Seit dem Frühjahr 2016 wurden in den befragten Unternehmen rund 900 Stellen geschaffen, mehr als die Hälfte davon in der Produktion. Die insgesamt positive Entwicklung hat damit zu einem Anstieg der Beschäftigtenzahl in Höhe von 1 Prozent geführt. Der Verband erklärt diese Entwicklung unter anderem mit einem „Hortungseffekt“ im Vorgriff auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel und den Aufbau von Personal zur Steuerung der ausgebauten Auslandsaktivitäten.

Nach den Ergebnissen der Sonderfrage zu den Investitionen gab im Herbst fast jeder dritte Befragte mehr dafür aus als noch im Frühjahr 2016. Über die Hälfte glaubt, dass sie die Höhe ihrer Investitionen auch im ersten Halbjahr 2017 halten wird. Fast ein Drittel plant sogar, mehr Geld dafür auszugeben, knapp 14 Prozent weniger.

Großprojekte stellen Weichen fürs Wachstum

Neubau: Hier entsteht das neue Produktions- und Logistikzentrum von HBM in Darmstadt.

Das Geld wird vorrangig für die Produktion sowie neue Maschinen und Anlagen ausgegeben, aber auch in Gebäude und Ausstattungen sowie in Forschung und Entwicklung gesteckt. Landesweit machten 2016 etliche M+E-Unternehmen durch große Projekte von sich reden, die durch ihre Investition als klares Bekenntnis zum Standort Hessen zu sehen sind. So eröffnete Opel in Rüsselsheim nach zwei Jahren Bauzeit ein hochmodernes Entwicklungszentrum für Antriebssysteme. 210 Millionen Euro flossen in das siebenstöckige Test- und Entwicklungsgebäude, in dem mehr als 800 Ingenieure und Techniker arbeiten.

In Winterkasten im Odenwald bezog 2016 das Familienunternehmen Kopp Schleiftechnik ein neues Firmengebäude, nachdem die alte Werkhalle des Betriebs zu klein geworden war.


In Betrieb: Das neue Produktions- und Bürogebäude von Kopp Schleiftechnik in Winterkasten.


Der Messtechnik-Spezialist HBM feierte im Sommer in Darmstadt den Spatenstich für ein neues Produktions- und Logistikzentrum, und Airbus Helicopters Deutschland baut seinen Standort am Kassel Airport aus.

53 Prozent der Exporte gehen in den Euro-Raum

Obwohl solche und andere Investitionen zugunsten des Standorts in Hessen zunehmen, passen sich laut Umfage immer mehr den strukturellen Veränderungen an und investieren im Ausland, um Kosten zu senken und dort den Absatz zu steigern.

Grafik: Was Investitionen am meisten bremst


Hessenmetall macht acht sich wechselseitig verstärkende Gründe dafür verantwortlich. So bremsen vor allem die hohen Arbeitskosten und der Fachkräftemangel die Investitionen. Weitere Hemmnisse reichen von weltweiten Unsicherheiten und Regulierungen bis hin zu den zu starren Arbeitszeiten. „Eine investitionsfreundlichere Politik, die am Standort Wachstum sichert zur Finanzierung des Sozialstaats, wird deshalb unser Thema werden im Bundestagswahljahr 2017 und im Landtagswahljahr 2018“, heißt es bei Hessenmetall. Maja Becker

Pressemeldungen vom 7. Dezember 2016:

Investitionsaktivitäten der hessischen M+E-Industrie
Stimmung und Lage in der hessischen M+E-Industrie


 

Chancen nutzen - Wie Unternehmer die wirtschaftliche Lage beurteilen: