Personalpolitik und Corporate Learning

"Lernen" ist in Zeiten technologischer Umbrüche eines der wichtigsten Themen für Unternehmen. Wir lernen ständig. Der größte Teil unseres neuen Wissens und unserer Kompetenz entsteht jedoch nicht in formalen Lernangeboten, wie Seminaren und Schulungen, sondern im Arbeitsalltag. Durch Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten, durch den Austausch mit Experten, über Internetforen und Chats. Professionelle Netzwerke erhalten durch das Internet eine immer größere Bedeutung.

Einmal im Jahr laden wir eine breite Fachöffentlichkeit zum Corporate Learning Camp (CLC) in der Frankfurt University of Applied Sciences ein. Die Form des Barcamps hat sich gerade für den professionellen Austausch und für die Entwicklung neuer Netzwerke bewährt.

Corporate Learning Camp 2017 - CLC17

Die digitale Transformation in der Weiterbildung

Das Corporate Learning Camp 2017 (CLC17) stand unter dem Motto "Lernen und Entwickeln im digitalen Zeitalter“. Es ist eine bundesweite Plattform der Wirtschaft mit einem hessischen Schwerpunkt zum Austausch. In den zwei Tagen gestalten die rund 300 „Teilgeber“, so werden die Anwesenden aufgrund ihrer Doppelfunktion als Sessionanbieter und -nachfrager konsequent betitelt, selbst die Tagesordnung. Dies garantiert eine hohe Aktualität.

Im Vorfeld des CLC 2017 haben acht internationale Unternehmen - Aareal Bank, Audi, Bosch, Continental, DNV GL Oil & Gas, Merck, Ottobock, Viessmann  - gemeinsam mit einem Netzwerk der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) über eine permanente Onlineplattform mit 1.200 Teilnehmern bereits über zehn Wochen diskutiert. Zusätzlich bieten HESSENMETALL und die VhU die Webseite www.colearn.de als Diskussionsplattform und Fundgrube für Best Practice über Hessen hinaus für alle Unternehmen und Fachleute an.
Die Kommunikation, der Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie die Weiterbildung werden mehr und mehr in unternehmensinternen sozialen Netzwerken (Enterprise Social Network) stattfinden. Dadurch werden Unternehmen innovativer und schneller, ermöglichen einen ständigen Austausch aller Mitarbeiter und überwinden nationale Grenzen und Zeitzonen. Dies stellte den Rahmen für das von HESSENMETALL und der VhU veranstaltete CLC17 in der Frankfurter University of Applied Sciences dar.

Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter ständig weiterbilden. Aktuell sind die Herausforderungen besonders groß, weil die Digitalisierung zu neuen Technologien, Geschäftsmodellen, Produktionsprozessen führt und die digitalen Medien integriert. Das verändert unser Leben, Arbeiten und Lernen erheblich.

Zur Entstehungsgeschichte des CLC: 2007 begann der Arbeitgeberverband Hessenmetall, zunächst für Mitgliedsunternehmen, dann für einen immer vielfältigeren Kreis von Unternehmen aller Branchen, ein überbetriebliches Netzwerk aufzubauen, die „Corporate Learning Community“. Das Ziel war Wissenstransfer, aber auch, neue Ideen zu entwickeln.

Nach zehn Jahren funktioniert das tragende Konzept noch immer: Es gibt weder eine verbindliche Agenda noch externe Referenten, sondern es ist völlig ausreichend, oder besser gesagt wesentlich produktiver, das bei den teilnehmenden Professionals vorhandene Wissen zu nutzen und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln. Die Arbeit an aktuellen Aufgaben aus der betrieblichen Praxis steht im Mittelpunkt der Treffen.

2010 kam als jährlicher, zweitägiger Event das „Corporate Learning Camp“ hinzu (in Kooperation mit der VhU und der Frankfurt University of Applied Sciences). Auch 2017 kommt diese Veranstaltung ohne vorbereitete Agenda und externe Referenten aus. Nach der Barcamp-Methode schreibt der Moderator die Agenda zu Beginn der beiden Tage gemeinsam mit den Teilgebern, die auch den nötigen Input zu jedem Thema liefern. Viele Unternehmen haben seitdem die Barcamp-Methode für interne Veranstaltungen übernommen.


Trotz der großen Zahl an Teilgebern zeichneten sich einige klare Trends in der Auswahl der Themen ab. Zum einen waren klassische Lernthemen gefragt, vor allem mit Bezug auf Sicherung und Umsetzung des erlernten Wissens. Des Weiteren war die Implementierung einer neuen, digitalen Lernkultur in einem teilweise durchaus widerständigem Umfeld eine Problemstellung, die viele Teilgeber umtrieb. Schließlich waren die praktischen Sessions mit großem Anteil an Vermittlung technischen Know-hows äußerst beliebt; von der Erstellung eines Podcasts, über die Anleitung zum professionellen Videodreh mit dem eigenen Smartphone bis hin zu konkreten IT-Lösungen beispielsweise für E-Learning-Plattformen war die ganze Bandbreite digitaler Kanäle auf dem Sessionplan zu finden.

Setzten die einen auf eine engere Verbindung von Innovation und Lernen, "Learnagility" und verbesserte Medienkompetenzen, ging es den anderen um verbesserte Lernberatung, „Vertrauenslernzeit“ und Sensibilisierung der Führungskräfte. Die Unternehmen konnten ihre Arbeitsschwerpunkte mit einer breiten Fachöffentlichkeit diskutieren und wertvolle Rückmeldungen für ihre Weiterentwicklung gewinnen.

Die Rückmeldung der Teilgeber war durchweg positiv. Vor allem das Niveau der Diskussionen wurde immer wieder hervorgehoben. Zwar sind nicht alle gleich weit in der persönlichen bzw. der unternehmerischen Entwicklung, aber das Vokabular ist mittlerweile bekannt und die Gespräche erfolgen weitgehend auf inhaltlicher Augenhöhe. Größtenteils ging es um eine individuelle, moderne und an den Herausforderungen der nahe liegenden Zukunft orientierten Qualifizierung. Weiterhin wurde das Jahresprogramm der Organisatoren gelobt, welches neben dem CLC17 auch noch den MOOCathon im Frühjahr, vielen Online Diskussionen und die Entstehung von regionalen LernCommunities enthielt und so das ganze Spektrum an betrieblicher Weiterbildung abdeckte. Es konnte auf allen Ebenen und in vielen Formaten gelernt, diskutiert und sich weiterentwickelt werden.

Als ein Fazit der Veranstaltungen lässt sich sagen: Veränderte Kommunikation ist zwingend notwendig! Wir leben auch in den Unternehmen in einem durch die digitale Transformation geprägten Wandel. Daraus entwickelt sich auch die Notwendigkeit, dass wir anders lernen müssen. Das heißt für alle Beteiligten, dass sie sich ändern müssen: Lernende, Lehrende und die dazugehörigen Institutionen (Unternehmen, Schulen, Anbieter). Der vermeintliche Gegensatz von analogem und digitalem Lernen ist eine falsche Wahrnehmung. Es ergeben sich vielmehr zahlreiche Möglichkeiten, beide Welten im jeweiligen Setting hervorragend einzusetzen und zu nutzen – so entsteht der Mehrwert.

Mehr Informationen und weitere Berichte unter www.colearn.de

Ansprechpartner
Charlotte Venema

Charlotte Venema
Betriebliche Personalpolitik