Hessenforum 2010 Referenteninterviews


„Was haben andere Menschen davon, dass es mich gibt?“

Was ein enges Zusammenwirken von Unternehmensleitung und Mitarbeitern
wert ist, hat vielen Marktteilnehmern die letzte Krise gezeigt. Andere brauchten
dafür keine Krise.

Ein Gespräch mit Franz-Josef Fischer, Geschäftsführender Gesellschafter der Jäger-Fischer GmbH & Co. KG, Jäger Direkt, Reichelsheim


Wer mit Franz-Josef Fischer spricht, kann sich seinem Bann nur schlecht entziehen. Man merkt sofort: Hier steht einer, der von seinem Konzept beseelt ist. Hier steht ein „Menschenfänger“, der in der Lage ist, andere mitzuziehen, zu begeistern und sie wachsen zu lassen. Franz-Josef Fischer ist davon überzeugt, dass in jedem Menschen Talente stecken, die nur geweckt und aktiviert werden müssen. Und er ist davon überzeugt, dass im Miteinander dieser Menschen und ihrer Talente ein ungeheures Potential steckt. Man muss nur für ein wirkliches Miteinander sorgen – wie in einer Familie. Der Erfolg gibt ihm recht. Gemeinsam mit seinem Partner hat er aus einer Garagenfirma seit 1990 ein Unternehmen mit heute 170 Beschäftigten und einem Umsatz von 36 Millionen Euro gemacht, davon drei Millionen in den Niederlanden und drei Millionen in Österreich. Fischer wollte gemeinsam mit seinem Partner Thomas Jäger ein unverwechselbares Unternehmen schaffen. Das ist ihnen gelungen. Wer durch das Unternehmen geht, merkt, dass hier wirklich der Mensch im Mittelpunkt steht, wie es in den Firmengrundsätzen heißt. Die Mitarbeiter werden individuell gefördert und nach ihren Stärken eingesetzt. Gemeinsam mit den Kunden werden neue Ideen entwickelt und umgesetzt. Und gemeinsam engagiert man sich auch in sozialen Projekten, der Strahlemann-Initiative. Das alles verbindet und schafft eine gemeinsame Haltung. Auch sie ist definiert. Selbst den Fußboden ziert die gemeinsame Devise: "Gut drauf."

Franz-Josef Fischer ist aber auch kühl kalkulierender Unternehmer. Anders wäre sein Erfolg auch nicht möglich gewesen. Er folgt einer klaren Strategie, die er in seinem Geschäftsmodell konsequent umsetzt. Er hat es in den zwanzig Jahren des Bestehens von Jäger Direkt nicht verlassen, sondern allenfalls perfektioniert. Geführt wird das Unternehmen auf Basis von einer gelebten Vision "Mit Herz & Seele gemeinsam Menschen begeistern" und Werten wie Wertschätzung, Anerkennung, Zuverlässigkeit, Dankbarkeit und Menschlichkeit. Für alle relevanten Bereiche gibt es klare Kennzahlen und eine Balance-Scorecard wo klare Entwicklungsziele definiert sind und nachgehalten werden, denn Offenheit und Ehrlichkeit sind auch Werte die im Zusammenspiel mit den Mitunternehmern gelebt werden. Jäger & Fischer haben ein Ziel klar im Blick: "Im Jahr 2020 wollen wir 100 Millionen Umsatz mit 500 Mitarbeitern erzielen." Fischer und sein Partner Jäger haben dafür gesorgt, dass an der Realisierung dieses Ziels alle im Unternehmen mitarbeiten. Schon 2003 hat man bei Jäger Direkt eine Mitarbeiter-Beteiligung eingeführt. Sie besteht aus einer monatlichen Erfolgsbeteiligung und einer jährlichen Gewinnbeteiligung. Alle Mitarbeiter kennen die Zahlen. Jeder weiß, woran er ist und kann selbst Einfluss nehmen, denn einer der Leitsätze heißt "Ich bin Unternehmen im Unternehmen, und stehe im Mittelpunkt"!

Als Hersteller von elektrotechnischen Produkten hat Jäger Direkt sich auf das Segment der Hausinstallation und der Baustelleneinrichtung konzentriert. „Man braucht einen klaren Geschäftsfokus, wenn man erfolgreich sein will. Das fördert zum einen die Entwicklung von speziellem Know-how und besonderen Kompetenzen, und zum anderen schafft es Orientierung und Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden. Das ist enorm wichtig. Zuverlässigkeit und Vertrauen sind zwei Werte, die Fischer und Jäger wichtig sind – im zwischenmenschlichen Bereich wie im Geschäftsmodell. Deshalb hat man in den letzten Jahren auch ein Prinzip rigoros umgesetzt: "Wir liefern ausschließlich an das Elektrohandwerk – und wenn wir ausschließlich sagen, meinen wir das auch so. Bei uns gilt: Finger weg vom Kunden unserer Kunden. Dass wir uns daran halten, wissen unsere Handwerksbetriebe, und sie honorieren es mit einer hohen Bindung an uns."

Dieser eindeutige Geschäftsfokus wird durch eine ebenso eindeutige Konzentration auf das Qualitätssegment ergänzt: "Wir verfolgen eine qualitätsorientierte Sortimentstrategie und wir setzen bewusst auf Made in Germany. Was nutzt es einem Handwerker, wenn ihm seine Kabeltrommel beim Herunterfallen auf der Baustelle kaputt geht und er los muss, um eine neue zu kaufen? Die Zeit, die er damit verliert, sind für ihn Kosten – so teuer kann eine Kabeltrommel von höchster Qualität gar nicht sein.“ Jäger Direkt setzt auf diese Qualität. Produktion in Deutschland und strenge Qualitätskriterien, die auch Einzelstückprüfungen vor der Auslieferung umfassen. Das erlaubt es, dem Kunden bis zu zehn Jahre Garantie zu gewähren. Dieser Weg soll fortgesetzt werden. Aktuell plant Jäger Direkt 2013 eine Fabrik an der Bergstraße und will dort die Produktion ausdehnen und mit der Logistik zusammenführen.

Diese geplante Erweiterung nicht am Stammsitz in Reichelsheim im Odenwald sondern an der Bergstraße zeigt einen anderen Aspekt des Geschäftsmodells: Die Kundennähe. Jäger Direkt wurde für seine starke Kundenorientierung bereits 2mal mit dem Titel „Kundenchampion“ der Zeitschrift „Impulse“ geehrt. Mit der Fabrik an der Bergstraße will man einerseits die Lieferzeiten verkürzen, weil der Standort mit seiner unmittelbaren Nähe zu Autobahn und Schiene logistisch besser angebunden ist. Zum zweiten ist man für die Kunden auch leichter erreichbar.

Innovation ist ein wichtiges Thema für Jäger Direkt. Dabei konzentriert man sich auf neue aber auch pragmatische Lösungen: “Uns Deutschen wird immer vorgeworfen, wir machten unsere Ideen so kompliziert, dass man sie kaum umsetzen kann. Die Amerikaner wiederum haben vielleicht nicht so umfassende Ideen und begnügen sich auch schon mal mit einer halben Lösung, können sie aber wundervoll in Produkte umsetzen und vermarkten. Wir versuchen das Beste aus beiden Welten zu vereinen.“
Dafür hat Fischer und Jäger einen eigenen Innovationsprozess installiert, in den auch der Kunde stark eingebunden ist. Rückmeldungen, Anregungen und Ideen, die vom Kunden kommen, werden ausgewertet und in den Prozess der Produktentwicklung eingespielt. „Wir haben ein eigenes Innovations-Produktmanagement. In diesem sitzen überwiegend ehemalige Elektriker, die eine kaufmännische Zusatzausbildung gemacht haben. Sie beherrschen sowohl das technische Know-how der Baustelle als auch die kaufmännischen Anforderungen an ein Produkt. Aus dem Ideendreieck Kunde, eigenes Produktmanagement und Lieferanten entwickeln wir neue Produkte, wie jetzt unsere intelligente Gebäudesteuerung OPUS greenNet.“ Das macht sich nicht zuletzt in einem umfangreichen Sortiment deutlich. Jäger Direkt hat heute ca. 6.000 Produkte im Katalog und stellt noch einmal rund 5.000 auf Basis individueller Bestellungen her: Unser Ziel ist es, unser eigenes Herstellungs-Sortiment peu à peu immer stärker auszudehnen, um dem Kunden für seine Probleme ein genau passende Lösung anzubieten.“

Intern wird ebenfalls der Innovationsgedanke stark gefördert. Bereits vor acht Jahren hat man ein Ideenmanagement eingeführt. Mitarbeiter mit Verbesserungsvorschlägen oder mit neuen Produktideen werden am Erfolg beteiligt. Selbst bei Ideen, die nicht umgesetzt werden, wird ein Anerkennungsbetrag in die Abteilungskasse gegeben, um die Motivation hoch zu halten, sich mit Fortschrittsüberlegungen zu befassen. „Ursprünglich kam das Konzept aus der Lehrlingsausbildung. Das hat dazu geführt, dass diejenigen, die damals Auszubildende waren, heute das Ganze fördern und weitertragen.“

Auszubildende sind Teil der wohl stärksten Innovation Fischers. Sie sind Teil seiner Konzepte, die auf den Menschen abzielen. Zweimal wurde Jäger Direkt bereits für die beste Ausbildung in Deutschland mit dem „Ausbildungs-Ass“ ausgezeichnet. Das liegt nicht nur an der Qualität dieser Ausbildung. Es liegt vor allem an der ungewöhnlichen Rekrutierung der Jugendlichen. Fischer hält nichts vom Lamentieren über die immer schlechtere Qualität der Schulabgänger, wie es allenorten zu hören ist. Getreu seinem Motto: „Nicht reden, sondern handeln“ setzt er bewusst auch auf Jugendliche, die bisher eine eher schwierige Entwicklung hinter sich gebracht haben. Mindesten 25% der jährlichen Neueinstellungen kommen aus dem Bereich „Strahlemann“. Hinzu kommen diejenigen, die ein Einstiegsqualifizierungsjahr durchlaufen. Gerade diese Gruppen werden gezielt nach ihren Talenten gefördert. „Wir haben im Rahmen der Strahlemann-Initiative einen Talentcheck speziell für die sozial benachteiligten Jugendlichen entwickelt, um ihre tatsächlichen Neigungen herauszubekommen. Wir haben dabei festgestellt, dass kaum ein Jugendlicher wirklich weiß, wo seine Talente liegen.“ Neben diesem Talentcheck durchlaufen alle Ausbildungsaspiranten zunächst ein zweiwöchiges Praktikum, ohne das es keine Lehrstelle bei Jäger Direkt gibt. Fischer ist stolz darauf, ein Konzept entwickelt zu haben, das die Menschen abholt. Dieses Konzept basiert vor allem auf Wertschätzung – eine Erfahrung, die viele Jugendlichen bisher nicht gemacht haben und die sie daher auch nicht gegenüber sich selbst aufbringen. Diese Wertschätzung wird ihnen bei Jäger Direkt entgegengebracht und man unterstützt sie in ihrer Entwicklung: „Jeden Dienstag ist hier Nachhilfeunterricht. Ab Note drei im Abgangszeugnis ist eine Teilnahme Pflicht, ansonsten ist die Teilnahme freiwillig.“

Eine zentrale Rolle für Fischer spielt die bereits genannte „Strahlemann-Initiative“. „Eines Tages kam ein Hauptschullehrer auf mich zu und sagte: Herr Fischer, Sie machen viele Aktionen, um Kindern und Jugendlichen in ärmeren Ländern zu helfen. Ich habe ein Problem: Ich habe in diesem Jahr 26 Jugendliche, die die Hauptschule verlassen und keiner hat eine Lehrstelle.“ Fischer setzte sich mit dem Lehrer Holz hin und entwickelte ein Paten-Konzept, wie diese Jugendlichen vermittelt werden konnten. Alle 26 konnten vermittelt werden. Der Lohn war das goldene Ausbildungs-Ass für die beste Initiative 2003.
Unter dem Dach der Strahlemann-Iniative, gegründet am 9.3.2002 haben sich regionale, mittelständische Unternehmer zusammengefunden, um Förderprojekte für Kinder und Jugendliche zu starten. Mit dem nationalen Ausbildungsprojekt "Jobs für Jugendliche" wurden bereits über 500 Schüler erfolgreich bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle und dem Übergang in den Beruf begleitet. Aber auch international ist die Initiative unterwegs in Indien wurde ein Kinderheim gebaut und in Haiti wird eines 2010 noch gebaut.
Seit der Gründung der Strahlemann-Stiftung im Jahr 2008 mit über 50 Unternehmern wurde die Initiative professioneller und konnte durch die Förderung vom BIBB 4 Mit¬arbeiter sowie 2 Azubis einstellen. Jeder Mitarbeiter oder Auszubildende von Jäger Direkt, der Lust hat mitzumachen, kann sich freiwillig engagieren. Eine Mitarbeiterin ist gerade aus dem Strahlemann-Kinderheim in Indien zurückgekommen und ein Azubi hat die Projektleitung beim Strahlemann-Kinderheim Haiti übernommen.
Wenn auch Sie die Strahlemann-Initiative unterstützen möchten finden Sie unter www.strahlemann-initiative.de oder www.strahlemann-stiftung alle notwendigen Informationen.

Aber bei allem sozialen Engagement – im unternehmerischen Umfeld achtet Fischer darauf, dass die Balance stimmt. Auf das Gleichgewicht von Fördern und Fordern legt er größten Wert: „Wir bringen jedem Azubi 100 Prozent Vertrauen entgegen. Dieses Vertrauen kann er nur selbst zerstören. Wir haben klare Spielregeln die gerade in der Ausbildung von allen Azubis einzuhalten sind. Im Traumfirma Seminar lernen bereits die Azubis aber auch die Mitarbeiter, dass der Kunde das Gehalt zahlt und das säen vor ernten kommt, deshalb lautet ein weiterer Leitsatz „Ich begeistere Kunden und Lieferanten“!

Bei Jäger Direkt ist man davon überzeugt, dass die heutigen Auszubildenden die Zukunft des Unternehmens darstellen und man handelt danach. Deshalb kümmert sich Fischer auch selbst stark um dieses Thema. Derzeit bereitet er eine Werbekampagne für den Nachwuchs an Schulen und Hochschulen vor, die gemeinsam mit einer Hochschulpraktikantin entwickelt wurde. Der Claim trägt unverkennbar Fischers Handschrift: „Erfolgreich nur mit Dir!“ Ein Ausbildungsfilm ist ebenfalls in Vorbereitung, denn wir wollen die Talente von morgen für uns gewinnen.

Wenn Sie mehr über das Erfolgskonzept der Zukunft wissen wollen machen Sie sich schlau unter www.jaeger-direkt.de oder www.gutdrauf-karriere.de



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