Win-Win-Win-Win-Win-Situation Zeitarbeit
Erwiderung von Volker Fasbender auf offenen Brief von Armin Schild
18.03.2011
An Herrn Armin Schild
IG Metall Bezirksleitung Frankfurt Bezirksleitung, Wilhelm-Leuschner-Str. 93 60329 Frankfurt am Main
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Sehr geehrter Herr Schild,
Ihr Schreiben vom 15. März habe ich erhalten. In der Tat haben wir einen gewaltigen Dissens zwischen Arbeitgebern und Vertretern der Arbeitnehmerschaft über den Jobmotor Zeitarbeit. Sie und Ihre Organisation werfen uns Arbeitgebern vor, systematisch die Arbeitswelt durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse „schlechter zu machen“. Herr Huber spricht gar von einem „Sabotageakt gegen den Standort“, von einem „Dumpingwettlauf zulasten der Menschen“ – und das ist nur das, was Gewerkschafter schreiben.
Wenn wir alles hören würden, was sie reden, müssten uns wahrscheinlich noch ganz anders die Ohren klingeln. Vor dem 24. Februar bin ich 2 Wochen lang jeden Morgen unter einem Spruchband der IG Metall über der Hanauer Landstraße in Frankfurt hindurch gefahren: „Leiharbeit verbieten. IG Metall“ und habe mich darüber geärgert. Und jetzt kommen Sie und die IG Metall uns mit der Goldwaage? Wir gestehen, wir sind doch sehr überrascht. Wir dachten bislang immer: Wer so austeilt, muss auch einstecken können.
Wir haben gemeinsam sehr gut und sehr pragmatisch in einer gewaltigen Krise unseren Unternehmen geholfen, sie unterstützt und daran mitgearbeitet, dass wir in der Metall- und Elektro-Industrie sehr schnell, sehr glimpflich und sehr viel besser, als alle es erwartet hätten, wieder auf den Erfolgskurs zurückgefunden haben. Diesen gemeinsamen Geist hätten wir gerne bewahrt, um auch wieder attraktiver zu werden für viele Unternehmen, die uns heute eine Mitgliedschaft verweigern, weil sie der Auftritt der IG Metall abschreckt und sie ihn sich für ihr Unternehmen, so lange sie es irgend können, ersparen wollen. Vielleicht denken Sie darüber einmal in Ruhe nach.
Der DGB und die IG Metall haben diesen Gemeinschaftsgeist guter Sozialpartnerschaft seit Ende letzten Jahres in Bezug auf bestimmte Beschäftigungsverhältnisse anscheinend aufgekündigt. Sie „verunglimpfen“ – um Ihr Wort zu gebrauchen – pauschal befristete Beschäftigungsverhältnisse und Zeitarbeit als absichtsvolle Bösartigkeiten, malen wieder die alten Zerrbilder des bösen Arbeitgebers in satten Farben, der sich vor allem daran freut, wenn er an seinen Arbeitnehmern sparen kann. Und das, nachdem die Arbeitgeber, von denen viele erwartet hatten, dass sie in der Krise parallel zu den zu verkraftenden Einbrüchen ihre Belegschaften abbauen, dies gerade nicht getan haben.
Sie wissen genau, dass dieses Zerrbild nicht die Realität unserer Industrie ist. Sie wissen auch sehr genau, dass für viele wenig bis gar nicht Qualifizierte die Zeitarbeit die einzige Chance ist, in ein selbst bestimmtes Leben mit Arbeit zurück zu kehren. Sie wissen auch, dass Auftragslagen in Unternehmen sehr schwanken können – und nicht jeder Auftragszuwachs zum Aufbau von Stammbelegschaften führen kann, weil sonst jede Auftragsflaute zu Kündigungen führen müsste, was nach deutschem Arbeitsrecht schlecht funktioniert. All das wissen Sie. Und deshalb haben Ihre Aktionen Ähnlichkeit mit „blinder Wut“, ein Angriff auf die Zeitarbeit ist es allemal, denn vollständiges Equal Pay kommt unter den deutschen Bedingungen der Zeitarbeit Ihrer Unmöglichmachung gleich. (Denn die nicht unbeträchtlichen Kosten des Zeitarbeitsunternehmens kommen hinzu und dann machen die Gesamtkosten den Vertrag entweder für das Zeitarbeitsunternehmen oder für das Einsatzunternehmen oder für beide undurchführbar, ohne dass alternativ mit einer Aufstockung der Belegschaft im Einsatzunternehmen zu rechnen wäre. In vielen Fällen würde die Beschäftigung dann ganz entfallen.) Wollen Sie im Ernst mit uns darüber rechten, wenn wir auf die systematische Verunglimpfung der Zeitarbeit mit einer Zuspitzung reagieren?
Es gibt ein einfaches Mittel. Die Gewerkschaften haben es selbst in der Hand, indem sie ihr Zerrbild einpacken und verbal abrüsten.
Zur Sache selbst: Ich würde es sehr begrüßen, wenn nun die Verbände der Zeitarbeit mit den Gewerkschaften vertragliche Regelungen treffen würden, die die Zeitarbeit zukunftsfest machen, indem die spezifischen deutschen Bedingungen dieser Branche beachtet werden. Daran sollten wir objektiv ein gemeinsames Interesse haben, weil die Verfügbarkeit dieses Instruments inzwischen zu den Erfolgsbedingungen unserer Industrie gehört. Und weil andererseits viele Arbeitnehmer nur durch die Zeitarbeit wieder Anschluss an den Arbeitsmarkt finden. Wenn wir intelligent damit umgehen, ist das eine Win-Win-Win-Win-Win-Situation, für die Arbeitnehmer, für die Produktionsunternehmen, für die Zeitarbeitsunternehmen, für die Gewerkschaften und für die Arbeitgeberverbände. Der Slogan „Leiharbeit verbieten“ würde ins gerade Gegenteil führen.
Mit freundlichen Grüßen
Volker Fasbender
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