Herbstumfrage 2008

 

Wirtschaftlichen Entwicklung und Prognose der M+E-Industrie in Hessen

  • Metall- und Elektro-Industrie auf Kostensenkungskurs im Abschwung
  • Investitionen werden eher nicht zurückgefahren
  • Kreativer Umgang mit Arbeitszeitinstrumenten soll Abbau von Stammbelegschaften vermeiden helfen
Frankfurt am Main. „Die M+E-Industrie rüstet sich für den Abschwung und hat Kostensenkungsmaßnahmen auf breiter Front angepackt. Kreativer Einsatz der Arbeitszeit- und Tarifinstrumente soll den Abbau von Stammbelegschaften möglichst vermeiden helfen. 2008 wird noch ein insgesamt gutes Jahr, 2009 aber sehr schwierig. Die Mehrheit will dennoch die Investitionen nicht zurückfahren und die Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter sogar erhöhen. Wir sind besser gerüstet als vor der letzten Rezession“, sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL, bei der Vorlage der traditionellen Herbstumfrage der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen.

An dieser Erhebung beteiligten sich 249 Unternehmen mit knapp 90.000 Beschäftigten der mit 53 Mrd. Jahresumsatz größten Industrie in Hessen. Während die Aufträge in den drei großen M+E-Branchen im Oktober einbrachen – Automobil- und Maschinenbau mit über 20 Prozent, lediglich die Elektrotechnik noch mit moderaten knapp 5 Prozent -, liegen Umsätze und Beschäftigte in der gesamten M+E-Industrie bis Ende des 3. Quartals noch deutlich im Plus. Die Erwartungen für das kommende Halbjahr zeigen aber bei Umsatz, Erträgen und Beschäftigung nach unten.

Für knapp 40 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen stellt sich die allgemeine Geschäftslage bis Ende Oktober 2008 weiterhin als „befriedigend“ dar. 34 Prozent schätzen sie sogar immer noch als „gut“ oder „sehr gut“ ein und 26 Prozent beurteilen sie als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Im Vergleich zum Frühjahr hat sich die Lage für mehr als die Hälfte verschlechtert. Zum Frühjahr 2009 hoffen 43 Prozent auf einen „vergleichbaren“ Stand, aber 56 Prozent befürchten Verschlechterung. „Damit hat sich die Stimmung rapide in ihr Gegenteil verkehrt,“ resümierte Dr. Helmut Rau, Geschäftsführer Tarifpolitik.

„Aufschwung war gestern, jetzt ist Rezessionsmanagement gefordert mit dem nüchternen Blick, dass nach jedem Abschwung ein erneuter Aufschwung folgt, der sich dem Aufholprozess der Schwellenländer verdankt. Bei der Abschwungbewältigung legen unsere Unternehmen besonderen Wert darauf, die Fachkräfte durch das Konjunkturtal hindurch zu halten“, so Fasbender. Die Maßnahmenpakete der M+E-Unternehmen seien vielfältig: Da sei zunächst die stufenweise Reduktion von Arbeitszeit: Nutzen der Langzeitarbeitskonten, verlängerte Betriebsferien, Reduzierung der Wochenarbeitszeit und Kurzarbeit, dann Abbau von Zeitarbeitsplätzen sowie von befristet Beschäftigungsverhältnissen.

Viele Firmen seien noch recht zuversichtlich, den letzten Schritt – Abbau der Stammbelegschaften - vermeiden zu können. Hilfreich seien hierzu auch die flexiblen Instrumente des Flächentarifvertrages: So erlaube der 7-Monatspuffer des vor wenigen Wochen abgeschlossenen Tarifvertrags, mit dem die zweite Stufe der Entgelterhöhung bis in den Dezember 2009 verschoben werden kann, erheblichen Gestaltungsspielraum, auf die Krise zu reagieren. Auch Standortsicherungsverträge mit passgenauen Abweichungen von Flächentarifverträgen bieten sich als Option an.

Ein entscheidendes Instrument für die wechselnden Auf- und Abschwünge sei gerade die Zeitarbeit: 75 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen haben angegeben, dass sie „Zeitarbeit“ nutzen, vor allem um kurzfristige Auftragsschübe besser bewältigen zu können und damit die betrieblichen Flexibilität zu erhöhen. Bei der Qualifikation dominieren Zeitarbeitnehmer mit abgeschlossener Lehre, davon 47 Prozent in Fertigungsberufen und 14 Prozent in Büroberufen. 31 Prozent der Zeitarbeitnehmer verfügen über keine und 9 Prozent sogar über eine akademische Ausbildung.

Zu den Ergebnissen der Umfrage im Einzelnen:

Der Zukunftsindikator Auftragsbestände ist im Herbst 2008 bei mehr als 52 Prozent der Unternehmen zurückgegangen, bei 35 Prozent unverändert geblieben. knapp 13 Prozent melden höhere Werte. Die Auftragslage wird mit fast 49 Prozent noch immer von den meisten Unternehmen als "ausreichend" umschrieben, bei 19 Prozent sind die Auftragsbestände sogar noch „verhältnismäßig groß“, aber bei 32 Prozent „zu gering“. Für das kommende halbe Jahr erwarten 35 Prozent „unveränderte“, 5 Prozent „eher zunehmende“, aber deutliche 60 Prozent „eher abnehmende“ Auftragsbestände.

35 Prozent der teilnehmenden Unternehmen haben seit dem Frühjahr 2008 sinkende, 22 Prozent steigende Umsätze verzeichnet. Für das kommende Halbjahr rechnen sogar über 52 Prozent mit Umsatzeinbrüchen, 42 Prozent mit gleich bleibenden und 6 Prozent mit steigenden Umsätzen. Bei den Erträgen erwarten 41 Prozent, das Niveau halten können, aber 54 Prozent rechnen mit Rückgängen.

Ihre Netto-Investitionen haben 19 Prozent der beteiligten Unternehmen gesteigert. Immerhin 61 Prozent haben das hohe Investitions-Niveau halten können, 20 Prozent melden bereits Rückgänge. Bis zum Frühjahr 2009 werden bei 43 Prozent der Unternehmen die Investitionen „eher gleich bleiben“, 11 Prozent werden sie sogar noch ausdehnen, bei 46 Prozent werden sie voraussichtlich zurückgehen.

Im Halbjahresvergleich zum Frühjahr 2008 haben die an der Umfrage beteiligten M+E-Unternehmen ihren Beschäftigungsstand noch leicht erhöhen können. Für das kommende Halbjahr wird mit einem drastischen Beschäftigungsrückgang um 3,9 Prozent gerechnet. Besonders betroffen von dieser Entwicklung wird der Produktionsbereich mit 48 Prozent sein, aber auch die Verwaltung mit 24 Prozent.


Charts

Alle Charts zur Herbstumfrage stellen wir Ihnen als  pdf-Datei zur Verfügung.
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