Frühjahrsumfrage 2011


  1. Die Lage der M+E-Industrie in Deutschland und ihre Branchen-Logik. (Herr Fasbender)

  2. Die Entwicklung der hessischen M+E-Industrie zu Aufträgen, Umsätzen und Beschäftigung - bis Februar 2011. (Prof. Weidemann)

  3. Das aktuelle Stimmungsbild unserer Industrie auf der Basis einer eigenen Umfrage bei unseren Mitgliedsunternehmen. (Prof. Weidemann)

  4. Und – wie jedes Jahr – haben wir auch eine Sonderfrage gestellt: Gibt es einen Trend, dass Industrieunternehmen mehr und mehr Dienstleistungsgeschäft auf- und ausbauen? (Herr Fasbender)


Die Metall- und Elektro-Industrie ist mit 51 Mrd. € Jahresumsatz und über 200.000 Beschäftigten die größte Industrie in Hessen. Als Arbeitgeberverband repräsentiert HESSENMETALL 524 Unternehmen mit rd. 120.000 Beschäftigten.



Chart: M+E-Konjunktur-Motor

Wir haben eine Menge geschafft. Das Vorkrisenniveau ist endlich in Reichweite. Um Ihnen den Weg dorthin zu illustrieren, zeigen wir Ihnen seit 3 Jahren das monatlich aktualisierte Schaubild M+E-Konjunkturmotor, das in vier Säulen die Abstände zum Niveau vor dem Absturz misst. Beim Geschäftsklima haben wir das Vorkrisenniveau bereits übertroffen. Bei den Aufträgen fehlen nur noch 3 Prozent,  um das Niveau des 1. HJ 2008 zu erreichen. Noch 6 Prozent mehr Produktion wäre nötig. Diese scheinen ebenfalls in Reichweite. Knapp 4 Prozent Beschäftigte hat unsere Industrie noch   weniger. Doch auch hier geht es seit Mitte letzten Jahres wieder bergauf.




Chart: Gewinne der M+E-Firmen
Die meisten Unternehmen der M+E-Industrie – nämlich knapp 80 Prozent -  konnten 2010 wieder eine positive Nettoumsatzrendite erzielen.
Gut ein Fünftel war allerdings noch in den roten Zahlen.
Gut ein weiteres Fünftel verdient mit über 4 Prozent wieder ordentlich, um gut zu investieren.





Chart: Produktion und Bruttomonatsverdienste

Während die Produktion weiter anzieht und auf einem guten Weg ist, das Vorkrisenniveau zu erreichen, haben die Bruttoverdienste dieses sogar schon überschritten.
Sie waren im 3. Quartal 2010 sogar um 3,6 Prozent höher als im 1. Halbjahr 2008, während die Produktion noch um 11,5 Prozent darunter lag.





Chart: Beschäftigungsaufbau
Der Beschäftigungsaufbau läuft weiter in hohem Tempo. So stieg die Zahl der Beschäftigten im Februar 2011 verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresmonat bundesweit um 2,0 Prozent.

Bei rund 3,5 Mio. Beschäftigten sind das ordentliche Zuwächse: Seit dem Tiefsstand im März 2010 75.000 neue Stammarbeitsplätze.





Chart: Zeitarbeit
Zusätzlich zu den 3,5 Mio. Arbeitnehmern beschäftigt unsere Industrie noch rund 5 Prozent Zeitarbeitnehmer. Das ist – wenn Sie so wollen - eine „unechte Quote“, aber wir wollten Ihnen die Relation zeigen. Und dieser Befund ist noch ein Viertel entfernt vom Vorkrisenniveau. Keine Rede also von dramatischen Anstiegen der Zeitarbeit.





Chart: ifo-Konjunkturtest

Der Klimaindex machte im April 2011 trotz Japan einen weiteren Sprung nach oben.
Der Beurteilungssaldo der Geschäftslage der M+E-Firmen kletterte weiter nach oben. Mitte 2010 lag er noch bei null.
Die Erwartungen liegen stabil mit kleinen monatlichen Schwankungen auf hohem Niveau.



Die aktuellen Zahlen, die das statistische Landesamt erstellt hat


Auch im Februar 2011 sind die Auftragseingänge in der hessischen M+E-Industrie im Vorjahresvergleich deutlich angestiegen – bedingt durch kräftige Zuwächse aus dem In- und Ausland.

Die Gesamtumsätze sind ebenfalls gestiegen. Sowohl die Inlands- als auch die Auslandsumsätze haben dazu einen positiven Beitrag geleistet.

Die Beschäftigung steigt wieder. Im Februar 2011 ist im Vorjahresvergleich mit einer Zunahme der Beschäftigtenzahl von 3,2 Prozent eine selbst in der Aufschwungphase der Jahre 2007/2008 nicht registrierte Steigerung erzielt worden.




Chart: Die Umsätze
Die Umsätze in der hessischen M+E-Industrie steigen weiter. Sowohl im Januar als auch im Februar 2011 sind gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten deutliche Umsatzsteigerungen erzielt worden.
Insgesamt ist im Februar 2011 mit 4,9 Mrd. € um 35 Prozent mehr als vor einem Jahr umgesetzt worden.
Insbesondere die Auslandsumsätze haben dabei mit einem Plus von 41 Prozent auf 2,9 Mrd. € die Gesamtentwicklung positiv beeinflusst.
Aber auch die Umsätze mit Geschäftspartnern im Inland haben mit ihrer Zunahme um 27 Prozent auf 2,0 Mrd. € einen positiven Beitrag geleistet.




Chart: Die Umsatzverteilung
Hier das Ranking der M+E-Branchen in Hessen nach Umsatzanteilen – nun in neuer Struktur. Dadurch haben sich die Gewichte etwas verschoben:

Besonders erwähnenswert ist eine neue „Branche“, die quasi für die industrienahen Dienstleistungen des Industriegeschäfts, vor allem des Maschinenbaus steht: Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstung. Sie erzielt knapp 5 Prozent an der gesamten Wertschöpfung. Wir erwarten hier auf mittlere und längere Sicht weitere Steigerungen.



Zur Stimmung Ende März /Anfang April!


Wir haben unsere Mitgliedsunternehmen im Frühjahr 2011 in einer „Blitzumfrage“ nach ihren Einschätzungen über die aktuelle wirtschaftliche Situation und die weitere Entwicklung ihres Unternehmens befragt. An dieser Erhebung haben sich 116 Mitgliedsunternehmen mit 52.300 Beschäftigten beteiligt.

Bereits im Herbst 2010 hatten die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektroindustrie ihre Lage positiv eingeschätzt. Ihre optimistische Prognose hat sich nach den Ergebnissen der aktuellen Umfrage bestätigt: Sie zeigen – analog zu den Daten aus der „Amtlichen Statistik“ – eine weitere Verstärkung der positiven Tendenzen.



Chart: Beurteilung der allgemeinen Geschäftslage

Die Lage im Frühjahr 2011 wird von fast zwei Drittel der hessischen M+E-Unternehmen als „gut“ oder „sehr gut“ beurteilt, für 31 Prozent stellt sie sich als „befriedigend“ dar. Lediglich 4 Prozent sind im Segment „schlecht“ angesiedelt. Für die Beurteilungsstufe „sehr schlecht“ wurde kein Votum abgegeben.

Beim Ausblick zum Herbst 2011 äußern sich 38 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen weiter optimistisch: Sie rechnen mit einer weiteren Verbesserung. Für 56 Prozent bleibt es „vergleichbar“. Und lediglich 6 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.



Chart: Allgemeinen Geschäftslage (differenziert)
Betrachtet man die Erwartungen über die allgemeine Geschäftslage noch einmal differenzierter, zeigt sich: Mehr Optimismus geht kaum!
Mehr als ein Drittel derjenigen, die die Lage im Frühjahr 2011 ohnehin als „gut“ oder „sehr gut“ bewertet haben, erwartet noch einmal eine Verbesserung für Herbst 2011. Fast zwei Drittel erwarten eine gleichbleibend gute Situation. Nur 5 Prozent gehen von einer schlechteren Geschäftslage für Herbst 2011 aus.




Chart: Entwicklung der Auftragsbestände
Die Beurteilung des Zukunftsindikators Aufträgseingänge durch die teilnehmenden M+E-Unternehmen zeigt deutlich nach oben: Mehr als die Hälfte sehen sie verbessert.

In der aktuellen Lage im Frühjahr 2011 beurteilen 51 Prozent ihre Auftragsbestände als „ausreichend“, 38 Prozent sogar als „verhältnismäßig groß“ und lediglich 11 Prozent als „zu gering“.

Auf dieser komfortablen Basis schätzen 50 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen ihre Situation für das kommende halbe Jahr als „unverändert“ ein, 40 Prozent rechnen sogar mit einer „eher zunehmenden“ Nachfrage; lediglich 10 Prozent befürchten „eher abnehmende“ Auftragsbestände.



Chart Umsatzentwicklung
Rückblick:  Die Urteile zur Umsatzentwicklung zeigen ebenfalls eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Herbst 2010: So geben 54 Prozent der M+E-Unternehmen an, die Umsätze seien im vergangenen Halbjahr „gestiegen“. Für 37 Prozent sind sie „unverändert“ geblieben; bei 9 Prozent sind die Umsätze „gefallen“.

Ausblick:  Für das kommende Halbjahr bis zum Herbst 2011 rechnen 45 Prozent mit „eher steigenden“ und 46 Prozent mit „eher gleich bleibenden“ Umsätzen – gegenüber 9 Prozent, die von „eher fallenden“ Umsätzen ausgehen.




Chart: Entwicklung der Investitionen
Rückblick: Die Investitionstätigkeit ist auf einen nachhaltigen Wachstumspfad eingeschwenkt: Während 58 Prozent angeben, die Höhe ihrer Investitionen sei gegenüber dem Herbst 2010 „unverändert“, melden immerhin über 34 Prozent „gestiegene“  und lediglich 8 Prozent „gefallene“ Investitionen.

Ausblick: Für die nächsten sechs Monate bis zum Herbst 2011 zeichnet sich eine weitere Verbesserung der gegenwärtigen Investitionslage ab: So gehen mit mehr als 62 Prozent fast zwei Drittel der Unternehmen davon aus, dass ihre Investitionen eher auf dem gegenwärtigen, hohen Niveau bleiben werden, mehr als ein Drittel (35 Prozent) rechnen sogar mit „eher steigenden“ und lediglich 3 Prozent mit „eher fallenden“ Investitionen.




Bauen Industrieunternehmen Dienstleistungsgeschäft auf und aus?



So lautete unsere Sonderfrage.

Deutschland entwickelt sich mehr und mehr zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Aber wenn diese im Wohlstand leben will, muss sie auch als Industrieland wachsen. Die Industrie hat eine kaum zu überschätzende Bedeutung für Forschung und Entwicklung sowie für Innovationen: Über 90 Prozent der Innovation kommt direkt aus der Industrie.

Für alle Lebensbereiche einer Weltbevölkerung von knapp 7 Mrd. Menschen brauchen wir Industrie. Eine moderne und innovative Industrie wie in Deutschland. Für die Industrie gibt es also immer genug zu tun. Aber eben nicht überall. Sondern nur dort, wo sie auch wertgeschätzt wird, wo sie die richtige gesellschaftliche Einstellung vorfindet – und Infrastruktur sowie fördernde Rahmenbedingungen. Soweit die volkswirtschaftliche Betrachtung!

Was aber tut die Industrie, was tut unsere M+E-Industrie selbst? Kommen wir zur betriebswirtschaftlichen Perspektive!



Zur Lage:
Ein Drittel der 116 teilnehmenden Unternehmen geben an, dass sie auch Umsätze im Dienstleistungsbereich erwirtschaften. Das erscheint uns viel. Diejenigen Unternehmen, die Umsätze im Dienstleistungsbereich erwirtschaften, melden einen Dienstleistungsanteil an ihren Gesamtumsätzen in Höhe von 11,3 Prozent im Durchschnitt.

Zur Einschätzung:
Fast drei Viertel von ihnen sehen in der Kombination aus Industrie und Dienstleistung grundsätzlich einen „Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg“.  Das erscheint uns sehr viel. Wenn diese Einschätzung handlungsleitend wird, müssten es bald noch viel mehr sein.



Der Umsatzanteil im Dienstleistungsbereich ist  bei den meisten Unternehmen im vergangenen Jahr konstant geblieben (53 Prozent), in einer Reihe von Fällen aber auch erhöht (42 Prozent) und nur bei wenigen leicht verringert worden.

Für das laufende Jahr plant der größte Anteil der Unternehmen (53 Prozent), ihre Dienstleistungsaktivitäten weiter zu erhöhen, gefolgt von denjenigen, die ihren Umsatzanteil an den Dienstleistungen etwa beibehalten wollen (47 Prozent); eine Verringerung wird von keinem Unternehmen geplant.

Wir können heute – neben dem volkswirtschaftlichen Befund -  zumindest bei dem Drittel, das bereits Umsätze in der Dienstleistung erzielt, einen betriebswirtschaftlichen Trend aufzeigen, dass Industrieunternehmen selbst immer mehr bezahltes Dienstleistungsgeschäft entwickeln. Und diese Unternehmen, die wir „hybride Unternehmen“ nennen, sind auch besonders innovativ und erfolgreich.



Die Erwartungen, die sich für die Unternehmen mit ihren Dienstleistungsangeboten verknüpfen, decken sich weitgehend mit den Effekten, die durch ihre Aktivitäten erzielt worden sind:
Am meisten erwarten die Unternehmen dadurch:
- „verbesserte Kundenbindung“ (42 Prozent),
- „Umsatzsteigerungen“ (27 Prozent)
- „mehr Neugeschäft“ (23 Prozent).


Hybride Wertschöpfung kann ein Wachstumstreiber werden. Überlegene Produkte sind künftig notwendig, aber reichen nicht mehr für den Erfolg. Die Verlängerung der Wertschöpfungskette um Dienstleistungen kann den industriellen Kern schützen und entwickeln. Unsere M+E-Industrie in Hessen tut das bereits kräftig und - folgen alle 75 Prozent ihrer Einsicht – werden es bald immer mehr werden. Aber die Basis aller neuen Geschäftsmodelle ist und bleibt die industrielle Wertschöpfung selbst.

Vorreiter ist hier wohl der Maschinen- und Anlagenbau. Er musste immer schon Reparatur- und Installationsdienste anbieten, erzielt jetzt damit aber mehr und mehr Wertschöpfung.

Fazit:
  1. Eine deutliche verbesserte Geschäftslage zeigt, dass der Konjunkturmotor M+E in Hessen brummt und weiter Fahrt aufnimmt
  2. Die verbesserte Lage geht einher mit einer verbesserten Erwartung: fundierter Optimismus und weiter Aufbruchsstimmung.
  3. Die „nachlaufende“ Beschäftigung nimmt wieder zu und beschleunigt sich: Über 6.200 neue Stammarbeitsplätze im Februar im Vergleich zum Vorjahr sind ein starkes Signal.
  4. Ein Drittel der befragten M+E-Unternehmen erzielt bereits Umsätze im Dienstleistungsbereich (Umsatzanteil über 11 Prozent). Die Hälfte davon pIant, diesen weiter zu erhöhen.
  5. Sie versprechen sich davon eine stärkere Kundenbindung, mehr Umsatz und mehr Neugeschäft. Und ihre Erwartungen werden erfüllt.
  6. Insgesamt halten fast drei Viertel der beteiligten Unternehmen eine Symbiose aus Industrie und Dienstleistung grundsätzlich für einen „Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg“. Das Dienstleistungsgeschäft der M+E-Industrie wird wichtiger und weiter wachsen.






















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